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<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom"><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-05-26:/</id><title>Literaturzeitschrift.de</title><link rel="self" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/feed/atom/posts/"/><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/"/><subtitle>Willkommen im Blog von Literaturzeitschrift.de&#13;
Hier werden Bücher, Autoren und Trends kommentiert und diskutiert</subtitle><generator version="1.0">MokoFeed</generator><updated>2013-05-26T10:55:46+02:00</updated><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-05-21:/2013/05/21/elfriede-jelineks-feuerwerk-wilder-worte-16037392/</id><title>Elfriede Jelineks Feuerwerk wilder Worte</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/05/21/elfriede-jelineks-feuerwerk-wilder-worte-16037392/"/><author><name>Frieling</name></author><published>2013-05-21T14:27:11+02:00</published><updated>2013-05-21T22:40:40+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;img src="http://www.rowohlt.de/fm/501/thumbnails/978-3-498-03339-2.jpg.588447.jpg" alt="" width="194" height="315"&gt;&lt;strong&gt;Oh, Ihr Schauspieler,&lt;/strong&gt; die Ihr eines nahen Tages dieses auf Anregung der Bayerischen Staatsoper ausdrücklich für die Bühne geschriebene Zweipersonenstück auswendig lernen müsst, Ihr habt mein tiefstes Mitgefühl, denn schon Brünhilde, die widerborstige Lieblingstochter von Götterpapa Wotan, ergießt sich gleich mit 48 Seiten Text, mit einem Redeschwall in 1.189 Zeilen, in 71.340 Zeichen, bis der gekündigten Walküre erst einmal die Puste ausgeht und der gebrochene Gott, Wotan Wanderer, auf der Suche nach sich selbst und dem eigenen Untergang, zu Wort kommt. Und was antwortet ihr der Olympier, dem eigentlich keiner mehr so recht glauben oder gar folgen mag, da er Verträge nach eigenem Gutdünken interpretiert, sie mit Raubgold erfüllt, und dessen Rechtfertigungen deshalb kaum jemanden wirklich interessieren? &lt;em&gt;»Kind. Soviel hast du ja noch nie gesagt! Ich hör dir jetzt seit Stunden zu, aber was hast du gesagt? Ich weiß es nicht mehr.«&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Welch weise Worte, wilder Wotan&lt;/strong&gt;. Oder ist es die Selbsterkenntnis der Autorin, die denjenigen, der sich an ihren Text wagt, vorwarnen möchte? Denn wer die ersten zwei Stunden des Monologschaums überstanden hat, der hat nur noch gute vier Stunden Wortwahn zu durchschwimmen. Wer Jelinek liest, ahnt wohl, was ihn erwartet, sonst sei er gewarnt. Er wird sich nicht beklagen, sondern vielmehr die philosophische Tiefe in den Texten suchen wie weiland Alberich das tückische Gold im schlammigen Rhein. Er wird vielleicht verstehen, was den rosaroten Panther, das Rheingold und das Jelineksche Verständnis des Marxschen »Kapital« verbindet und daraus ein intellektuelles Rahmenprogramm bestreiten können, das mäandert wie weiland Vater Rhein vor seiner zwanghaften Begradigung, die es den vielen Schatzsuchern unserer Tage so unendlich erschwert, das in den Auenlandschaften wartende Rheingold zu bergen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Der Text, Elfriede J. mag es mir nachsehen, wirkt wie der innere Monolog&lt;/strong&gt; einer inmitten des Feuerrings auf ihrem Walkürenfelsen gelangweilt auf die Erlösung durch den einen Helden harrenden Brünhilde mit ihrem Vater, der sie verstieß, nicht mehr mit ihr redet, dem sie jedoch alles nahezu zwanghaft erklären will, ihr Denken, ihr Handeln, ihr Aufbegehren, ihren Verrat. Gemischt mit einem guten Schuss Antikapitalismus macht die Autorin aus Wotan einen Bundespräsident a.D., der einer entwerteten Gesellschaft vorsteht, die sich als Exportweltmeister geriert und glaubt, alle Probleme mit dem Anwerfen der Geldpresse lösen zu können, um auf diesem Wege Erlösung zu spenden. Dies geschieht in einer Kunstsprache, die immer wieder Geld als Meta-Tag einsetzt und als Spiegel der intellektuellen Leere unserer Zeit verstanden werden möchte. Wie Brünhilde schreibt sie fleißig, tippt wütend &lt;em&gt;»Bits und Bytes«&lt;/em&gt;, brennt ein Feuerwerk wilder Worte ab und sinniert. Wie heißt es an einer Stelle: &lt;em&gt;»Da regt sich was und vermehrt sich! Wir könnens nicht sein, aber da bewegt sich noch was.»&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Jelineks »Rein GOLD« ist, kurz gefasst, eine Suada,&lt;/strong&gt; die sich über den Leser ergießt und in ihrer Monotonie, von ein paar Kalauern (&lt;em&gt;»Der Wurm, "ein großer und nicht im Rechner", bewacht«&lt;/em&gt; … den Nibelungenschatz) abgesehen, wenig Neues oder Erfrischendes zum Thema Wagner bringt. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;Elfriede Jelinek&lt;br&gt; rein GOLD. Ein Bühnenessay&lt;br&gt; Rowohlt 2013&lt;br&gt; ISBN 978-3-498-03339-2&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/05/21/elfriede-jelineks-feuerwerk-wilder-worte-16037392/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-05-07:/2013/05/07/holger-schaeben-hartes-leben-provinz-15865938/</id><title>Holger Schaeben - Es ist ein hartes Leben in der Provinz</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/05/07/holger-schaeben-hartes-leben-provinz-15865938/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2013-05-07T18:22:30+02:00</published><updated>2013-05-07T18:22:30+02:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/61t25JNblkL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-66,22_AA300_SH20_OU03_.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Der Ich-Erzähler siedelt mit Frau und Kind von Düsseldorf nach Oberammergau um; völlig klar, dass bei einem derart gewagten Unterfangen der Kulturschock im Preis inbegriffen ist. Doch damit nicht genug: Als selbst auferlegte Strafverschärfung wird im Reich der Herrgottsschnitzer und Passionsspieler auch noch ein Eigenheim errichtet, das langsam aber sicher immer teurer zu werden droht. Kann dieses Doppel-Projekt wirklich gelingen?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Holger Schaeben setzt einen pointierten Kontrapunkt zu der in weiten Teilen der Mittelschicht verbreiteten Sehnsucht nach dem Landleben, das gerne romantisiert und verklärt zur allein selig machenden Daseinsform erhoben wird. Am Beispiel des vermeintlichen Paradieses Oberammergau liefert er jede Menge guter Argumente für die, die das Treiben im urbanen Dschungel der Eintönigkeit der trägen Provinz vorziehen. Denn die ländliche bayerische Idylle besteht eben nicht nur aus Bergen, sondern auch aus Schneebergen (die durchschnittlich sechs Monate im Jahr abgetragen werden wollen) und aus Eingeborenen, die nach der Tourismussaison regelmäßig in den Winterschlaf fallen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Keineswegs jedoch erliegt der Autor der Versuchung, zwischen Stadt- und Landleben scharf zu polarisieren, er wird nie polemisch oder verletzend, sondern schildert mit humorvoller Selbstironie seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen und zieht daraus für sich die Schlüsse, ohne den Anspruch doktrinärer Allgemeingültigkeit zu erheben. Die geschliffene Sprache und die mit Bedacht gewählten klugen Formulierungen machen dieses Buch zu einem formidablen Lesevergnügen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Holger Schaeben&lt;br&gt;
&lt;a href="http://www.amazon.de/ist-hartes-Leben-Provinz-ebook/dp/B00CI4WOXM/ref=sr_1_1?s=digital-text&amp;ie=UTF8&amp;qid=1367942996&amp;sr=1-1"&gt;Es ist ein hartes Leben in der Provinz&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Monsenstein und Vannerdat (6. Mai 2013)&lt;br&gt;
ASIN: B00CI4WOXM&lt;/em&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/05/07/holger-schaeben-hartes-leben-provinz-15865938/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-04-13:/2013/04/13/manuela-reichart-zehn-minuten-ganzes-leben-15752468/</id><title>Manuela Reichart - Zehn Minuten und ein ganzes Leben</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/04/13/manuela-reichart-zehn-minuten-ganzes-leben-15752468/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-04-13T17:42:55+02:00</published><updated>2013-04-13T17:43:28+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;a title="Zehn Minuten" href="http://www.blog.de/media/photo/zehn_minuten/6983581"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/581/6983581_2b852ddea7_s.jpeg" alt="Zehn Minuten"&gt;&lt;/a&gt;Eine Frau liegt auf dem Sterbebett. Die Stimmen um sie herum blendet sie aus. Sie mag ihre eigenen Stimmen hören, ihre eigenen Bilder sehen. Die Bilder ihres Lebens. Sie braucht zehn Minuten, um siebzig fragmentarische Szenen ihres Lebens vor ihrem geistigen Auge ablaufen zu sehen. Es werden die letzten zehn Minuten ihres Lebens sein. Die Zeit der Möglichkeiten ist endgültig vorbei. Die Szenen, die sie sieht, sind flüchtige Bestandsaufnahmen von der Kindheit bis ins Alter. Die Autorin Manuela Reichart schreibt in "Zehn Minuten und ein ganzes Leben" die Rückschau eines erschreckend banalen Frauen-lebens. Vielleicht kein Zufall, dass auch der Titel an den eher banalen, aber wirkungsvollen Slogan fürs Blutspenden erinnert.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Es ist kein außergewöhnliches Leben gewesen, an das die namenlose Protagonistin sich erinnert. Es gab Höhen und Tiefen, aber zumeist nur Höhen und Tiefen, die sie selbst in die Banalität der Ereignisse hinein interpretiert hat. Hauptsächlich erinnert sie sich an Männergeschichten, so gut wie alle gescheitert. Gelegentlich blitzen zwar Erinnerungen aus ihrem frühen Familienleben auf, auch aus der Kindheit ihrer eigenen Kinder, aber in der Relation sind sie selten. Selbst eine der allerersten Szenen aus ihrer Kindergartenzeit ist der Frau nur deshalb erinnerlich, weil eine vierjährige Rivalin ihr den Kindergartenfreund abspenstig machte. Ihre eigenen Kinder haben sie wohl enttäuscht, haben der Mutter nicht die erwartete Anerkennung, den erwarteten Dank erwiesen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Sie erinnert sich an den Mann, der einstmals sogar mit Selbstmord drohte, wenn sie ihn nicht erhöre. Doch auch dessen Verehrung währte nicht ewig. Er schloß eine Ehe, die nicht auf ihren Stöckelschuhen daherkam, sondern "fest in den Gesundheitsschuhen" einer bodenständigeren Frau stand. So war auch "er ihr zum Verräter geworden". Der Mann, den wiederum sie einst bis zum Wahnsinn verehrte, er erzählt beim Wiedersehen von seiner letzten Darmspiegelung. So geht es mit den Männergeschichten munter weiter und gipfelt schließlich in der Erinnerung an unbefriedigende Masturbationsversuche.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ist es wirklich das, woran man sich am Ende eines Lebens erinnern will? Sind dies wirklich die Ereignisse, die bleiben? Im Klappentext steht "Es ging ihr immer nur um die Liebe". War das wirklich so oder ging es ihr nicht vielmehr doch um die verzweifelte Suche nach Anerkennung? "Einen gescheiten Satz sollte jeder zurücklassen". Das ist ihr dringendster Wunsch. Doch "hat sie ihn gesagt, hat man ihn gehört?" Manuela Reichart hat mit dieser kurzen Prosa kein Rührstück geschrieben, auch keines, welches an die viel beschworenen wirklich wichtigen Dinge im Leben gemahnt. Vielmehr zeigen ihre kurzen Fragmente, wie erschütternd wenig bleiben kann, wenn man am Ende seines Lebensweges angelangt ist. Als Leser empfindet man es bitter, dass diese Lebensrückschau sich in erster Linie mit der unbefriedigt gebliebenen Suche nach Anerkennung und Respekt beschäftigt. Es scheint wenig Gutes gegeben zu haben, an das die namenlose Frau sich erinnern kann.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Gleichwohl macht dieses Buch nicht traurig. Melancholie ist das äußerste Gefühl, welches die kühl und komprimiert geschriebene Prosa hervorruft. Die Autorin lässt den Szenen selten einen freien erzählerischen Lauf. Sie traut sich durchaus was mit diesem Buch, doch sie traut den Lesern zu wenig zu. Rasch und unbeteiligt analysiert Manuela Reichart lieber selbst. Gerade bei den Erinnerungen an Szenen aus dem Familienleben lässt sie kein Klischee gelten, sie entlarvt und verurteilt unerbittlich.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Am Ende jedes Fragments steht eine lakonische Zusammenfassung, die den Kern drastisch vor Augen führt. Die kurzen, komprimierten Texte bringen dem Leser jedoch nur wenige Einsichten. Vor allem die Männerfixiertheit als Priorität irritiert. Andere Geschichten werden nur angedeutet, obwohl sie eine wohltuende Abwechslung gewesen wären. So erfährt man nur an Rande, dass die Schwester, mit der sie den Anfang teilte, in der Mitte des Lebens unwichtig wurde und jetzt am Sterbebett die wichtigste Bezugsperson ist. Wieso und warum, das erfährt man nicht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Aber nun - einen wichtigen Satz hinterlässt jeder. Die namenlose Sterbende hinterlässt eine Erkenntnis, die den Leser mit der im Unterton der Unzufriedenheit geschriebenen Rückschau versöhnt: "Klar ist am Ende nur eins. Man hat in all den Jahren viel zuwenig getanzt." Dem werden wohl viele Frauen zustimmen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Manuela Reichart&lt;br&gt;Zehn Minuten und ein ganzes Leben&lt;br&gt; Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 110 Seiten, ISBN 978-3100636041&lt;br&gt;&lt;span&gt;&lt;br&gt;(Die Autorin: Manuela Reichart lebt als Radio-Moderatorin und Autorin in Berlin. Den Lesern in NRW dürfte sie auch als langjährige Moderatorin von "Gutenbergs Welt" auf WDR3 bekannt sein).&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Erstveröffentlichung dieser Rezension am 16.07.2012 in den Revierpassagen.de&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/04/13/manuela-reichart-zehn-minuten-ganzes-leben-15752468/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-04-03:/2013/04/03/buchland-15712184/</id><title>Buchland</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/04/03/buchland-15712184/"/><author><name>greatmum</name></author><published>2013-04-03T15:46:09+02:00</published><updated>2013-04-03T16:12:52+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;img src="http://s1.directupload.net/images/user/130403/mep8qt4j.jpg" title="Kostenlos Bilder hochladen bei directupload.net"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;"Am Anfang stand das Wort" - "Am Ende steht ein Punkt."&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Eine aussterbene Straße, wo kleine Geschäfte von großen Märkten verdrängt werden. Nur ein Geschäft bleibt bestehen, nämlich Herr Planas Bibliothek. Von außen unscheinbar, von innen ein wahres Wunderland voller Bücher, mehr, als man als Kunde wahrnimmt. Auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice, die eine neue Anstellung bei Herrn Plana annimmt, ahnt nichts von all dem, was sie in diesem Buchland erwartet ...&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich kannte den Autor Markus Walther, bei Blog.de bekannter als &lt;a href="http://www.blog.de/user/zitatus/"&gt;Zitatus&lt;/a&gt;, bereits durch seine Kurz- und Kürzestgeschichten und war sehr gespannt auf sein erstes 'richtiges' Buch mit nur einer Geschichte.. Ich muss sagen, dass die Neugier auf sein Werk nicht enttäuscht wurde. "Buchland" - einen treffenderen Titel, um das Buch vorzustellen / zu beschreiben, hätte Markus Walther nicht wählen können. Wenn Plana, Besitzer einer Bücherei (was für eine Untertreibung), seine neue Angestellte Beatrice durch das Buchland führt, hat der Leser das Gefühl, er wird mitgenommen. Man sieht die vorgestellten Bücher vor seinem geistigen Auge, man hat so etwas ähnliches wie jede Menge 'Aha' Erlebnisse, wenn man Namen wie Edgar Allen Poe, Goethe, aber auch Namen wie Cornelia Funke oder Hape Kerkeling liest. Auch habe ich noch nie so viel Zitate in einem Buch wiedergefunden/erkannt, die dazu auch noch so miteinander verbunden sind, dass daraus eine flüssig zu lesende Geschichte entsteht.&lt;br&gt;
Dieses Buch strotzt nur so vor Liebe zu Büchern und deren Autoren, dass einem das Herz aufgeht. Ich denke, jeder, der gerne Bücher liest oder gar schreibt, wird sich ein Stück in diesem Buch wiederfinden.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Fazit: Sehr empfehlenswert!&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich hoffe, dass Markus Walther noch mehr so großartige Bücher schreiben wird. Die letzten Worte des Herrn Plana macht Mut. Dazu ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;- - -&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;"Nein." Bea klagte nun um mich, so wie sie eben noch um Ingo geweint hatte. Ich mühte mich, ihr etwas Tröstliches zu sagen: "Dies ist vielleicht nur der Band einer größeren Geschichte. Wer weiß? Mit etwas Glück gibt es eine Fortsetzung."&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;- - -&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dann hoffe ich mal, dass der Leser das Glück hat, mehr von Markus Walther zu lesen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Broschiert: 239 Seiten&lt;br&gt;
Verlag: Acabus; Auflage: 1 (März 2013)&lt;br&gt;
Sprache: Deutsch&lt;br&gt;
ISBN-10: 3862821862&lt;br&gt;
ISBN-13: 978-3862821860
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/04/03/buchland-15712184/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-22:/2013/03/22/self-great-apes-15657437/</id><title>Will Self - Great Apes</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/22/self-great-apes-15657437/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2013-03-22T17:52:13+01:00</published><updated>2013-03-22T17:52:13+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Hbpc5dIZL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-66,22_AA300_SH20_OU03_.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Künstler Simon Dykes&lt;/strong&gt; ist im Londoner Nachtleben mit seinen Freunden unterwegs und konsumiert reichlich Drogen und Alkohol. Soweit also alles ganz normal, doch als er am nächsten Morgen erwacht, muss er entsetzt feststellen, dass sich seine Gefährtin Sarah in eine Schimpansin verwandelt hat. Damit nicht genug: Die ganze Welt ist von Affen bevölkert und Menschen gibt es (außerhalb afrikanischer Reservate) nur in Zoos zu bestaunen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Simon wird nach längerem Aufenthalt&lt;/strong&gt; in der Psychiatrie schließlich in die Obhut des erfahrenen Wissenschaftlers Dr. Zack Busner entlassen, der die Ursachen dieser offenkundigen Geisteskrankheit erforschen und den Patienten auf den rechten Pfad der Schimpansenheit zurückführen soll. Dank der hingebungsvollen Geduld des ambitionierten Doktors stellen sich alsbald erste vielversprechende Fortschritte ein; gleichwohl wird Simon aber immer wieder von verstörenden Erinnerungen an ein vermeintliches Menschendasein geplagt...&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;"Great Apes" ist ein großartiger Roman&lt;/strong&gt;, wenn der Leser bereit ist, dem Autor zu folgen und vorbehaltlos in eine fremde Welt einzutauchen, die sich nach den Regeln der Schimpansen dreht, in der Rangkämpfe und pausenlose Paarungen im Vordergrund stehen. Mit viel Liebe zum Detail und ausgefeilter Sprache erschafft Will Self nicht nur konsequent neue Begriffe (Ersetzen von "Mensch" durch "Schimpanse"), sondern ein eigenes Universum mit elegantem Wortwitz, was die Lektüre im Original allerdings nicht gerade erleichtert. Natürlich erinnert das Buch an die "Planet der Affen"-Filme, die übrigens auch vorkommen, selbstredend mit vertauschten Rollen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Fazit: Ein intelligentes Lesevergnügen, bei dem bisweilen das Lachen im Halse steckenbleibt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Will Self&lt;br&gt;
&lt;a href="http://www.amazon.de/Great-Apes-ebook/dp/B00969UAEC/ref=cm_cr-mr-img"&gt;Great Apes&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Bloomsbury Paperbacks, 2012&lt;br&gt;
ASIN: B00969UAEC&lt;/em&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/22/self-great-apes-15657437/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-21:/2013/03/21/soap-michael-meisheit-15650939/</id><title>Soap - Michael Meisheit</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/21/soap-michael-meisheit-15650939/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-03-21T12:20:42+01:00</published><updated>2013-03-21T12:21:10+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;a title="SoapMichaelMeisheit" href="http://www.blog.de/media/photo/soapmichaelmeisheit/6941275"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/275/6941275_ac2d275963_s.jpeg" alt="SoapMichaelMeisheit"&gt;&lt;/a&gt;Eigentlich ist Lukas noch Student an der Film-Akademie, aber wie so oft liegt der Fehler im Eigentlich. Glückliche oder je nach Sichtweise unglückliche Umstände führen dazu, dass Lukas zum Drehbuchautor bei Deutschlands beliebtester und ältester Seifenoper &lt;em&gt;Schöneberg&lt;/em&gt; avanciert. Dies setzt eine Ereigniskette in Gang, die Lukas bisheriges von Träumen rund um  Hollywood und Sex geprägtes WG-Leben von links nach rechts dreht. Nun bestimmt das Räderwerk wöchentlich ausgestrahlter Serienfolgen seinen Alltag, Intrigen nehmen ihren Lauf und wo soviel erdichtete Liebe im Raume steht, ist auch die echte, wahre, einzige Liebe nicht weit. Aber bis diese zusammenfindet... ja, bis dahin muss Lukas so einige Schaumbäder nehmen und Seifenblasen hinterherjagen. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Lukas' Schöpfer, Michael Meisheit ist eigentlich Drehbuchautor bei Deutschlands ältester Seifenoper, der &lt;em&gt;Lindenstrasse&lt;/em&gt;. Aber wie so oft, liegt es am eigentlich. Denn uneigentlich strebt er eine zweite Karriere als Schriftsteller an, wohl auch um ab und an das enge Korsett wöchentlich zu sendender Folgen abzustreifen. Für seinen Erstling greift er auf seine gesammelte Erfahrungs-Schatzkiste zurück und liefert einen geschmeidigen Roman from the Inside of a Soap Opera. Einen Verlag hat er sich dafür nicht gesucht, Michael Meisheit ging den Weg des Self-Publishing und das gründlich. In sozialen Netzwerken kennt er sich aus, ist im Gesichtsbuch und im Zwitscherland präsent und freundlich kommunikativ unterwegs. Dazu gibt es seinen Blog, der schon lange viele, natürlich auch Lindenstrassen-affine Leser hat und mit all diesen Werkzeugen begab Meisheit sich an die Vermarktung seines ersten Romans. Die ersten Kapitel wurden vorab veröffentlicht, die Prinzipien des Crowd-Sourcing - sagen wir es vorsichtig - ausgetestet. Aufgeregte Blogleser und Lindenstraßenfans rissen sich um die Ehre, vorablesen und lektorieren zu dürfen, über die Namen der Hauptfiguren, sogar über den Preis konnte abgestimmt werden. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Soweit gut. Nicht gut hingegen, dass das Buch meine geweckten Erwartungen nicht erfüllt und mich streckenweise enttäuscht hat. Schon nach wenigen Kapiteln wusste ich wieder, warum ich &lt;em&gt;Lindenstrasse&lt;/em&gt; schaue und nicht &lt;em&gt;GZSZ&lt;/em&gt; oder was es sonst noch so gibt. Das Buch macht seinem Titel alle Ehre, gelegentlich meint man, die Seife aus dem Kindle rausquellen zu sehen. Dafür sind die Einblicke, die &lt;em&gt;Soap&lt;/em&gt; in das Innere einer Seifenoper bietet, nur mäßig interessant. Da leisten die Einblicke im &lt;em&gt;Lindenstrassen&lt;/em&gt;-Almanach bessere Dienste. Ähnlichkeiten mit Serienfiguren oder deren Darstellern  sind - um allen Neugiernasen auch direkt diesen Zahn zu ziehen - nicht nur rein zufällig, sondern auch definitiv nicht vorhanden. (was ich persönlich allerdings positiv werte). Die Handlung empfand ich als banal, gefesselt hat es mich selten. Zeitweilig glaubt man, die wichtigsten Anliegen des Autors waren es, seinen Tagesablauf vor einem breiteren Publikum auszubreiten und endlich einmal das zwar originelle, aber moralisch fragwürdige Ende publizieren zu können. Wenn man sich bis zu diesem vorgekämpft hat, meint man auch die Antwort auf die Frage gefunden zu haben, die mich seit Anfang des Projekts interessierte. Warum hat er sich keinen Verlag dafür gesucht, er hat doch einen Namen, das wäre doch bestimmt nicht so schwer gewesen? Ich bin sicher, das Ende -welches ich hier nicht spoilern werde- hätte ihm jeder Verlag um die Ohren gehauen. Jeder Redakteur einer Soap Opera wohl auch.(Zum Glück. Bleibt mir das wenigstens visuell erspart.) Ist man also bis zum Ende vorgedrungen, stellt man fest, dass man die handelnden Personen leichten Herzens verabschiedet und ihnen keine Träne nachweint. Wenn überhaupt noch einer der Protagonisten interessiert, dann ist das Walter, der Produzent der Serie &lt;em&gt;Schöneberg&lt;/em&gt; und zugleich der Einzige mit einem erkennbaren alter Ego. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ich habe den Weg vom Projekt bis zum erschienenen Buch verfolgt und kann mich nur schwer des Gedankens erwehren, dass Meisheit in sein Self-Publishing und Marketing mehr Energie gesteckt hat als in das Schreiben des Romans selbst. Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun - schreiben kann er, leichtfüßig und gewandt. Das ist nicht der Kritikpunkt. Aber - nicht nur die flache Handlung, auch kleine Ungereimtheiten irritieren im Lesefluss. So bringt Meisheit ständig die Zeitebene seines Helden Lukas mit seiner eigenen durcheinander. Lukas im Buch startet z.B. gerade mal zur zweiten Storyline-Sitzung und berichtet schon wie ein alter Hase."Vor einiger Zeit hatten wir" "noch nie hatten wir" sind ständige Formulierungen, die doch verwirrend klingen, wenn einer berichtet, der erst so kurz dabei ist. Dann erzählt Lukas aka Meisheit davon, wie sehr ihn die Cliffhanger nerven, die ein Markenzeichen der Serie sind. Nicht wegen der Cliffhanger an sich, sondern weil sie durch das Konzept der Handlung am immer gleichen Wochentag nur indirekt aufgelöst werden können Und was macht er? Knallt an die meisten Kapitelenden einen Cliffhanger a la Lindenstrasse und löst diese mit Vorliebe indirekt auf. Das dafür dann aber sehr routiniert, so routiniert, dass die vorstehend geäußerten Vermutungen naheliegend sind.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Aber nun, &lt;em&gt;Soap&lt;/em&gt; ist ein Debütroman und macht zwischendrin auch Spaß, so ist es nicht. Meisheit war damit bisher leidlich erfolgreich und hat direkt E-Book-Nummer Zwei hinterher geschoben, diesmal in der Tat eine Anthologie gesammelter Beobachtungen aus seinem Alltag. Jan Weiler lässt grüßen? Ganz sicher hat er aus diesem Wagnis mächtig Erfahrungen mitnehmen können. Erfahrungen, die wir demnächst Sonntags-Abends um 18:50 nachvollziehen dürfen? Ich wage mal eine freihändige Prognose: Klausi Beimer ist das Hartz-IV Dasein schnell leid und geht demnächst unter die Self Publisher, um sein bisher unveröffentlichtes Buch nach Methode Meisheit zu pushen. Und Momo wird sein betroffenes Gutmenschengesicht aufsetzen und als oberster Bedenkenträger der Lindenstrasse Klausi mahnen, dass man doch seine Leser nicht so unverfroren einbinden könne. Darüber wiederum würde dann ich mich allerdings großartig amüsieren.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Soap &lt;br&gt;
 Michael Meisheit &lt;br&gt;
 220 Seiten &lt;br&gt;
 als Taschenbuch: ISBN 978-3-000-402869&lt;br&gt;
 &lt;span&gt;Kindle Edition über Amazon: B00AB76EM&lt;br&gt;
 &lt;/span&gt;&lt;br&gt;
 Zum Blog des Autors (u.a. auch mit weiteren Bezugsquellen)  &lt;a href="http://michaelmeisheit.de/soap-der-roman/"&gt;HIER&lt;/a&gt; entlang&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/21/soap-michael-meisheit-15650939/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-11:/2013/03/11/zeugnis-unvorstellbarer-verrohung-15616611/</id><title>Zeugnis unvorstellbarer Verrohung</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/11/zeugnis-unvorstellbarer-verrohung-15616611/"/><author><name>Brunopolik</name></author><published>2013-03-11T19:11:16+01:00</published><updated>2013-03-11T19:11:16+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;"Grandioses Antikriegsbuch", "Bedeutendster Roman der neueren Literatur", "Zeugnis unvorstellbarer Verrohung", sind nur einige der Schlagworte, die die Rezensionen Àgota Kristófs Roman "Das große Heft", der 1984 bereits erschien, begleiten. Er ist trotz weltweiten Erfolges immer noch ein Geheimtip.&lt;/p&gt;
	&lt;p class="paragraph"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51geJtVEMiL._SL500_.jpg" align="left"&gt; Erzählt wird die Geschichte von zwei Jungen, Zwillingen, vielleicht 9 Jahre alt, und zwar aus deren kindlich-altkluger Perspektive. Hundesöhne nennt sie die Großmutter nur, die im Dorf Hexe genannt wird und zu der sie die Mutter aus der Stadt aufs Land bringt. Es ist Krieg und in der Stadt sind sie nicht mehr sicher, heißt es. Wie vieles in diesem Roman, bleiben die Hinter-Gründe offen. Man erfährt: Die Mutter hat sich nie um die Großmutter gekümmert. Sie schien ihr egal gewesen zu sein. So haben alle Personen in diesem Roman keine Namen. Die Zwillinge sind die Zwillinge, der Offizier der Offizier, Hasenscharte, Hasenscharte, der Herr Pfarrer ist der Herr Pfarrer. Allein das schafft eine ganz ungewohnte eisige Atmosphäre. Die Sprache ist von Beckett'scher Strenge, kurz und knapp die Sätze. Gefühle werden in dieser gefühllosen Welt nur durch die Fakten der kalten und oft grausamen Realität vermittelt. Sie scheinen den Menschen schon lange abhanden gekommen zu sein.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Autorin wählte also die Sicht der Kinder auf die sie umgebende unbarmherzige Welt, in der Krieg herrscht. Wer Feind ist und wer zu den eigenen Leuten gehört, ist oft nicht klar definiert und vermischt sich. Moral scheint dieser Welt schon lange gleichgültig zu sein. Es wird getötet, gestorben, gequält und gefoltert, gelogen, gelacht, gefickt sowie vergewaltigt. Auf Gesichter gepinkelt und von Hunden zum Orgasmus geleckt. Es geht allein ums Überleben.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die beiden Jungen praktizieren bei der Großmutter, der Hexe, die sie nicht haben will, sie aber auch nicht verhungern lässt, Strategien der Überlebenskunst. Weder ein Bett noch Wasser zum Waschen oder gar saubere Kleider bekommen sie. So müssen sie ohne Decken auf der Holzbank in der Küche schlafen. Diese unmenschliche Härte zwingt sie, sich abzuhärten - gegen jeden Schmerz, ob körperlicher oder seelischer Art. Sie erlegen sich Übungen auf, sie arbeiten an sich aber auch für andere, um Geld für Notwendiges zu bekommen. Sie bilden sich, in dem sie eine gefundene Bibel lesen und auswendig lernen. Mehr finden sie nicht in dem Haus der Großmutter am Rande des Dorfes in der Nähe zur Grenze.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sie töten - Tiere, damit sie unempfindlich werden, Menschen auf Verlangen und auch sonst. So schneiden sie der Hausmagd des Pfarrers die Kehle durch und werfen lebende Mäuse in kochendes Wasser. Doch an keiner Stelle des Buches erscheinen sie als Monster. Sie sind "Lausejungens", zu denen der Leser Sympathie entwickelt, weil er versteht, warum sie so sind und so handeln. Sie helfen - dem Offizier, in dem sie seine perversen Bedürfnisse befriedigen und gewinnen dessen Wohlwollen, was ihnen wichtige Privilegien verschafft. Der Roman ist von einer bezwingenden Logik menschlichen Verhaltens, die aber verstört und erschüttert.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es sollen nur einige der so ungewöhnlichen Dinge aufgezählt werden, von denen der Roman handelt. Er hat bei der Autorin einen autobiografischen Ursprung. Das macht ihn so authentisch; zweifellos ein Grund seines Erfolges. Er ist in eine Gegenwart hineingeschrieben, zu der sich viele Parallelen ergeben. Er weist auf geradezu perfide Art in eine (unsere?) finstere Zukunft. Ist er deshalb so faszinierend wie abschreckend? &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Àgota Kristóf wurde 1935 in Ungarn geboren und emigrierte 1956 in die Schweiz, wo sie 2011 starb. Sie lernte Französisch und schrieb in dieser ihr fremden Sprache ihre Romane, die sie erst mit über 50 zu veröffentlichen begann.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;"Das große Heft", so der Titel, ist das Schulheft, in das die Zwillinge alles reinschreiben, was sie erleben. Es ist ein kleines Büchlein, was aber noch in zwei weiteren Romanen der Autorin sich fortführt. Inzwischen gibt es davon ein Hörspiel sowie Theater-Inszenierungen. Nun folgt sogar eine Oper, die der amerikanische Komponist Sidney Corbett in Osnabrück zur Uraufführung bringt. Das zeigt deutlich, hier wurde der Nerv unserer Zeit getroffen. Hier hat es "Kunst" wieder einmal vermocht, in die Menschen zu dringen und sie aufzurütteln, sie zu packen, um nachzudenken und sich zu fragen: In was für einer Zeit leben wir. "Der große Heft" ist ein Roman, der den Leser nicht gleichgültig lassen wird, er ist einer der wichtigsten Romane, die heute geschrieben wurden. Ein großes Buch, obwohl es sehr klein ist - und in der Nähe zu Remarque's "Im Westen nichts Neues" zu sehen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Àgota Kristóf&lt;br&gt;
Das große Heft&lt;br&gt;
Piper-Verlag - Sonderausgabe&lt;br&gt;
207 Seiten&lt;br&gt;
ISBN 978-3-492-30042-1&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/11/zeugnis-unvorstellbarer-verrohung-15616611/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-06:/2013/03/06/ruth-cerha-zehntelbrueder-15597067/</id><title>Ruth Cerha - Zehntelbrüder</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/06/ruth-cerha-zehntelbrueder-15597067/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-03-06T12:08:25+01:00</published><updated>2013-03-06T12:14:00+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Zehntelbrüder- Ruth Cerha " href="http://www.blog.de/media/photo/zehntelbr_der_ruth_cerha/6917731"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/731/6917731_b214970027_s.jpeg" alt="Zehntelbrüder- Ruth Cerha "&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Mischa, ein junger Wiener DJ und Radiomoderator hadert mit seiner  verworrenen  Kindheit. In seinen ersten acht Jahren lebte er noch mit und bei seiner Mutter, doch diese verabschiedete sich öfter für ungewisse Zeit an einen ungewissen Ort und irgendwann vergaß sie  das Zurückkommen ganz. In Folge lebte Mischa bei Exmännern seiner Mutter und Exfrauen seines Stiefvaters mit den unterschiedlichsten Geschwisterkonstellationen und so kam es, dass er für alle zum liebevollen, großen Bruder wurde. Er hat zwei Stiefbrüder, einen Halbbruder, etliche Nennbrüder und dann noch Lilli und Mila, seine Achtelschwestern, die Töchter der ersten Frau des Stiefvaters aus zweiter Ehe, anders ausgedrückt die Halbschwestern der Halbbrüder seines Halbbruders. Die Frage, ob man Verwandschaft wirklich in Brüchen definieren kann, stellt sich ihm früh.  &lt;br&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br&gt; Deswegen ist das mit der Liebe und erst recht mit einer möglichen Bindung auch nicht so einfach für ihn. Eigentlich ist er glücklich mit Hannah, doch als die Beziehung ernster wird und Hannah ihn ihrer Familie vorstellen mag, weigert er sich. Seine Familie ist ihm schließlich kompliziert genug. Hannah legt ihn und ihre Liebe daraufhin zunächst auf Eis und Mischa wird klar, dass für ihn die Zeit gekommen ist, sich seiner Vergangenheit und seinen Gefühlen zu stellen.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; In Rückblenden erzählt Mischa von seiner chaotischen, aber nicht lieblosen Kindheit. Vom leiblichen Vater, der &lt;em&gt;ein Träumer war, welcher keine Beschränkung seiner Träume duldete&lt;/em&gt;. Vom Stiefvater Janek, ein Mann wie aus einem Dostojewski Roman, der Mann, an dem sich alle in der weit verzweigten Familie abarbeiten. Er ist ein Mann, der sich nie ändert, allerdings ändert sich langsam der Blick, den Mischa auf ihn hat. Von Jenny, der seelenvollen Drittfrau des Stiefvaters, von Toni, der letzten großen Liebe des Stiefvaters, der Frau, die schließlich die ganze verworrene Familie zusammen hält. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Während er sich erinnert, schreitet die Geschichte in der Gegenwart voran. Jul, der blutverwandteste Bruder von allen, wird zum Problemkind, Hannah schwanger von einer Zufallsbekanntschaft und Mischas Leben auch dadurch nicht leichter, dass er sich während dieser Sendepause in Nella verliebt, die ihrerseits große Probleme mit einem Viertelbruder hat. Normalerweise ist Familie &lt;em&gt;ein jahrhundertealtes Rezept, gar gekocht durch Jahre des Zusammenlebens, die Soße gebunden mit Blut&lt;/em&gt;. Doch Mischas Familie &lt;em&gt;ähnelte eher einem Wok-Gericht. man schmniss einfach alles hinein, was man gerade zuhause hatte und von dem , was man nicht zuhause hatte, behauptete man, es gehöre gar nicht hinein. &lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Die Wiener Autorin Ruth Cerha hat die Zutaten für ein abgerundetes Rezept einer gut erzählten Geschichte gefunden. Sie lässt ihren Mischa die Geschichte klar, uneitel und ohne Sentimentalität erzählen. Sie findet eine leichte, fast schon musikalische Sprache, die den Leser die zugrunde Melancholie erahnen lässt, ihn damit aber nicht belastet. Geschickt bindet sie das Flair der Wiener Schausplätze in ihre Erzählung ein und entlässt ihre Leser mit der durchaus tröstlichen Gewissheit, dass Familie nicht immer etwas mit Blutsverwanschft zu tun hat und Verwandschaft eben nicht in Brüchen aufzurechnen ist. Am Ende ist Verwandschaft doch eher eine Primzahl. Unteilbar, undefinierbar und die Antwort, die man auf die Frage "Bist Du verwandt?" des jüngsten Zehntelbruders Max findet. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Eine wichtige Rolle im Buch spielt nicht nur der Wiener Schmäh, sondern auch die Musik. Der leibliche Vater ist ein erfolgloser Musiker, der seiner Musik trotzdem alles unterordnet. Die Schallplattensammlung des Stiefvaters gibt dem Buch seinen roten Faden und natürlich ist da  Mischa, der leidenschaftliche DJ. Leider ist gerade hier einer von zwei Kritikpunkten. Die Bedeutung der Musik für den leidenschaftlichen DJ, dass er gerade dies und nichts anderes werden konnte, dass Musik das Medium war, welches ihn aufnahm und ihm Geborgenheit schenkte - da wäre mehr drin gewesen. Es ist, als ob ausgerechnet dort die Autorin, die auch ausgebildete Musikerin ist, sich bewusst zurückgenommen hat. Möglicherweise trug sie Bedenken, zu überschäumend zu wirken. Dabei trifft sie so oft gerade durch das Musikalische in ihrer Sprache mitten ins Herz. Etwas mehr Mut zur Euphorie wäre bei diesem Thema bestimmt belohnt worden. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf die dem Roman angehängten Gesprächsprotokolle. Lilli und Mischa sprechen im Laufe der Geschichte mit einigen Mitgliedern der weitverzweigten Wahlfamilien, um mehr Klarheit zu bekommen. Das wird thematisiert, aber die Protokolle der Gesprächen sind dem Roman hinten angefügt, noch nach dem Epilog. Für den Lese-Fluss der Geschichte wäre es sicher leichter gewesen, man hätte diese sukzessive in die Geschichte integriert. Erlauben diese Protokolle doch noch einmal einen anderen Blick auf so manche Charaktere, den man gerne auch schon im Laufe der Geschichte gehabt hätte. Außerdem hätte der Leser dann die Chance gehabt, den wirklich schönen, versöhnlichen Epilog länger für sich stehen und auf sich wirken zu lassen. Dennoch: Der Leser fühlt sich wohl in dieser Familien-Gemengelage und Mischa ist ein sehr liebenswerter Held. Die Geschichte von den Zehntelbrüdern ist eine ganz und gar nicht ausweglose Erzählung, ein Buch getragen von tröstlicher Melancholie.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Fazit: Lesenswert. Absolut. Für mich eins der Bücher, welches zunächst keinen Platz im Regal findet. Sondern auf dem Stapel der Bücher, die ich unbedingt noch ein zweites Mal lesen mag.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ruth Cerha &lt;br&gt;Zehntelbrüder&lt;br&gt;Eichborn Verlag in der Lübbe Gruppe &lt;br&gt;346 Seiten &lt;br&gt;ISBN 978-3-8479-0506-6&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/06/ruth-cerha-zehntelbrueder-15597067/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-03:/2013/03/04/hochgenuss-back-to-blood-tom-wolfe-15587570/</id><title>Ein Hochgenuss: »Back to Blood« von Tom Wolfe</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/04/hochgenuss-back-to-blood-tom-wolfe-15587570/"/><author><name>Frieling</name></author><published>2013-03-04T00:19:02+01:00</published><updated>2013-03-04T00:46:25+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Back to Blood" href="http://www.blog.de/media/photo/back_to_blood/6913671"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/671/6913671_ac1fce9a84_s.jpeg" alt="Back to Blood" width="212" height="324"&gt;&lt;/a&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;Die Religion stirbt, aber an irgendetwas muss der Mensch glauben, der sich als Atom in einem Superteilchenbeschleuniger namens Universum erkennt. Darum gibt es nur eins: Zurück zum Blut, zurück zum Glauben an die Blutlinien, die durch unsere Körper strömen, meint Tom Wolfe in seinem neuesten Roman, der deshalb den nahezu programmatischen Titel »Back to Blood – Zurück zum Blut« trägt.&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Wolfe beweist seine These am Beispiel Miamis: &lt;/strong&gt;Die Metropole in Florida besteht zu mehr als 50 Prozent aus Neueinwanderern, von denen angeblich jeder jeden hasst. Hier reiben sich die White-Anglo-Saxon-Protestants (WASP), Mitglieder eines schrumpfenden und bedrohten Stammes, der aber immer noch die wirtschaftlichen Fäden der Macht in Händen hält, mit eingewanderten Latinos – vor allem Kubanern, die gut aussehen, viel Geld haben, die Mehrheit der Bevölkerung stellen und die Stadt politisch kontrollieren. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Den Konflikt zwischen den weißen americanos&lt;/strong&gt; und den anderen Bewohnern der Stadt illustriert der Autor in dem ihm typisch spitzzüngigen und eloquenten Stil am Beispiel des aus Kuba stammenden Polizeibeamten Nestor Camacho. Dieser »Gibraltar aus Trapez- und Deltamuskeln« ist bei der Harbour Patrol tätig und rettet einem kubanischen Flüchtling in Ausübung seines Dienstes mit einem halsbrecherischen Einsatz das Leben. Er klettert auf einen 20 Meter hohen Vormast eines Freizeitseglers, auf den sich der Asylant kurz vor Erreichen des rettenden Ufers geflüchtet hat, seilt den Mann unter Lebensgefahr ab, um ihn dann festzunehmen und »durch seine Abschiebung ins Verderben zu stürzen«, wie viele seiner Landsleute später sagen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Durch seinen Einsatz zieht Camacho&lt;/strong&gt; sich den Zorn seiner Familie und Landsleute zu, die ihn künftig ignorieren, und auch seine heiße Freundin Magdalena verlässt ihn. Lediglich der junge Reporter einer »weißen« Tageszeitung stellt seine mutige Tat objektiv heraus, und so wundert es nicht, dass sich zwischen dem von allen verlassenen  Officer und dem WASP  eine Freundschaft entwickelt. Gemeinsam gehen sie auf die Jagd nach einem Kunstfälscher, der möglicherweise in Beziehung zu einem russischen Oligarchien steht, in dessen Seidenbett eines Morgens auch die schöne Magdalena erwacht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Nun ist bei einem Roman von Tom Wolfe &lt;/strong&gt;eigentlich weniger die Handlung interessant als der Einsatz seiner stilistischen Mittel und die Zeichnung der Figuren. Wer »Fegefeuer der Eitelkeiten« oder andere Bestseller des 1931 geborenen Autors kennt, der weiß, dass dieser gern in die Haut seiner unterschiedlichen Figuren schlüpft und aus ihrer Perspektive denkt, spricht und erzählt. Dies gelingt dem Mitbegründer des »&lt;a href="http://suite101.de/article/was-bedeutet-new-journalism-a61028#axzz2MWH3hoPg"&gt;New Journalism&lt;/a&gt;« mit dem vorliegenden Werk großartig. Wolf schildert dabei nicht nur die Gedanken und die materielle Welt seines Personals; er brilliert auch mit der Darstellung des unterschiedlichen, oft unterschwelligen Rassismus der unterschiedlichen Kulturen, die im täglichen Miteinander deutlich werden und sich auch sprachlich ausformen. Besonders reizvoll wird dies, wenn er die (oft schlüpfrigen) Gedanken seiner Akteure in &lt;a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Parenthese"&gt;Paranthese&lt;/a&gt; mit einblendet, um diese darauf meist wesentlich abgemildert oder diplomatischer aussprechen zu lassen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Schon der kurze Prolog &lt;em&gt;»Wir sind jetzt in Mii-ah-mii«&lt;/em&gt; &lt;/strong&gt;des mit 765 Seiten durchaus umfangreichen Werkes  macht die Meisterschaft des Autors deutlich. Am Beispiel einer dramatischen Parkplatzsuche vor Miamis Jahrhundertnachtclub des Monats  schildert er so ziemlich alle Konflikte, die sich zwischen den unterschiedlichen Blutlinien auftürmen, und ich kann nur jedem empfehlen, dieses Kapitel mithilfe der &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/reader/B00AM5HL8W/ref=sib_dp_kd#reader-link"&gt;»Blick ins Buch«-Funktion von Amazon&lt;/a&gt; kostenfrei zu lesen, um selbst einen Eindruck von der Sprachgewalt dieses Ausnahmeautors zu gewinnen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Tom Wolfe schreibt milieudicht.&lt;/strong&gt; Er schreckt auch vor drastischen Formulierungen und möglicherweise sexuell anstößig wirkenden Beschreibungen nicht zurück, wenn er den Sex auf goldenen Plexiglasstelzen durch Miami stöckeln lässt. Sein Roman ist eine opulente Gesellschaftssatire, die den so genannten amerikanischen Traum genüsslich seziert. Dabei schreibt der Kultautor derart spritzig, dass man den fast ein Kilo schweren Wälzer, der allein mit dem allerletzten kurzen Aussagesatz der Entwicklung der Geschichte einen unerwarteten und vollkommen neuen Kurs verleiht, keine Minute lang aus der Hand legen mag. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;»Back to Blood« ist mein persönliches Highlight des Jahres: ein sprachlicher und stilistischer Hochgenuss.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;Tom Wolfe &lt;br&gt; Back to Blood. Roman&lt;br&gt; Karl Blessing Verlag 2012&lt;br&gt; ISBN 978-3-89667-489-0&lt;br&gt; &lt;a title="Buch bei Amazon.de" href="http://www.amazon.de/dp/3896674897"&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/dp/3896674897"&gt;http://www.amazon.de/dp/3896674897&lt;/a&gt;&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/04/hochgenuss-back-to-blood-tom-wolfe-15587570/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-03-02:/2013/03/02/besten-wochen-lebens-15583423/</id><title>Die besten Wochen meines Lebens</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/02/besten-wochen-lebens-15583423/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-03-02T16:44:47+01:00</published><updated>2013-03-02T16:45:55+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;begannen damit, dass eine Frau mich verließ, die ich gar nicht kannte. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt; &lt;a title="die besten Wochen meines Lebens..... " href="http://www.blog.de/media/photo/die_besten_wochen_meines_lebens/6911098"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/098/6911098_964ceaa35c_s.jpeg" alt="die besten Wochen meines Lebens..... "&gt;&lt;/a&gt;Den Rekord für den längsten Buchtitel dürfte der französische Autor Martin Page damit wohl halten. Zum Glück braucht sich aber auch trotz etlicher Kritikpunkte der eher schmale Band, hinter diesem Mammut-Titel nicht zu verstecken. Mit diesem Roman ist dem Autor eine bittersüße und subtile Komödie gelungen. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Im Mittelpunkt steht Virgile, ein durch und durch neurotischer, hypochondrischer junger Mann aus der Pariser Werbebranche. Ein Stadtneurotiker, wie er im Buche steht. Virgile ist es gewohnt, von den Frauen, die er liebt, sitzen gelassen zu werden. Das kriegt er stets aufs Neue ganz wunderbar hin. Aber dieses Mal ist es irritierend anders. Auf seinem Anrufbeantworter findet er eine Nachricht von Clara, die ihm ihre gemeinsame Zeit aufkündigt und ihn verlässt. Dumm nur, dass Virgile sich überhaupt an keine Clara und schon gar nicht an eine Beziehung mit ihr erinnern kann. Zunächst sucht er -der erfahrene Hypochonder- die Erklärung in einer unheilbaren Krankheit, die ihn gewiss alsbald hinwegraffen wird. Er kündigt Strom, Gas, Telefon und wo er schon mal dabei ist, direkt die ganze Wohnung und geht auf Abschiedstournee bei seinen Freunden. Nachdem ihm aber alle Ärzte einwandfreie Gesundheit bescheinigen, erkennt er, dass ein Heilungsprozeß viel zufriedenstellender verläuft, wenn man gar nicht wirklich krank ist. So trifft er eine unerwartete Entscheidung: Er will diese Frau finden, für sich gewinnen und erobern, er ist sich sicher, er verpasst sonst die wahre Liebe. Abermals dumm nur, dass er darüber die ganzen voreilig ausgesprochenen Kündigungen vergisst und das Unheil seinen Lauf nehmen muss. So wird Virgile schliesslich zum abgedrehten Hauptdarsteller in einer noch abgedrehteren Geschichte. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Martin Page erzählt diese Geschichte sehr elegant und ohne jede Sentimentalität. Was er dabei aber nicht abstreifen konnte, ist der leicht prätentiös elitäre, dünkelhafte Hauch des Pariser Oberschichten-Intellektuellen. Die durchschimmernde Arroganz alleine schon daran erkennbar, dass er sich jedwede Beschreibung der Umgebung spart. Wer Paris nicht kennt, Pech gehabt. Braucht erst gar nicht hier mit Lesen anfangen. Aber - Paris ist die Stadt aller Städte, die wird ja wohl jeder kennen. Ebenso blasiert, dazu aber auch noch banal kommt Virgile daher.  Es grenzt fast an ein Wunder, dass einem dieser sich hinter seinem Zynismus versteckende Charakter schon nach wenigen Seiten so ans Herz gewachsen ist, dass man ihn nur allzu gerne den Höhlenforscherhelm überstreifen sieht und ihn auf seinen solchermaßen ausgestatteten Streifzügen durch den Monoprix begleitet. Selbst die ewig zitierten Weisheiten von Marc Aurel nimmt man in Kauf, um ja bloß zu erfahren, ob es mit so einem wie Virgile noch ein gutes Ende nehmen kann. Denn bei aller Egozentrik ist Virgile kein Menschenfeind. Das zeigt schon sein chronisch schlechtes Gewissen, weil er meint, sich mit der Werbung maßgeblich an der Zerstörung der Welt durch Konsum zu beteiligen und seine ehrliche Sorge um das Wohlergehen seiner engsten Freunde. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Es ist ein eigenartiges Buch. Ich könnte ohne Ende rumkritteln. An der Geschichte, die sich manchmal überschlägt, manchmal aber seitenlang als höchste Abwechslung nur die Wahl der Getränke bietet. Rumkritteln an reichlichst aufgestoßenen Türen, die nicht wieder geschlossen werden, wenn sie überhaupt zeigen, was sich dahinter verbirgt. An dem Geheimnis, welches so unendlich trivial aufgelöst wird. Und am Ende bleibt dieselbe Erkenntnis wie bei einem Woody Allen Film: Man findet tausend Dinge, die einem nicht passen, die nerven und doch bleibt man gebannt sitzen, liest oder schaut weiter und muss zugeben, bestens unterhalten worden zu sein und sich ungerne von Virgile und seinen Freunden verabschieden zu wollen. Denn bei allen Kritikpunkten ist der Roman weit mehr als eine Stilübung. Mit Charme, trockenem Humor und dem Sinn für das Nicht-Erwartbare schafft es der Autor, den Leser in Virgiles Bann zu ziehen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Martin Page &lt;br&gt;Die besten Wochen meines Lebens begannen damit, &lt;br&gt;dass eine Frau mich verließ, die ich gar nicht kannte .&lt;br&gt;Piper Verlag&lt;br&gt;206 Seiten &lt;br&gt;ISBN 978-3-492-26444-0&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/03/02/besten-wochen-lebens-15583423/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-02-26:/2013/02/26/etikettenschwindel-15571547/</id><title>Etikettenschwindel</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/26/etikettenschwindel-15571547/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2013-02-26T21:45:58+01:00</published><updated>2013-02-26T21:45:58+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EcEfSmquL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-61,22_AA300_SH20_OU03_.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Eine Kurzkritik, um potenzielle Interessenten aufzuklären:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es handelt sich hier um eine Sammlung von Kurzgeschichten höchst unterschiedlicher Qualität, die allerdings rein gar nichts mit dem Horrorgenre (wie es meinem Verständnis entspricht) zu tun haben. Ich möchte deswegen auch nicht näher auf die einzelnen Werke eingehen, sondern die echten Horror-Fans warnen, damit sie sich eine Enttäuschung und verlorene Zeit ersparen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Qualität der Illustrationen lässt sich auf dem Kindle naturgemäß nicht beurteilen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Von der (zugegebenermaßen) harschen Kritik ausdrücklich ausgenommen ist die Geschichte von Stephen King, der wieder einmal seine überragenden Qualitäten unter Beweis stellt und den Leser bis zum packenden Ende fesselt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/Granta-117-Magazine-Writing-ebook/dp/B005VOJB8M/ref=cm_cr-mr-title"&gt;Granta 117: Horror (Granta: The Magazine of New Writing)&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Kurzgeschichtensammlung&lt;br&gt;
Granta Magazine 2011&lt;br&gt;
ISBN-13: 978-1905881369&lt;/em&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/26/etikettenschwindel-15571547/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-02-20:/2013/02/20/treffend-15552319/</id><title>Sehr treffend!</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/20/treffend-15552319/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2013-02-20T21:53:36+01:00</published><updated>2013-02-20T21:54:07+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.1604845.1361372545!/httpImage/image.jpg_gen/derivatives/900x600/image.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Gleiches gilt übrigens für den Kollegen Dan Brown, auch ein Grund, warum ich die beiden nicht mehr lese.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/20/treffend-15552319/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-02-15:/2013/02/15/thomas-bernhard-geschichtenzerstoerer-15533787/</id><title>Thomas Bernhard, Geschichtenzerstörer</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/15/thomas-bernhard-geschichtenzerstoerer-15533787/"/><author><name>Frieling</name></author><published>2013-02-15T09:00:00+01:00</published><updated>2013-02-15T09:00:00+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/31GP6fVFXWL._SL500_AA300_.jpg" alt="" width="223" height="223"&gt;&lt;strong&gt;Eins ist klar: Thomas Bernhard ist alles andere als ein Geschichtenzerstörer, mag er sich selbst auch mal in einem seiner gern provozierenden Interviews als ein solcher bezeichnet haben. Der schreibende Sonderling aus Oberösterreich ist vielmehr einer der größten Erzähler, die der deutsche Sprachraum aufzuweisen hat, und das beweist der vorliegende kleine Auswahlband mit dem provozierenden Titel anschaulich.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Bernhard hasste die idyllische Prosa, er schauderte vor belanglosen Erzählungen und wollte, »wenn ich nur in der Ferne irgendwo hinter einem Prosahügel die Andeutung einer Geschichte auftauchen sehe«, diese gleich »abschießen«. Dabei erzählte er selbst gern in dem ihm eigenen giftig-monologisierenden, mit atemlosen Bandwurmsätzen gefüllten Stil Geschichten, die er geschickt in seine Romane einbaute. Einige dieser Geschichten wurden für diesen Band aus ihrem bisherigen Umfeld ausgelöst, sie wurden quasi entbeint und funkeln nun wie Edelsteine im literarischen Raum.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Bernhards Geschichten verstören den Leser, wenn er mit ihm auf Pfaden der Kindheit zur Forchlermühle wandert, wo die Müllersöhne einem halben Hundert exotischer Singvögel, die zuvor Jahrzehnte lang in einer weitläufigen Voliere gehegt und gepflegt wurden, den Hals umgedreht haben, um sie auszustopfen und dann in das Zimmer ihres einstigen Herrn auszustellen. Das Geschrei der Exoten sei ihnen nach dem Tod des Onkels, der die Tiere betreut habe, auf die Nerven gegangen, wird dem Besucher beschieden, jetzt kehre wieder Ruhe ein in das Tal am Ende der düsteren Schlucht. Dem macht es der Geruch der Vogelleichen unmöglich, länger zu bleiben, er geht hinaus.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Großartig ist Bernhards Beschreibung einer Autofahrt, um ein Exemplar der Neuen Zürcher Zeitung mit einem ihn interessierenden Aufsatz zu erwerben. Rund 350 Kilometer fährt er mit zwei Freunden zuerst in die »sogenannte weltberühmte Festspielstadt« Salzburg, wo sie die Zeitung jedoch nicht bekommen, dann in den »weltberühmten Kurort Bad Reichenhall« sowie weitere kulturell hoch notierte Orte, um feststellen zu müssen, dass es dieses von ihm hochgeschätzte Blatt nirgendwo gibt. In einer meisterhaften Suada entzündet sich aufgrund der Nichterhältlichkeit der Zeitung sein Zorn gegen Österreich, »dieses rückständige, bornierte, hinterwäldlerische, gleichzeitig geradezu abstoßend größenwahnsinnige Land«. Er wolle sich nur noch dort aufhalten, wo er wenigstens die Neue Zürcher Zeitung bekomme, tobt der Dichter, und dann bleibe in Österreich in Wirklichkeit nur Wien, denn in allen anderen Städten die vorgeben, das Blatt zu haben, bekomme man sie  gerade dann nicht, wenn man sie unbedingt brauche.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ein erzählerisches Kabinettstückchen liefert der Gmundener Autor, wenn er »Im Aufmachen der Kommode« eine gelbe Papierrose entdeckt und schwallartig erzählt, wie er mit einem Studienfreund ein Musikfest in Altensam besucht habe, wo sie sich »durch rasches Austrinken mehrerer Gläser Bier und Schnaps gleich in die für ein solches Musikfest notwendige gehobene Stimmung gebracht« hätten, dann jedoch von diversen bekannten Gesichtern endlos ausgefragt wurden, warum sie nicht in ihrem Heimatort geblieben, ja, ob sie überhaupt noch Österreicher seien, um sich dann schließlich, als sie es nicht mehr aushielten, einen Weg durch hunderte betrunkene Leute zu einem Schießstand zu bahnen, an dem der Freund, der doch ebenso wie Bernhard den Schießsport ebenso wie die Jagd verachtete, im Grund sogar hasste, eine Reihe Papierrosen abschoss, worauf er von den Umstehenden als der beste Papierrosenschütze, den sie jemals auf einem Musikfest getroffen hätten, bezeichnet wird.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Wer sich dem Bernhardschen Duktus vorsichtig annähern möchte und keine Angst vor meisterhaft gemachten, oft seitenlangen Satzungetümen hat, der wird mit dieser klitzekleinen Auswahl bestens bedient.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;Thomas Bernhard&lt;br&gt; Ich bin ein Geschichtenzerstörer. Acht unerhörte Begebenheiten&lt;br&gt; Suhrkamp 2008 • € 6,00&lt;br&gt; ISBN 978-3-518-45953-9&lt;br&gt; &lt;a href="http://www.amazon.de/dp/3518459538"&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/dp/3518459538"&gt;http://www.amazon.de/dp/3518459538&lt;/a&gt;&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;strong&gt;&lt;br&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/tags/thomas-bernhard/"&gt;Mehr von Thomas Bernhard (Bitte klicken)&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/15/thomas-bernhard-geschichtenzerstoerer-15533787/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-02-10:/2013/02/10/marc-boog-letzter-mord-15519389/</id><title>Marc Boog - mein letzter Mord</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/10/marc-boog-letzter-mord-15519389/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-02-10T18:31:52+01:00</published><updated>2013-02-10T18:32:18+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a rel="attachment wp-att-11766" href="http://www.revierpassagen.de/11765/mein-letzter-mord-das-erste-auf-deutsch-erschienene-buch-des-niederlanders-mark-boog/20120829_1321/9596_letzter_mord_cmyk-300"&gt;&lt;img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11766" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2012/08/9596_LETZTER_MORD_CMYK-300-150x150.jpg" alt="Cover Download, zur Verfügung gestellt von Dumont Buchverlag, Köln " width="150" height="150"&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Es ist sein letzter Mord, die letzte Ermittlung, die ein alter niederländischer Polizist vor seiner Pensionierung noch durchführt. Einen ganz alten Fall hat man aus den Akten gekramt. Einen alten, ungelösten Fall, den der alte Polizist noch einmal neu aufrollen soll. Vielleicht ein letzter Versuch, diesen Fall noch zu klären, wahrscheinlicher aber der Versuch, den Polizisten auf seine letzten Tage vor dem Altenteil zu beschäftigen. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Der alte Polizist wählt einen ungewöhnlichen Weg, um den Fall zu lösen. Er versetzt sich in den Mörder hinein, geht dessen Wege gedanklich und real nach, besorgt sich eine Waffe, schläft mit dessen Witwe und schreibt darüber einen außergewöhnlich langen Ermittlungsbericht an seinen Vorgesetzten. Der Bericht ist nicht nur ein Bericht über die Ermittlungen, sondern vielmehr eine Lebensbilanz, die der Polizist zieht. Viel zu bilanzieren gibt es allerdings nicht, weder auf der Haben-, noch auf der Sollseite. Er war halt Polizist - "alles andere hat er vergessen zu tun".&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;"Mein letzter Mord"&lt;/em&gt; ist das erste auf Deutsch erschiene Buch des Niederländers Marc Boog, ein im Nachbarland erfolgreicher und anerkannter Schriftsteller. Das Buch ist eher ein Essay als ein Roman oder gar ein Thriller. Eine Studie über den Versuch einer späten Selbstbefreiung. Es geschieht wenig in diesem Buch, dafür wird viel resümiert, erkannt, geschlussfolgert. Im niederländischen Literaturbetrieb hat man für diese Art Roman ein eigenes Genre erdacht, den &lt;em&gt;"literaire thriller"&lt;/em&gt; und in der &lt;a href="http://www.parool.nl/parool/nl/26/BOEKEN/article/detail/149081/2009/02/05/Mark-Boog---Ik-begrijp-de-moordenaar.dhtml"&gt;niederländischen Presse&lt;/a&gt; mutmaßt man nicht ganz zu Unrecht, dass es für dieses Genre schwer sein dürfte, über die Landesgrenzen hinaus Verständnis zu wecken. So verwundert es nicht, dass auch der niederländische Originaltitel den Leser schneller auf die richtige Fährte führt: "Ik begrijp de mordenaar" (ich verstehe den Mörder). Dem Autor geht es nicht darum, einen Fall zu lösen, sondern er möchte einen Mörder verstehen und erkunden, ob sich ein gewöhnlicher, ja langweiliger Mensch in diesen hineinversetzen kann.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; In der Tat fällt es schwer, einen Zugang zu diesem Buch zu finden. Ik begrijp de mordenaar - man ist versucht zu sagen: "schön für ihn". Aber wer begreift den Schriftsteller und das, was er uns damit sagen will? Der Mörder bleibt nebulös, spät kann man ein Motiv erahnen, seine Gedankengänge hingegen kann wohl nur der halbherzig ermittelnde Detektiv nachvollziehen. Aber auch das weiß man nicht sicher. Zu sehr vermischt sich dessen Lebenssicht, seine Wut auf verschenkte Lebenszeit mit dem, was er herausfindet. Zu keiner Zeit kommt der Leser diesem Polizisten nahe. Mehr noch, dieser Polizist – er interessiert einfach nicht. Zuviel Gejammer. Wie auch die anderen maßgeblichen Protagonisten bleibt er ohne Namen. Namen- und konturlos blickt er zurück auf ein Leben voller verpasster Chancen und er ergreift auch diese letzte Gelegenheit, aus seinem eigenen Schatten herauszutreten, eher zögerlich.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Auch Marc Boogs Sprache bleibt fremd und ist schwer zugänglich. Er formuliert wunderschön, aber konstruiert. Man hat den Eindruck, er betrachtet jedes Wort, dreht es um, stellt es mal hierhin, dann dorthin, solange, bis er zufrieden ist. So entstehen zwar Sätze, die für sich genommen gefallen und sicher auch nachdenkenswerte Wahrheiten beinhalten, doch als wahrhaftiger empfindet man den Roman dadurch nicht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Mark Boog: &lt;br&gt;Mein letzter Mord. &lt;br&gt;Du Mont, Köln 2012&lt;br&gt; 157 Seiten&lt;br&gt;ISBN: 978-3-832195960&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de, Cover zur Verfügung gestellt vom DuMontVerlag &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/10/marc-boog-letzter-mord-15519389/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-02-07:/2013/02/07/bildgewaltiger-einstieg-nibelungenlied-15510370/</id><title>Bildgewaltiger Einstieg ins Nibelungenlied</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/07/bildgewaltiger-einstieg-nibelungenlied-15510370/"/><author><name>Frieling</name></author><published>2013-02-07T18:16:15+01:00</published><updated>2013-02-07T18:16:15+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51ggICnUqfL._SL500_.jpg" alt="" width="305" height="392"&gt;&lt;strong&gt;Von Generation zu Generation überlieferten unsere Vorväter mündlich die historischen Ereignisse um den legendären Drachentöter Siegfried und den Untergang der Burgunden. Vor rund 1000 Jahren wurde die Überlieferung unter dem Titel »Nibelungenlied« dann erstmals aufgeschrieben. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Seitdem hat das ursprünglich in mittelhochdeutscher Sprache verfasste Werk eine beispiellose Karriere gemacht: Der Stoff wurde zum Mythos, er floss in zahlreiche Romane und Filme ein. Richard Wagner schuf daraus seine vierteilige Oper »Der Ring des Nibelungen«;  Fritz Lang setzte die Geschichte in zwei abendfüllenden Stummfilmen um.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Das Nibelungenlied wurde zum Nationalepos, die ihm beigemessene Bedeutung zeigte sich auch in repräsentativen Prachtausgaben, die heute noch die Herzen bibliophiler Sammler höher schlagen lassen. 1898 erteilte die Reichsdruckerei dem Maler und Grafiker Joseph Sattler den Auftrag, eine besonders prächtige Ausgabe zu gestalten. Diese sollte zu einem Meilenstein in der Geschichte der Buchkunst werden und liegt nun mit ihrem großartigen Vollbildern als verkleinerter, auszugsweiser Reprint vor. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Waren die früheren neuhochdeutschen Übertragungen von Oswald Marbach oder Karl Simrock eng an das Original angelehnt, letztere sogar im gleichen Reimschema gehalten, ist die vorliegende Ausgabe in Auszügen übersetzt und vollständig nacherzählt worden. Joachim Heinzle eröffnet damit die Möglichkeit, die von Mord und Todschlag strotzende Geschichte der Rache Kriemhilds an Hagen, dem Mörder ihres geliebten Siegfried, nachzuvollziehen und gleichzeitig einen ausgezeichneten Eindruck von den zahlreichen Schmuckelementen, Titelleisten, Vignetten, Zierstücke und Initialen, die Sattler schuf, zu bekommen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Beibehalten wurde vom Herausgeber das Gliederungssystem in 39 kapitelartigen »Aventüren« genannte Abschnitte. So lässt sich die Geschichte der wunderschönen Prinzessin Kriemhild, ihrer Liebe zu dem jugendlichen Recken Siegfried, dessen Ermordung und ihre fürchterliche Rache an Hagen ausgezeichnet nachvollziehen. Ganz wesentlich bestimmt wird der Band aber durch die ganzseitigen farbigen Bilder, die Sattler geschaffen hat. Hier werden weniger Bilderbuchgermanen in historisierenden Kostümen gezeigt als eine von dichter und klarer Bildsprache geprägte künstlerische Nacherzählung, die dem Jugendstil verpflichtet ist.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ein bildgewaltiger Einstieg für jeden, der sich mit dem Nibelungenlied beschäftigen möchte. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;Joachim Heinzle (Hrsg.)&lt;br&gt; Die Nibelunge. Schrift, Vollbilder und Buchschmuck von Joseph Sattler&lt;br&gt; reprint Verlag Leipzig 2012&lt;br&gt; ISBN 978-3-8262-3036-3&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/02/07/bildgewaltiger-einstieg-nibelungenlied-15510370/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-01-31:/2013/01/31/sophie-hannah-fremde-haus-15485003/</id><title>Sophie Hannah - das fremde Haus</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/31/sophie-hannah-fremde-haus-15485003/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-01-31T12:47:21+01:00</published><updated>2013-01-31T12:47:55+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="das fremde Haus, Sophie Hannah" href="http://www.blog.de/media/photo/das_fremde_haus_sophie_hannah/6858679"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/679/6858679_63bffa4e0c_s.jpeg" alt="das fremde Haus, Sophie Hannah"&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Aufgrund starken Schneefalls nimmt Connie den Geländewagen ihres Mannes, als sie zu einem Termin fährt. Auf der Heimfahrt folgt sie der Kurzwahl "Zuhause" des Navis und landet statt in ihrem eigenen Cottage an einem Ort, der ihr vollkommen fremd ist&lt;/strong&gt;: Bentley Grove 11, Cambridge. Ihr erster Gedanke: Ihr Mann Christopher führt ein Doppelleben. Sie stellt ihn zur Rede, doch er streitet alles ab. Connie müsse die Adresse selbst eingegeben haben oder es sei ein Programmierfehler der Herstellerfirma. Connie, schon länger psychisch nicht die stabilste,  beginnt an allem zu zweifeln. An ihrem Mann, an sich selbst, an ihren Eltern, an ihrem Leben. Ihre Zweifel treiben sie immer wieder nach Cambridge, Bentley Grove 11 wird ihr zur Obsession. Eines Tages steht vor diesem von ihr erfolglos beobachteten Haus eine zu-verkaufen-Offerte.  Sie wartet des Nachts, bis ihr Mann tief schläft und klickt sich dann im Internet durch die Website des Maklers. Als sie den virtuellen Rundgang durch das Objekt ihrer Obsession beginnt, sieht sie Schauriges. Im Wohnzimmer liegt die blutüberströmte Leiche einer Frau, die ihr selbst erschreckend ähnlich sieht. Halb benommen vor Schock und Angst weckt sie ihren Mann, doch als er den virtuellen Rundgang startet, ist von einer Leiche nichts zu sehen. Wird ihr jemand glauben, wird jemand ermitteln oder ist Connie auf dem direkten Weg in die Pyschiatrie? &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Die für sorgfältig konstruierte Psycho-Thriller bekannte Autorin Sophie Hannah hat diesen Krimi abwechselnd aus der Ich-Perspektive Connies und der 3.Person-Perspektive der polizeilichen Ermittler geschrieben. Dabei ist vor allem die Ich-Perspektive mutig. Denn es ist nicht nur die Perspektive eines möglichen Opfers, sondern zugleich auch die einer Frau, deren Neurosen sich langsam zur Paranoia auswachsen. Ob berechtigt oder unberechtigt, wird sich weisen. Das ist zunächst interessant, sehr bald wird es dann beklemmend und richtiggehend nervig. Dieses Nervige ist gewollt, der Leser muss es aushalten, will er erfahren, wie es weitergeht. Denn die Autorin will nicht nur einen spannenden Plot erzählen, sie seziert das psychotische Innenleben ihrer Hauptfigur bis zum Exzess und zeigt beeindruckend, was Paranoia aus einem Menschen machen kann. Während die beteiligten Ermittler schon bald ein wenig Dunkel in die mysteriöse Geschichte bringen, bleibt Connie desorientiert bis zum Schluß. Sie kann die Horror-Geschichte, deren Hauptdarstellerin sie selber ist, lange nur fragmentarisch zusammensetzen. Aber letztlich ist es ihre Panik, ihre Angst, die sie dazu treibt, verbissen und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen die ganze Geschichte Stück für Stück zusammenzutragen, solange, bis sie endlich das ganze Bild sehen kann. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der Plot beginnt unvermittelt im Leben von Connie mit einer Szene, die den Leser über das ganze Buch und die teilweise etwas langen psychologischen Deutungen dazu motiviert, bei der Stange zu bleiben. Denn egal, was im Buch passiert, der Leser grübelt die ganze Zeit, wie wohl was mit wem zusammenhängt und was da jetzt eigentlich wirklich passiert ist. Das fremde Haus ist ein Thriller, der mit sehr wenig Action auskommt und  auf Spannung baut, die sich aus unterschiedlichen Wahrnehmungsperspektiven ergeben. Was ist wirklich so, wie es scheint, was ist anders und warum und gibt es nicht vielleicht noch eine weitere Ebene, die nur noch keiner sehen kann. Letzten Endes geht es um die Frage: Wessen Intuition ist die sicherste? Es erhöt die Subtilität der Erzählung, dass nur auf den ersten Blick alle Charaktere "normal" erscheinen. Denn schon auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass fast jeder Protagonist  mindestens eine verborgene Macke hat. Was - wenn man es sich genau überlegt, ja eigentlich auch wieder normal ist. Als kleines Sahnehäubchen gibt es in diesem Verwirrspiel noch einige schrullige Ermittler, unter anderem das frisch verheiratete Team Charlie Zailer und Simon Waterhouse, bereits bekannt aus älteren Sophie-Hannah-Krimis, deren junges Glück durch das Geschehen einer Belastungsprobe unterzogen wird. Bei allem Verwirrspiel und den diversen kleinen Nebenhandlungen behält die Autorin gekonnt den roten Faden und führt diesen immer wieder an seinen Ausgangspunkt zurück. Von einem Happy End weit entfernt, ist die Auflösung dennoch gut und schlüssig gemacht. Fazit: Spannender Psychothriller, gute Unterhaltung.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;strong&gt;Sophie Hannah &lt;br&gt; Das fremde Haus &lt;br&gt; Bastei Lübbe 2013 &lt;br&gt; ISBN 978-3-404-16769-2&lt;br&gt; 492 Seiten &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/31/sophie-hannah-fremde-haus-15485003/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-01-28:/2013/01/28/zwei-leben-samuel-koch-15474836/</id><title>"Zwei Leben" von Samuel Koch</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/28/zwei-leben-samuel-koch-15474836/"/><author><name>greatmum</name></author><published>2013-01-28T21:45:56+01:00</published><updated>2013-01-31T18:59:02+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Wie die meisten wissen, ist &lt;a href="http://www.amazon.de/Samuel-Koch-Leben-Christoph-Fasel/dp/3942208539/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1359400013&amp;sr=8-1#reader_B007XCSP5K"&gt;Samuel Koch&lt;/a&gt; bei einer Wette bei 'Wetten dass ...' schwer verunglückt und seitdem querschnittsgelähmt. Ein Jahr später schreibt er über sein Leben vor und nach diesem Unfall. Ich fragte mich, wie wohl viele andere Menschen: Muss das jetzt sein? Aber es machte mich neugierig - seine Sichtweise - und ich las das Buch. Ich bin froh darüber, denn ich habe einiges durch das Buch gelernt.&lt;br&gt;
Es ist kein Buch, wo Samuel Koch nach Mitleid heischt. Was er aber (bei mir) erreicht, ist, dass man sich (mehr) Gedanken über die Gefühle und Wünsche eines Körperbehinderten macht. Auch zeigt er an einigen Stellen im Buch, wie man mit diesen umgehen sollte. Samuel Koch schreibt zwar über sein Leben vor und nach dem Unfall, und doch geht es ihm beim Buch nicht nur um ihn, sondern auch allgemein über Menschen mit Körperbehinderungen, über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Er schreibt darin auch über Familienzusammenhalt, ehrliche Freundschaft, Mitgefühl einer Nation, aber auch über die Mediengesellschaft/-geilheit.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Als ich im Fernsehen von dem Unfall gehört habe, war mein erster Gedanke: Wer sich in Gefahr begibt, ... selber schuld. Ich hatte in diesem Augenblick absolut kein Mitleid. Ok, Mitleid habe ich noch immer nicht, aber Mitgefühl. Irgendwie finde ich den jungen Mann sympathisch, obwohl ich ihn persönlich gar nicht kenne.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ach ja, was mir noch an dem Buch gefällt: Ich bekomme normalerweise Magenschmerzen, wenn jemand dauernd über seinen Glauben redet/schreibt. Samuel Koch tut genau das, aber er ist dabei (in meinen Augen) völlig unaufdringlich! Ich fühle mich in seinen Aussagen nicht bedrängt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und meine Meinung zum Buch?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Gut geschrieben, empfehlenswert.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Produktinformation&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Gebundene Ausgabe: 205 Seiten&lt;br&gt;
Verlag: Adeo; Auflage: 1., Aufl. (April 2012)&lt;br&gt;
Sprache: Deutsch&lt;br&gt;
ISBN-10: 3942208539&lt;br&gt;
ISBN-13: 978-3942208536
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/28/zwei-leben-samuel-koch-15474836/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-01-23:/2013/01/23/tad-williams-deborah-beale-drachen-tinkerfarm-15456825/</id><title>Tad Williams/ Deborah Beale -  Die Drachen der Tinkerfarm</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/23/tad-williams-deborah-beale-drachen-tinkerfarm-15456825/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-01-23T11:33:36+01:00</published><updated>2013-01-23T19:49:54+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Die Drachen der Tinkerfarm" href="http://www.blog.de/media/photo/die_drachen_der_tinkerfarm/6845097"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/097/6845097_85a29f6548_s.jpeg" alt="Die Drachen der Tinkerfarm"&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Mutter Jenkins möchte Singleferien machen. Doch wohin mit ihren halbwüchsigen Kindern Tyler und Lucinda? Die Nachbarin muffelt und müffelt, ein Sommercamp ist unbezahlbar. Rettung naht in Gestalt des alten Onkels Gideon Tinker, der die Kinder brieflich zur Sommerfrische auf seine Tinkerfarm lädt. Niemand hat bisher von diesem Onkel gewusst, aber das macht ja nichts. Zumindest der Mutter nicht. Da können Tyler und Lucinda noch so oft betonen, dass  Heuwagen-fahrten nicht die Erfüllung ihrer Träume sind, ehe sie sich versehen, sitzen sie im Zug und harren der Kühe, die sie dort bestimmt melken und dem Mist, den sie kratzen müssen. Und Internet oder eine Playstation gibt es dort bestimmt auch nicht. Dafür sind sie angehalten, im Zug eine eigenartige Anleitung des Onkels zur Pflege von Kühen zu studieren. Dass sie dabei Asbestanzüge tragen sollen, macht sie nun doch neugierig. &lt;br&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br&gt; Kaum angekommen auf der Tinkerfarm, merken sie schnell, dass es alles andere als die angekündigte "Ordinary Farm" ist. Internet gibt es zwar, allerdings auch noch einiges andere. Drachen zum Beispiel. Einhörner, fliegende Affen. Landarbeiter, die längst vergangenen Zeiten entsprungen zu sein scheinen. Noch während die Geschwister versuchen, hinter die Geheimnisse des Zauberreichs zu kommen, in das es sie so unvermutet verschlagen hat, wird die Farm schon bedroht. Von skrupellosen Geschäftemachern, die auch noch eine Rechnung mit Gideon offen haben. Am Ende haben sie die gefährlichsten, abenteuerlichsten Sommerferien aller Zeiten verlebt, Freunde gefunden und reisen schließlich ab, mit dem festen Versprechen, wieder zu kommen. Denn noch nicht alle Geheimnisse sind gelöst und nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Zudem nehmen sie die Gewißheit mit, einen magischen Ort gefunden zu haben, zu dem sie gehören. Wenn sie auch der gut erholten Mama zuhause vorsichtshalber lieber nur von den Heuwagen-fahrten erzählen.   &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt; Die Drachen der Tinkerfarm&lt;/em&gt; ist das erste Buch einer neuen Reihe, welche Tad Williams, bekannt als Schöpfer intensiver und dichter Welten wie Otherland, zusammen mit seiner Frau Deborah Beale schreibt. Ihr Zielpublikum ist vor allem das jüngere. Nicht anbiedernd, doch der jugendlichen Welt kundig holen die Autoren ihre Leser da ab, wo sie gerade sind, um sie schließlich in eine Welt voller Rätsel zu entführen. Aber auch Erwachsenen mit Lust an Phantasiereisen wird es gefallen, ihren Urlaub vom Alltag von Hogwarts auf die Tinkerfarm zu verlegen.  Das Buch ist dabei kein plumper Actionroman, auch wenn Lucinda sogar auf einem Drachen fliegt und auch sonst allerlei Aufregendes passiert. Der Spannungsbogen speist sich aus der Vielzahl der Geheimnisse. Ist eines gelüftet, zieht es sofort eine Reihe neuer Fragen nach sich. Sehr geschickt lösen die Autoren  gerade so viele Rätsel auf, dass man das Buch nicht mit dem Gefühl zur Seite legt, künstlich mit häppchenweise gefütterten Lösungen bei der Stange gehalten zu werden. Doch es bleibt genug Ungelöstes stehen, um Band zwei entgegen zu fiebern.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Die Grundstory an sich ist nichts Neues, vieles meint man schon von anderswo zu kennen. Aber die geschaffene Welt ist trotz der jugendgerechten, immer mit einem leichten Augenzwinkern versehenen Sprache von ungewöhnlicher Dichte und Konsequenz. Die Fantasy ist zwar zeitgemäß verpackt, für das Grundgerüst haben sich die Autoren aber auch bei anderen Genres bedient. Dem  viktorianischen Schauerroman entlehne man einen exzentrischen Hausherrn, der sich gerne verrückt gebärdet, eine unheimliche Haushälterin, vor der alle Angst haben, so dass man nicht immer ganz genau weiß, auf wen sich die im Titel genannten Drachen nun genau beziehen. Dazu nehme man Anspielungen auf Märchen wie Alice im Wunderland und den Zauberer von Oz. Dennoch ist es kein wilder Stilmix, sondern eine ganz eigene Art des Erzählens und Verdichtens, so einfallsreich, dass man die ein oder andere logische Lücke gerne überliest. Dazu sind alle Charaktere wohltuend fein gezeichnet, weit entfernt davon, mit der Schablone umrissen worden zu sein, wie es im Fantasy Genre ja gerne vorkommt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Fazit: Ein guter Einstieg in die Welt des Tad Williams (und seiner Frau und Lektorin), der auch nicht so Fantasy-affine Leser überlegen lässt, ob sie sich demnächst mal an einem größeren Epos des vielgelobten Autors versuchen sollen. Aber erst warten wir auf die Taschenbuchausgabe von Teil zwei in den nächsten Wochen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Tad Williams/ Deborah Beale &lt;br&gt;Die Drachen der Tinkerfarm &lt;br&gt;Verlag Klett-Cotta, 379 Seiten &lt;br&gt;ISBN &lt;span&gt;978-3608938210&lt;/span&gt;&lt;br&gt;Altersempfehlung (der Redaktion) : ab 12 Jahre&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/23/tad-williams-deborah-beale-drachen-tinkerfarm-15456825/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-01-15:/2013/01/15/musik-sprache-wurde-unheilig-offizielle-autobiographie-15430017/</id><title>Als Musik meine Sprache wurde - Unheilig, die offizielle Autobiographie</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/15/musik-sprache-wurde-unheilig-offizielle-autobiographie-15430017/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2013-01-15T14:00:26+01:00</published><updated>2013-01-15T14:01:13+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Unheilig Buchcover " href="http://www.blog.de/media/photo/unheilig_buchcover/6832107"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/107/6832107_37f864db33_s.jpeg" alt="Unheilig Buchcover "&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Mit &lt;em&gt;als Musik meine Sprache wurde&lt;/em&gt; liegt die erste Autobiographie des Grafen von Unheilig vor. Viel ist über diesen Mann in den letzten Jahren geschrieben, spekuliert und in ihn herein-geheimnisst worden. Wohl ein logischer Schritt, sich nach diversen nicht authorisierten Biographien selbst zu Wort zu melden, denn nach der Lektüre ist eins klar: die diversen Mythen, die um den Grafen gewebt wurden - er hat sie selber so nicht forciert oder gewollt. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der Graf hat eine steile Karriere hingelegt in den letzten Jahren, eine Karriere, für die er lange Jahre ehrgeizig und unter Inkaufnahme diversen Verzichts hart gearbeitet hat. Vor drei/vier Jahren noch waren Unheilig und der Graf so ezwas wie die heimlichen Stars der Gothic-Szene, von dieser verehrt, ge-und behütet. Der Erfolg des Liedes "Geboren, um zu leben", des zugehörigen Albums "grosse Freiheit" und der Wechsel zum Major Label Universal brachten schließlich den ganz großen Erfolg und die Musik einer wesentlich breiteren Masse näher. Was die Entfremdung zur ehemaligen "schwarzen" Fanbase bis hin zur Auflösung des Unheilig-Fanclubs nach sich zog. In der Autobiographie findet man allerdings explizit dazu wenig, kann sich aber nach der Lektüre so einiges zusammenreimen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Von vorne: &lt;em&gt;Als Musik meine Sprache wurde&lt;/em&gt; ist zum größten Teil der Buchdruck der Graf'schen Erinnerungen, welche der Luxus-Edition des Albums "Grosse Freiheit" beilagen. Unter dem Titel "bis zur grossen Freiheit" hatte der Graf in diesem Heft seinen Werdegang beschrieben, klar, authentisch und ehrlich. Im Buch nun sind es im wesentlichen diese Erinnerungen, ordentlich lektoriert, aber auch um einiges Interessante, wie z.B. die Konzertreise mit ASP gekürzt. Diese Erinnerungen reichen bis ins Jahr 2010, eben bis zur grossen Freiheit.  Es schließen sich weitere Kapitel an, die wahrscheinlich vom Co-Autor Michael Gösele verfasst und vom Grafen freigegeben wurden. Zum literarischen Wert dieser Biographie kann man lediglich sagen, dass sie gut lesbar ist und durchweg als authentisch empfunden werden kann.(Was nicht abwertend gemeint ist, im Zweifelsfall finde ich das besser als so manche hochgestochene, künstlich aufstilisierte Autobiographie.) &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Was also erfährt der geneigte Leser nun bei der Lektüre? Freundlich ausgedrückt: schon so einiges und auch wieder nichts. Was den eigentlichen Lebenslauf angeht, seinen familiären Hintergrund , seinen Werdegang bleibt vieles im Ungenauen. Lässt man das Gelesene im Nachhinein Revue passieren, bleibt dazu nicht viel mehr als: DER GRAF war mal DAS KIND und ein schlechter DER SCHÜLER. Weil er jung war und das Geld brauchte, wurde er DER SOLDAT, komponierte gerne DIE MUSIK, lernte doch einen anständigen DER BERUF, arbeitete nebenbei an DAS PROJEKT und erntete schließlich DEN ERFOLG. Das war es dazu im Großen und Ganzen. Und genau das erklärt meines Erachtens DAS MIßVERSTÄNDNIS, welches sich nach wie vor um Unheilig und den Grafen zieht. Der Graf mag von Gott weiß woher kommen, woher er nicht kommt, ist die Gothic Szene. In diese hat es ihn mit seinem Projekt Unheilig mehr oder weniger zufällig verschlagen, weil von da eben das erste und größte Interesse an seiner Musik kam. Nicht mehr, nicht weniger. Was nicht heisst, dass er sich in dieser Szene nicht wohlfühlt und das Publikum nicht zu schätzen weiss. Was aber eben auch bedeutet, dass er diese Szene nie als das allein-selig-Machende begriffen hat und sich immer schon ein großes Publikum gewünscht hat.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Das ganz große Publikum hat er nun und damit sind wir an dem Punkt, wo der Graf wohl derzeit selbst einem Mißverständnis erliegt. Die schwarze Szene mag ja durchaus ein wenig intolerant und besitzergreifend betreff unheiliger Musik gewesen sein - was ich allerdings aus eigener Erfahrung und Konzertbesuchen aus der Zeit vor dem großen Hype so nicht bestätigen kann - die jetztige Schlagergemeinde ist um einiges intoleranter. Die Chronik &lt;a href="http://vonne-emscher.blogspot.de/2012/06/ein-unheiliger-tag-in-gelsenkirchen.html"&gt;eines unheiligen Tages in Gelsenkirchen&lt;/a&gt;, beschreibend eines der ersten Konzerte umringt von Wendler Muttis und wagemutigen Schlagerkonzert-Besuchern war da nur der Anfang. Die Prognose, dass sich der Unheilig-Hype verliert, weil die jetzige Fanbase zu wankelmütig und zu sehr auf Eintagsfliegen geeicht ist,  ist wohl nicht zu gewagt. Wobei, es ist irgendwo schon schade, denn auch nach der Lektüre verstärkt sich der Eindruck, dass der Graf selbst sich gar nicht nicht allzu sehr verändert hat. Ebenso wie die Musik. Denn mal ehrlich, vom Astronauten bis zur Freiheit, der Unterschied ist marginal.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Eigentlich waren wir ja alle darauf eingestellt, Unheilig 2015 wieder in der Matrix* zu sehen, aber ich denke, das werden wir nicht mehr erleben. Unheilig nämlich ist - und das ist die zweite Erkenntnis, die man aus dem Buch ziehen kann - tatsächlich ein Projekt und keine Band, will auch gar keine sein. Schon gar keine Band wie die toten Hosen, die einen großen Teil ihres Erfolgs auch aus der Fünf-Freunde-die-schon-eine-gemeinsame-Grabstätte-haben-Attitüde beziehen. Es gibt Stellen im Buch, da schimmert eine echte Leidenschaft durch. Stellen, wo man den Grafen schwärmen hört, wo man genau merkt, das ist es, woran sein Herz hängt, was ihn erfüllt. Es sind dies die Passagen wo er davon berichtet, wie er sein Studio nach und nach erweiterete, nach und nach die Muße und das Geld hatte, sich dorthin zurückziehen zu können. zu tüfteln, zu komponieren, zu produzieren. Somit drängt sich eine zweite Prognose auf: Wenn es mit Unheilig zu Ende ist, dann wird er genau das wieder tun. Komponieren, tüfteln, produzieren. Ein Projekt hat nun mal eine begrenzete Haltbarkeitsdauer und dem Grafen wird sicherlich ein guter Ruf in der Branche bleiben. Möglicherweise wird er für andere Künstler komponieren, diese produzieren und damit genauso glücklich sein. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Kurz zu einem weiteren Aspekt, der das Buch durchaus lesenswert macht.  Der Graf thematisiert seine Sprachprobleme, sein frühes Stottern, seine damit verbundenen Ängste, aber auch, wie er diese immer wieder neu überwindet. Er tut dies so, dass es explizit Mut macht und dafür gebührt ihm, der so vieles lieber nicht preisgibt,  durchaus Anerkennung.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mein Fazit zu Unheilig bleibt auch nach der Lektüre weitestgehend unverändert: &lt;br&gt;Ich gönne dem Mann seinen Erfolg, er hat ihn sich hart erarbeitet und er hat vor allem gezeigt, dass man auch in Zeiten von Casting-Shows mit Zielstrebigkeit weiterkommt. Ich würde mich für ihn freuen, wenn er als Musiker anerkennt bleibt und als dieser weiter seinen Weg geht. Auf Unheilig- Konzerte kriegt mich trotzdem keiner mehr, meine Nerven halten Wendler-Muttis einfach nicht aus.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Unheilig - die offizielle Autobiographie &lt;br&gt; Als Musik meine Sprache wurde &lt;br&gt; Riva-Verlag München, 2013, 286 Seiten &lt;br&gt; ISBN Print 978-3-86883-210-5&lt;br&gt; ISBN E-Book 978-3-86413-144-8&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;span&gt;*Music-Hall in Bochum &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/15/musik-sprache-wurde-unheilig-offizielle-autobiographie-15430017/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2013-01-03:/2013/01/03/unsichtbar-15392208/</id><title>Als ich unsichtbar war ...</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/03/unsichtbar-15392208/"/><author><name>greatmum</name></author><published>2013-01-03T20:35:30+01:00</published><updated>2013-01-06T01:48:22+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;... ist eine wahre Geschichte über einen Jungen, der elf Jahre als hirntot galt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Martin Pistorius, geboren 1975 in Johannisburg, war zwölf, als eine rätselhafte Erkrankung ihn aus seinem Leben riss. Elf Jahre blieb er gelähmt, seine Familie und die Ärzte gingen davon aus, dass er geistig auf dem Stand eines Babys war. Er konnte sich nicht verständigen und war doch innerlich hellwach. Niemand merkte, dass sein Gehirn sich vollständig erholt hatte. Seine Rettung verdankte er dem Zufall. 2001 konnte er mithilfe eines Computers wieder kommunizieren.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;img src="http://s14.directupload.net/images/user/130103/u7pmsy3e.jpg" title="Kostenlos Bilder hochladen bei directupload.net"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ausschnitt aus dem Buch:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;PROLOG&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Im Fernsehen läuft wieder mal Barney, der Dinosaurier. Ich hasse Barney – und diese scheußliche Erkennungsmusik. Sie wird zur Melodie von ›Yankie Doodle Dandy‹ gesungen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Auf dem Bildschirm sehe ich, wie Kinder in die ausgebreiteten Arme des riesigen violetten Dinosauriers hüpfen, hopsen und springen, und danach schaue ich mich in meinem Zimmer um. Die Kinder hier liegen regungslos auf dem Boden oder sitzen zusammengesunken auf ihren Stühlen. Ein Gurt hält mich aufrecht in meinem Rollstuhl. Mein Körper ist genau wie bei den anderen ein Gefängnis, dem ich nicht entrinnen kann: Wenn ich sprechen möchte, bleibe ich stumm, wenn ich meinen Arm bewegen will, gehorcht er mir nicht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es gibt nur einen Unterschied zwischen mir und den anderen Kindern: Mein Verstand ist hellwach. Er schlägt Purzelbäume und macht Saltos in dem Versuch, seine Fesseln zu sprengen und einen Feuerstrahl prachtvoller Farben in meine graue Welt schicken zu können. Doch niemand weiß davon, da ich es niemandem erzählen kann. Die Leute meinen, ich sei eine leere Hülle, weil ich hier seit neun Jahren tagaus, tagein sitze und mir Barney oder Den König der Löwen reinziehen muss; und als ich dachte, schlimmer könne es nicht kommen, kreuzten auch noch die Teletubbies auf.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, doch meine Erinnerungen an die Vergangenheit beginnen erst mit jenem Moment, in dem ich wieder zum Leben erwachte und aus irgendeiner Welt auftauchte, in der ich mich verloren hatte. Es war, als blendeten mich plötzlich Blitzlichter in der Dunkelheit. Ich hörte Leute über meinen sechzehnten Geburtstag reden und darüber diskutieren, ob sie mir die Bartstoppeln abrasieren sollten. Mir machte Angst, was ich da mit anhören musste, denn obgleich ich mich an nichts erinnern konnte und keine Vorstellung von der Vergangenheit hatte, war ich mir sicher, ein Kind zu sein, und die Leute unterhielten sich über einen Menschen auf der Schwelle zum Mann. Langsam wurde mir jedoch klar, dass sie mich meinten, genauso wie ich zu begreifen begann, dass ich eine Mutter und einen Vater, einen Bruder und eine Schwester hatte, die ich jeden Abend zu Gesicht bekam.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Haben Sie mal einen dieser Filme gesehen, in dem jemand als Geist aufwacht, aber die Menschen haben keine Ahnung davon, dass sie längst gestorben sind? So war das, als ich mitbekam, wie die Leute durch mich hindurch und an mir vorbei schauten, und ich verstand nicht, weshalb. Ich konnte anstellen, was ich wollte, ich konnte betteln und bitten, schreien und brüllen – durch nichts brachte ich sie dazu, Notiz von mir zu nehmen. Mein Geist war in einem nutzlosen Körper gefangen, Arme und Beine waren außer Kontrolle, meine Stimme blieb stumm. Ich konnte weder Zeichen noch Geräusche von mir geben, um irgendjemanden wissen zu lassen, dass ich das Bewusstsein wiedererlangt hatte. Ich war unsichtbar – der Geisterjunge.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/Als-ich-unsichtbar-war-hirntot/dp/3404603567/ref=wl_it_dp_o_pC_nS_nC?ie=UTF8&amp;colid=34RASSQWF5WB&amp;coliid=IY899ATOP8IC6"&gt;Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt&lt;/a&gt; von Martin Pistorius&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Der Autor hat (s)eine Art Biografie geschrieben, die (mich) sehr berührt. Da ist ein junger Mann, der durch eine unbekannte Krankheit mit zwölf Jahren bewusstlos wird - und viele Jahre als hirntot gilt. Ärzte sind der Ansicht, dass der Junge keine Heilungschancen hat. Doch die Eltern kämpfen für ihren Jungen. Eines Tages wacht der Junge auf, kann aber, außer mit den Augen, kein Lebenszeichen von sich geben. Er bekommt alles mit, was mit ihm und auch rundherum geschieht. Erst als eine Pflegerin ihn als (lebenden) Menschen sieht und meint, in ihm stecke mehr als ein hirntoter junger Mann, wendet sich das Blatt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dieses Buch hat mich sehr berührt. Ich weiß nicht, ob man so etwas denken oder fühlen darf, aber ich habe eine große Hochachtung vor Martin Pistorius, wie er sich ins Leben zurückkämpft. Aber auch vor seiner Familie, die ihn nie aufgegeben hat und vor den Menschen, die ihm 'zugehört' haben.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ein sehr empfehlenswertes Buch, das man nicht mehr loslässt, hat man es erst einmal angefangen, zu lesen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Martin Pistorius: &lt;a href="http://www.amazon.de/Als-ich-unsichtbar-war-hirntot/dp/3404603567/ref=wl_it_dp_o_pC_nS_nC?ie=UTF8&amp;colid=34RASSQWF5WB&amp;coliid=IY899ATOP8IC6"&gt;Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Taschenbuch: 344 Seiten&lt;br&gt;
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 9 (17. Dezember 2012)&lt;br&gt;
Sprache: Deutsch&lt;br&gt;
ISBN-10: 3404603567&lt;br&gt;
ISBN-13: 978-3404603565&lt;br&gt;
Originaltitel: Ghost Boy
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2013/01/03/unsichtbar-15392208/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-12-17:/2012/12/17/abenteuer-ehemaligen-bankberaters-tilman-rammstedt-15330007/</id><title>Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters - Tilman Rammstedt</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/12/17/abenteuer-ehemaligen-bankberaters-tilman-rammstedt-15330007/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2012-12-17T21:11:55+01:00</published><updated>2012-12-17T21:12:16+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Abenteuer Bankberater" href="http://www.blog.de/media/photo/abenteuer_bankberater/6788677"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/677/6788677_58c9db0000_m.jpeg" alt="Abenteuer Bankberater"&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Wär schon schön, wenn man jemanden in seinem Leben hätte, der einen aus der Bredouille holt und rettet. Der ehemalige Bankberater von Tilman Rammstedt ist dieser Jemand anscheinend nicht. Dieser wäre am liebsten eine Salzstange und würde sich zu den anderen Salzstangen in den Einkaufswagen legen. Man kennt das.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Das Leben ist kompliziert geworden und keiner mehr da, der es einem erklären kann. Geschweige denn, dass Tilman Rammstedt wüsste, wie der Abgabetermin seines neuen Buches einzuhalten sei. Die Idee hat er: Er dichtet dem melancholischen Bankberater einen Überfall auf seine eigene Bank an. Dieser geht natürlich grandios schief, aber wie jetzt weiter? Das hypochondrische, an der Welt leidende Alter Ego Tilman Rammstedts kommt auf die nahe liegende Lösung: Hollywood. Dort sind sie doch zu finden, die Weltenretter – und wer könnte besser geeignet sein als der Experte für sechste Sinne und langsames Sterben, Bruce Willis, um in die Rolle des Bankberaters zu schlüpfen und dessen Schieflage zu begradigen? Beflügelt von seinem Lösungsansatz, setzt Herr Rammstedt sich an die Tasten und hackt ellenlange Mails an Herrn Willis hinein. Er bedrängt den Filmstar, umschmeichelt ihn, fleht und bettelt, wird zeitweilig beleidigend und nötigend. Bruce Willis jedoch antwortet nicht und Rammstedt beginnt zu fürchten, dass er sein Buch umbenennen müsse in "Die Abenteuer des Bruce Willis, die abrupt endeten, als er von einer Harpune durchbohrt wurde, weil er sich zu fein war, auch nur eine einzige Mail zu beantworten”&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Tilman Rammstedts neues Werk Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters besteht aus diesen Emails, die sich mit Erinnerungen an seinen mittlerweile ehemaligen Bankberater abwechseln. Dieser Bankberater kennt zumindest die halbe Wahrheit und langsam beginnt Rammstedt einzusehen, dass dies doch so wenig gar nicht ist. Denn "das meiste war schließlich einfach und der Rest nicht so schwer": Ein Baum ist wie ein Festgeld. Es muss fest stehen und langsam wachsen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Bankberater steht dabei symbolisch für jeden, der beratend tätig ist und von dem die Leute erwarten, dass sie ihnen die Welt erklären, auch wenn das längst niemand mehr kann. Es hätte auch ein Steuerberater sein können, aber bei diesen lohnt es sich vielleicht nicht so sehr, wenn sie die eigene Kanzlei überfallen. Wer sich beim Titel des Romans Insiderwissen zur Finanzkrise erwartet hat, liegt völlig falsch. Dieses Thema kann man sich allenfalls dazu denken, man kann es aber auch lassen. Denn das ist nicht das Thema des Tilman Rammstedt. Genauso wie das Buch nichts mit Katzen zu tun hat, auch wenn eine auf dem Cover thront. Die Katze steht allenfalls für den toten Hund, der im Zweifel eine größere Hilfe ist als der Actionstar. Wen das irritiert, dem sei gesagt, das lernt man direkt als Anfänger bei jedweden sozialen Medien. Ohne sogenannten "Cat-Content" und Banken-Bashing geht heutzutage fast nichts mehr.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; In diesem Buch findet sich ein ganzes Konglomerat derzeit erfolgreicher Literaturprinzipien. (Briefroman, die direkte Ansprache von Ikonen der Popkultur und Metafiktion – die Thematisierung von Fiktion der Geschichten und Charaktere). Vor allem das Prinzip der Metafiktion reizt Rammstedt bis zum Äußersten aus. Er schaltet sich nicht nur gelegentlich ein, sondern ist klar erkennbar der Ich-Erzähler, welcher von der Schwierigkeit berichtet, aus einer guten Idee einen Roman zu machen. Gerade, wenn der Abgabetermin näher rückt und Bruce Willis immer noch nicht geantwortet hat. Er tut dies nicht mitleidheischend, sondern durchaus gewitzt. Es ist ein großer Lesespaß, wenn er dem stummen Willis damit droht, jederzeit Hubschrauber auffliegen lassen zu können oder wenn er seinen eigenen Verlag inständig bittet, ihm aus dem gut bestückten Verlags-Fundus doch bitte ein Buch zukommen zu lassen, in dem ein Gefängnisausbruch erklärt wird. Die Emails haben deutliche Längen, da gerät der Autor gelegentlich ins Schwafeln. Doch die Einschübe mit den Erinnerungen an den Bankberater und dessen traurige Parabeln sind bei aller Lakonie sprachlich ungeheuer dicht und ausgefeilt. Bei aller Überspitzung ist Rammstedt da sehr nahe dran an der Realität.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der Ausgang der Abenteuer bleibt ungewiss. Auf Seite 155 weiß Tilman Rammstedt noch nicht, an welcher Stelle der Geschichte er sich befindet. Auf Seite 999 verabschiedet er sich und wünscht Bruce Willis viel Glück. Leider haben es die Seiten 156-998 nicht mehr ins Buch geschafft und es bleibt somit der Phantasie des Lesers überlassen, ob Rammstedt sein so sehnlich erwünschtes glückliches Ende bekommt. Vielleicht hat er ja sogar statt Hollywood das Ruhrgebiet um Hilfe gebeten und Helge Schneider gefragt. Diesen hatte nämlich ich dauernd vor Augen, wenn es um den Bankberater ging. Warum auch immer. Sicher hätte Helge sich gemeldet und sehr wahrscheinlich wäre ihm auch etwas eingefallen. Auf jeden Fall hätte er verstanden, dass man "manchmal ein Ziel erst hinter sich lassen muss, um es zu verstehen.” So bleibt neben diesen Ungewissheiten noch die Frage offen: Werden wir je wieder einen Bruce-Willis-Film sehen können, ohne daran denken zu müssen, dass dieser Tilman Rammstedt im Stich gelassen hat?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt; Tilman Rammstedt: "Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters”. DuMont Verlag, Oktober 2012, &lt;span&gt;999 &lt;/span&gt;156 Seiten, ISBN 978-3-8321-9686-8&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;span&gt;(Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de am 13.11.2012) &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/12/17/abenteuer-ehemaligen-bankberaters-tilman-rammstedt-15330007/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-12-02:/2012/12/02/ken-follett-tore-welt-reloaded-15270111/</id><title>Ken Follett - die Tore der Welt (reloaded)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/12/02/ken-follett-tore-welt-reloaded-15270111/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2012-12-02T10:49:03+01:00</published><updated>2012-12-02T10:49:03+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;span&gt;Erstveröffentlichung dieser Rezension am 09.April 2008 im Blog der Literaturzeitschrift.de. Mittlerweile hat sich der Kurs nicht nur der Telekom-Aktie dramatisch geändert, Schweinefleisch kostet so ungefähr noch dasselbe, die &lt;/span&gt;&lt;em&gt;Tore &lt;/em&gt;&lt;span&gt;sind als Taschenbuch erschienen und ganz neu auch als Filmbuchausgabe.(s. verwendeter Cover-Download) &lt;/span&gt;&lt;em&gt;Die Säulen der Erde &lt;/em&gt;&lt;span&gt;wurden mit großem Erfolg verfilmt und in der Adventszeit 2012 geht auch die Verfilmung der &lt;/span&gt;&lt;em&gt;Tore&lt;/em&gt;&lt;span&gt; als Vierteiler an den Start. Zur Einstimmung auf dieses Ereignis hat sich die Rezensentin zu einer erneuten Veröffentlichung der Buchbesprechung entschlossen. &lt;br&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;a title="Tore der Welt - Filmbuchausgabe" href="http://www.blog.de/media/photo/tore_der_welt_filmbuchausgabe/6747090"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/090/6747090_83d56cd772_s.jpeg" alt="Tore der Welt - Filmbuchausgabe"&gt;&lt;/a&gt;Die Tore der Welt. Die mit grossen Getöse angekündigte Fortsetzung von "&lt;em&gt;Die Säulen der Erde"&lt;/em&gt;, dem grossen Historienroman des letzten Jahrhunderts.  Fortsetzung der &lt;em&gt;Säulen&lt;/em&gt;? Geht das überhaupt? Waren nicht fast alle gestorben in den &lt;em&gt;Säulen&lt;/em&gt;? Ich lerne schnell: Nein, geht eigentlich nicht.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der Kunstgriff: Der selbe Ort, andere Zeit. Kingsbridge, England im Jahre 1327. Wir begleiten vier junge Menschen. Den Baumeister Merthin, einen Nachfahren des unvergessenen Jack, schwankend zwischen Genie und Rebellion. Seinen in den Ritterstand aufstrebenden Bruder Ralph. Das Mädchen Caris, die dem Traum folgt, Ärztin zu werden. Und die jüngste, Gwenda. Kind eines Tagelöhners, die den Traum der Freiheit und der Liebe träumt. Zu Beginn des Romans werden die Vier Zeugen eines Kampfes - und eines tödlichen Geheimnisses.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ist das jetzt eine Fortsetzung? In meinen Augen ein klares Nein. Es sei denn, man definiert eine Fortsetzung dadurch, dass sie am selben Ort spielt , einer der Helden den gleichen Beruf hat und gelegentlich pflichtschuldigst erwähnt wird, das in den ein oder anderen Adern das gleiche Blut fliesst wie in den Adern von Jack und Aliena selig.Die &lt;em&gt;Tore der Welt &lt;/em&gt;handeln vom Leben der Nachfahren der SäulenHauptcharaktere. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Ich vermisse den roten Faden. In den Säulen geht es vom ersten bis zum letzten Satz um den Bau einer Kathedrale. Eine klare Linie. Die &lt;em&gt;Tore&lt;/em&gt; erzählen Lebensgeschichten. Ein durchgehender Handlungfaden, ein Ziel fehlt. Es werden Brücken, Krankenhäuser, Paläste gebaut, die Pest bricht mehrfach aus - gesichts- und leidenschaftslos geschildert wie selten. Die nächste Katastrophe wartet bereits an der nächsten Ecke. 1300 Seiten sind da noch knapp bemessen. Lange Reflexionen über das, was die Menschen so vor sich hindenken, im Wechsel mit bautechnischen Details brauchen schliesslich viel Platz. Die Charaktere wirken wie mit der Schablone des Baumeisters gezeichnet. Gut und Böse allzeit definiert, die Schicksale so vorhersehbar wie der Lauf des Flusses um Kingsbridge.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Im Grunde werden die immer gleichen Intrigen immer wieder durchgespielt. Ralph arbeitet sich gefühlte hundert Mal an seinem Rivalen Wulfric ab, der unwürdige Prior Godwyn kann keinen strategischen Schritt ohne seine Mama machen. Caris wäre es ohnehin lieber gewesen, in einem Roman des 21. Jahrhunderts beschrieben zu werden . Merthin baut mal hier, mal da, macht gefühlte 200 Heiratsanträge und hat immer eine tolle Idee. (Ich hörte schon von Lesern, die sich unwillkürlich an "Wickie" erinnert fühlten)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; All die Geschichten wirken wie bereits erzählt. Die nur durch einen Eintritt ins Kloster auflösbare Abhängigkeit der Frauen, die Unbarmherzigkeit des Adels und der Kirche, die Knechtschaft der Lehrlinge unter den Gildemeistern, der Leibeigenen unter den Grundherren. Die Geschichten von Hexen- und Dämonenglauben, die von den Auswirkungen der Pest - alle schon mehrmals gelesen. Oft besser, spannender, authentischer, glaubwürdiger als hier. Auch die Idee, den Roman mit einem Geheimniss zu beginnen, welches sich erst am Ende löst- nicht wirklich neu. Zumal das im Klappentext groß angekündigte Geheimnis die Geschichten an sich nicht tangiert und im Rest des Romans kaum mehr zum Tragen kommt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, der Autor greift es nur aus Pflichtbewusstsein wieder auf.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Die Ankündigung der Buchclubs Sex, Sex und noch mehr Sex in den &lt;em&gt;Toren&lt;/em&gt;? Echte Sex-Szenen, noch dazu gute, muss man mit der Lupe suchen. Es sei den Verantwortlichen ins Stammbuch geschrieben, dass Vergewaltigungsszenen auch dann keine Sex-Szenen sind, wenn Ken Follett sie verfasst. Im Original titelt der Roman im Übrigen &lt;em&gt;World without an end&lt;/em&gt;. (Ich hoffe ja mal nicht).Woher dann der deutsche Titel? Um Tore an sich geht es eher selten bis gar nicht.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Und noch was. Mir persönlich wichtig. Für 25 Euro krieg ich 2 kg gutes Schweinefilet, von mir aus auch 3 1/4 Telekom Aktien oder eben einen Ken Follett im Hardcover. Der geneigte Leser, soviel Geld anlegend, erwartet nicht nur einen Roman - der ihm gefallen mag oder eben auch nicht, das Risiko geht er ein - er erwartet zum Mindesten ein korrekt gesetztes Buch. Was er nicht erwartet, sind Druck-und Grammatikfehler, auch nicht des öfteren verwechselte Eigennamen. Und schon gar nicht eine nicht ganz korrekte Inhaltsangabe im Klappentext. Zur Übersetzung: Selten ist mir so deutlich wie hier aufgefallen, dass zwei Übersetzer am Werk waren. Miteinander haben die nicht gearbeitet, zu deutlich sind die "Schichtwechsel" zu merken.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;em&gt;Die Tore der Welt &lt;/em&gt;sind wieder ein Bestseller. War klar. Die Fortsetzung der Säulen? Einfach zu verlockend. Nur - mit den Säulen machte Follet damals den historischen Roman erst richtig bekannt. Dass er nicht der größte aller Autoren ist, fiel deshalb weiter nicht auf. Inzwischen hat er Hunderte von Nachahmern gefunden, und unter denen sind - sein Pech -, eben auch Spitzenkönner , deren Bücher zwar auch keine Literatur bieten, aber zumindest bessere Unterhaltung. Ich weiss,es gehört mit zum Schlimmsten, was man über ein Buch sagen kann, dennoch: Ich fand es langweilig, schlicht und ergreifend langweilig. Meine Meinung , mein Fazit : Wer es lesen will, übe sich in Geduld , warte auf das Paper-Back und investiere die Differenz in Schokolade oder eine Telekom Aktie. Vielleicht dämpft sich bis dahin ja auch die eigene Erwartungshaltung und man ist begeistert. Möglich. Warum auch nicht? Wer ein Werk von fast 1300 Seiten konstruiert und schreibt, hat gerne Anerkennung und ein Fleißkärtchen verdient.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Ken Follett: Die Tore der Welt&lt;br&gt; Gustav Lübbe Verlag in der Verlagsgruppe Lübbe&lt;br&gt; Bergisch Gladbach 2008&lt;br&gt; ISBN 978-3-7857-2316-6&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/12/02/ken-follett-tore-welt-reloaded-15270111/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-30:/2012/11/30/john-irving-one-person-15264917/</id><title>John Irving - In One Person</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/30/john-irving-one-person-15264917/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2012-11-30T17:09:50+01:00</published><updated>2012-11-30T17:09:50+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/41wZG5os58L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-66,22_AA300_SH20_OU03_.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bill Abbot ist fast 70 und blickt zurück auf ein bewegtes Leben. Aufgewachsen in einem Provinzkaff in Vermont stellt er früh fest, dass er sich zu Frauen und Männern gleichermaßen hingezogen fühlt; wahrlich keine einfache Prüfung in den prüden und bigotten 50er Jahren. Seine Familie steigert die Verwirrung noch: Da gibt es den Großvater, der im ortsansässigen Theater vorzugsweise Frauenrollen spielt, den Vater, der unter mysteriösen Umständen verschwand und die Mutter, die unter der zerbrechlichen Schale harte Geheimnisse bewahrt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dennoch verleugnet er seine Vorlieben nicht und geht seinen Weg, kämpfend dabei nicht nur gegen die Vorurteile und Anfeindungen der Heteros, sondern ebenso mit dem Misstrauen der Homos. Hilfe und Unterstützung findet Bill dabei in der Literatur und so verwundert es nicht, dass er (wie so viele Irving-Helden) schließlich selbst Autor wird. Er findet viele Liebschaften (beiderlei Geschlechts) und einige Freunde, von denen allerdings etliche das AIDS-Zeitalter nicht überstehen. Bill bewahrt sich trotzdem seine Empathie und Menschlichkeit; er bleibt ein suchender Erkunder.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es fällt nicht leicht, zu diesem Roman eine klare und stringente Inhaltsangabe zu liefern; zu umfangreich ist der Plot und zu ausschweifend Irvings Erzählstil. Geboten wird definitiv keine leicht verdauliche Kost, auch wenn des Autors feinsinniger Humor und seine Vorliebe für skurrile Charaktere (Bären gibt es diesmal keine, dafür wieder mal Ringer) durchaus ihren Platz finden. Andererseits gehen die minutiös geschilderten Leiden sterbender AIDS-Patienten tief unter die Haut, ebenso wie die Nöte der Homo-, Bi- und Transsexuellen in der freien Welt der USA.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich habe den Eindruck, John Irving schreibt seine Bücher mit zunehmendem Alter immer kompromissloser: Wenn in früheren Werken sexuelle Inhalte eher zurückhaltend angedeutet wurden, ist die Sprache jetzt explizit und lässt an Offenheit nichts zu wünschen übrig. Auch bei politischen Themen positioniert er sich inzwischen so eindeutig, wie er das kürzlich in Interviews vor der US-Präsidentenwahl getan hat.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Irving ist einer der Großen der Weltliteratur, das bestätigt er wieder einmal mit seinem neuen Roman. "In One Person" ist ein kraftvolles Buch mit vielen Facetten, mal heiter, mal tragisch, aber stets zutiefst anrührend. Der Autor überzeugt wie immer mit seinen Ideen und Anliegen, das wichtigste davon ist diesmal das überaus eindringliche Plädoyer für die Toleranz der Vielfalt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;John Irving&lt;br&gt;
&lt;a href="http://www.amazon.de/In-One-Person-ebook/dp/B005LJEVK0/ref=cm_cr_pr_product_top"&gt;In One Person&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Simon &amp; Schuster, 2012&lt;br&gt;
ASIN: B005LJEVK0&lt;/em&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/30/john-irving-one-person-15264917/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-21:/2012/11/21/bryan-smith-kayla-and-the-devil-15232006/</id><title>Bryan Smith – Kayla and the Devil</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/21/bryan-smith-kayla-and-the-devil-15232006/"/><author><name>Spieler7</name></author><published>2012-11-21T19:57:11+01:00</published><updated>2012-11-21T19:57:11+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/51xYGrKA1vL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA278_PIkin4,BottomRight,-64,22_AA300_SH20_OU03_.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Kayla ist 19, gut betucht, sieht umwerfend aus und hat dennoch ein Problem: Seit einiger Zeit wird sie von ihren Mitmenschen wie eine Aussätzige behandelt, auch Freunde und verflossene Liebhaber wollen partout nichts mit ihr zu tun haben. Des Rätsels Lösung erfährt sie bei einem Treffen mit dem Teufel, der höchstpersönlich verantwortlich ist für den Fluch, aber natürlich auch gerne bereit ist, ihr altes Leben wieder herzustellen. Allerdings gibt es bekanntlich nichts umsonst und der Preis in diesem Fall ist nicht nur Kaylas Seele, sondern auch ein Menschenopfer, das binnen einer Woche zu erbringen ist...&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bryan Smith schreibt erfrischend flott und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen, sein Stil erinnert an Edward Lee und Richard Laymon. Witzige Ideen (in diesem Roman wird Jack the Ripper wieder lebendig und sorgt für allerlei Aufregung) und viel schwarzer Humor bescheren ein höchst unterhaltsames Lesevergnügen; für Horrorfans lohnt es sich definitiv, diesen Autor zu entdecken, zumal etliche seiner Werke mittlerweile auch auf Deutsch vorliegen. Bryan Smith veröffentlicht seine E-Books inzwischen im Selbstverlag, es handelt sich also um echte Schnäppchen!&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Bryan Smith&lt;br&gt;
&lt;a href="http://www.amazon.de/Kayla-And-The-Devil-ebook/dp/B005UD2EQA/ref=sr_1_1?s=digital-text&amp;ie=UTF8&amp;qid=1353520573&amp;sr=1-1"&gt;Kayla and the Devil&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Bitter Ale Press, 2011&lt;br&gt;
ASIN: B005UD2EQA&lt;/em&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/21/bryan-smith-kayla-and-the-devil-15232006/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-18:/2012/11/18/timur-vermes-roman-15219241/</id><title>Timur Vermes: Er ist wieder da - der Roman</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/18/timur-vermes-roman-15219241/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2012-11-18T17:50:04+01:00</published><updated>2012-11-18T20:09:51+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Er ist wieder da - der Roman" href="http://www.blog.de/media/photo/er_ist_wieder_da_der_roman/6735481"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/481/6735481_b0e18277c4_s.jpeg" alt="Er ist wieder da - der Roman"&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Hätte mein Sohn dieses Buch schon gelesen, sein Kommentar wäre: "&lt;em&gt;Was für eine kranke Scheisse&lt;/em&gt;!". Nicht falsch verstehen, das ist in Jugendsprech derzeit ein Maximalkompliment. Die &lt;em&gt;kranke Scheisse&lt;/em&gt; scheint auch anderen zu gefallen, seit Wochen ist &lt;em&gt;Er ist wieder da -der Roman&lt;/em&gt; von Timur Vermes ganz oben in sämtlichen verfügbaren Bestsellerlisten. &lt;br&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br&gt; Ein Mann erwacht orientierungslos auf einem Berliner Trümmergrundstück. Er braucht nicht lange, dann fällt es ihm wieder ein: Er ist Adolf Hitler, der selbsternannte GröFaz. Daran erinnert im Jahre 2011 allerdings lediglich seine Uniform. Keine Eva ist in Sicht, kein Reichsmarschall, kein Führerbunker und warum steht auf dem Rückenteil des unweit seines Erwachungsortes kickenden Hitlerjungen bloß Ronaldo? Es muss allerhand passiert sein, während er geschlafen hat - sogar die Achse Berlin-Ankara scheint endlich zu einem erfolgreichen Bündnis gekommen zu sein, stellt er schnell fest bei einem ersten Spaziergang durch die Reichshauptstadt. Das hätte er Goebbels gar nicht zugetraut. Derart ermutigt stellt er sich tapfer den Herausforderungen der neuen Zeit, begeistert sich schnell für die neuen Medien, gerät zufällig in ein Casting und reüssiert höchst erfolgreich als Fernsehstar mit einer eigenen Show. Nur dass er öfter mit diesem Stromberg verwechselt wird, das stört ihn schon noch etwas.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; So geht es munter weiter im Überraschungserfolg des Herbstes. Vermes lässt Hitler als Ich - Erzähler agieren und nutzt diese Konstellation zu einem verbalen Rundumschlag gegen bundesdeutliche Wirklichkeiten. Wenn ein Autor als Adolf Hitler spricht, lädt das ja nun nachgerade dazu ein, ohne Rücksicht auf irgendwen oder irgendwas hemmungslos an nichts ein gutes Haar zu lassen. Ob es der feine Herr Rossmann ist, der zu fein ist, sich selbst hinter seine Ladentheke zu stellen oder dieser dilettierende schlitzäugige Gesundheitslehrling aus dem sogenannten Kabinett. Selbst die heiligsten Kühe unserer Republik werden so gnadenlos geschlachtet. Kleine Kostprobe? Vermes aka A.H. über Helmut Schmidt: "&lt;em&gt;dieser Mann etwa hat absolute Narrenfreiheit und kann Blödsinn reden noch und noch. Man setzt ihn in einen Rollstuhl, wo er in ununterbrochener Reihenfolge Zigaretten abbrennt und .... die schlimmsten Allgemeinplätze verkündet...... dann stellt sich heraus, dass sich sein Ruhm lediglich auf zwei läppische Taten gründet, nämlich dass er im Fall einer Hamburger Sturmflut die Armee zu Hilfe rief, wozu man kein Genie sein muss, und dass er den entführten Schleyer kommunistischen Verbrechern überlassen hat, was ihm sogar gesinnungsmäßig entgegen gekommen sein dürfte.&lt;/em&gt;" Noch Fragen? So geht es das ganze Buch. Es gibt keine Klarstellung, nichts, es gibt nur die Sicht Adolf Hitlers. Die NPD kriegt ihr Fett übrigens auch ab, das sind für ihn nur halbgare verpickelte Jüngelchen, derer man sich schämen muss.    &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Natürlich ist es allerdünnstes Glatteis, auf das sich Vermes da begibt. Aber es hält. Er beherrscht die Gratwanderung, einerseits alles aus der Perspektive Hitlers zu schreiben, andererseits keinen Moment vergessen zu lassen, dass man hier Satire in den Händen hält. Natürlich ist es eigenartig, mit Hitler zu lachen und nicht über ihn, natürlich bleibt einem das Lachen ständig im Halse stecken, weil man sich so oft bei zustimmendem Nicken ertappt. Und natürlich ist es bei allem Witz, aller Schlagfertigkeit auch verstörend und erschreckend, wie plausibel der Roman rüberkommt, wie leicht es ist, populäre Meinngen aufzugreifen und sich nutzbar zu machen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Allerdings: Es ist aus berufenen Mündern zu hören, dass Timur Vermes den Duktus des A.H. sehr gut getroffen habe. Das ist sicher eine der Stärken des Romans, zugleich aber auch seine größte Schwäche. Denn mal Hand aufs Herz - alle political correctness, die ganze Thematik ruhig mal außer Acht gelassen, wenn A.H. ins Schwafeln geriet, war es definitiv ermüdend. Und genauso geht es einem im Buch immer wieder, dass man denkt: mach hinne, komm zum Punkt. Ich will wieder was Witziges lesen. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Fazit: lesenswert. Schon alleine, weil sich mit Timur Vermes endlich mal jemand traut, Adolf Hitler als das darzustellen, was er neben allem anderen wohl auch war: Ein attraktives, verführerisches Massenphänomen und dadurch zu zeigen, wie groß die Gefahr wirklich ist, dass ein Land so einem Wahnsinnigen jederzeit wieder erliegen könnte.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Timur Vermes &lt;br&gt; Er ist wieder da - der Roman. &lt;br&gt; Eichborn Verlag bei Bastei Lübbe 2012&lt;br&gt; ISBN 978-3-8479-0517-2&lt;br&gt; 396 Seiten&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/18/timur-vermes-roman-15219241/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-16:/2012/11/16/mehr-informationen-bitte-bild-anklicken-gestern-zufaellig-beim-stoebern-net-15211247/</id><title>Die etwas andere Rezension - Der Bundesweite Vorlesetag</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/16/mehr-informationen-bitte-bild-anklicken-gestern-zufaellig-beim-stoebern-net-15211247/"/><author><name>greatmum</name></author><published>2012-11-16T10:31:37+01:00</published><updated>2012-11-16T10:34:40+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.vorlesetag.de/startseite/"&gt;&lt;img src="http://s14.directupload.net/images/user/121116/mqbr9ots.jpg" title="Kostenlos Bilder hochladen bei directupload.net"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Für mehr Informationen bitte das Bild anklicken!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich bin gestern da zufällig beim Stöbern im Net draufgestoßen.&lt;br&gt;
Ehrlich gesagt wollte ich gar nicht glauben, was ich da lese:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Bundesweite Vorlesetag - bereits zum neunten Mal.&lt;br&gt;
Heute, am 16.112.2012&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Angeblich sollen sogar Politiker Geschichten vorlesen,&lt;br&gt;
also nicht in ihren Familien, sondern öffentlich.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ok, sie erzählen uns eine Menge Geschichten, aber dazu brauchen sie keine Bücher. Oder? Habt ihr schon einmal davon gehört, dass Politker in Kindergärten, Schulen oder Heimen gehen, um den Kindern dort vorzulesen? Das käme doch garantiert in die Medien.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Brauchen wir wirklich so einen Tag, um unseren Kindern Geschichten vorzulesen; um unseren Kindern die Liebe zu Büchern beizubringen? Sollten wir ihnen nicht eher öfter mal ein Buch/eine Geschichte vorlesen?&lt;br&gt;
... oder auch schön, uns eine Geschichte vorlesen lassen?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Man, was habe ich meinen Kindern vorgelesen - über Jahre hinweg. Wie gerne habe ich ihnen zugehört, wenn sie vorgelesen haben. Sie haben selbst kleine Geschichten geschrieben, die sie dann mit einem Tacker als Buch geferigt, mir zum Geburtstag oder einfach mal so zwischendurch geschenkt haben. Oder mein Sohnemann, der sich am liebsten den ganzen Tag Geschichten vorlesen lassen wollte. Ihm habe ich ganze Bücher und Geschichten Nachts, wenn es ruhig war, auf Band (Kassettenrekorder) aufgenommen. So konnte er, wenn er wollte, den ganzen Tag meine vorgelesenen Geschichten hören und trotzdem süpielen. Er liebte es.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Nein, einen Vorlesetag brauch(t)en wir jedenfalls nicht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.youtube.com/results?search_query=Vorlesetag&amp;oq=Vorlesetag&amp;gs_l=youtube.3..0.258884.262241.0.264330.10.9.0.0.0.0.1063.8361.6-6j3.9.0...0.0...1ac.1.2QgcpQ1w5Q0"&gt;Hier&lt;/a&gt; mal ein paar YouTube-Videos zum Thema.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie seht ihr das?&lt;/strong&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/16/mehr-informationen-bitte-bild-anklicken-gestern-zufaellig-beim-stoebern-net-15211247/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-07:/2012/11/07/wolf-haas-verteidigung-missionarsstellung-15177712/</id><title>Wolf Haas - Verteidigung der Missionarsstellung</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/07/wolf-haas-verteidigung-missionarsstellung-15177712/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2012-11-07T18:56:13+01:00</published><updated>2012-11-07T18:56:47+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Verteidigung der Missionarsstellung " href="http://www.blog.de/media/photo/verteidigung_der_missionarsstellung/6715658"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/658/6715658_2e65fdfb13_s.jpeg" alt="Verteidigung der Missionarsstellung "&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Benjamin Lee Baumgartner ist ein netter Kerl. Dennoch –er hat es nicht leicht in diesem Leben: &lt;em&gt;"Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England. und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich dsa zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Sollte ich je wieder Symptome von Verliebtheit zeigen, musst Du sofort die Gesundheitspolizei verständigen. Versprich mir das." &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der solchermaßen innig gebetene Freund verspricht es ihm, alleine es hilft nichts. Baumgartner wird nicht klug, er verliebt sich immer wieder. Er leidet daran, aber irgendwie liebt er das Leiden auch. Mindestens so sehr wie sein Leben. Ein Leben voller unerwarteter Wendungen, die ihn selbst am meisten überraschen und ihm am Schluss des Romans eine nicht vorhergesehene Pointe bescheren. Aber es ist nicht die Geschichte über das Leben des Benjamin Lee Baumgartner, Sohn einer der letzten Hippiemädchen des Landes und eines geheimnisvollen Indianers oder auch nicht, welche diesen Roman so besonders macht. Sondern der Wortwitz des Autors, das Spiel mit der Sprache und die Liebe zu dieser. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Der Freund, den Baumgartner so innig bittet, ist wohl auch nur bedingt geeignet, den Mann vor den Fallstricken der Liebe zu bewahren. War schon dessen Streitschrift zur "Verteidigung der Missionarsstellung" kein Erfolg beschieden. Dieser Freund, er ist kein Geringerer als der Ich-Erzähler, der Autor, Wolf Haas selbst Er erzählt die Buch-im-Buch- Geschichte, die Geschichte von der Entstehung des Romans, eine zweite Leidensgeschichte gewissermaßen. Schliesslich wäre es ja viel einfacher, sich in Fiktion zu retten, als so eine unglaubwürdige Geschichte aus der Realität zu romantisieren. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Entstanden ist so das wohl mit Abstand coolste und unbekümmerteste Buch des Jahres, unglaublicherweise zugleich das am sorgfältigsten konstruierte Buch des Jahres. Ein Hinweis vorab, so leid es mir tut. Wer sich dieses Buch vornimmt, er sei gewarnt: Es hilft alles nichts, durch das erste Kapitel muss man durch. Das erste Kapitel – ich fand es grottenschlecht. Zäh, langweilig, es weckte nicht für 10 Cent mein Interesse. Es passiert mir wirklich selten, dass ich ernsthaft überlege, ein Buch schon nach wenigen Seiten auf Nimmerwiederlesen zuzuklappen. Doch für die zweite Chance, die ich dem Buch gab, wurde ich belohnt. Schon beim zweiten Kapitel zog ich zum ersten Mal meinen Hut, musste grinsen, danach war ich verloren. Chapeau, was für ein Parforceritt. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Benjamin Lees Flower Power Mutter gab ihrem Kind den ungewöhnlichen Namen zu Ehren des Sprachforschers Benjamin Lee Whorf. Dieser Whorf vertrat die These, dass Sprache das Bewusstsein formt. Haas spielt mit dieser These, benutzt und verwirft sie. Auf der einen Seite verblüfft er mit Sätzen zum Niederknien, auf der anderen ist er kein Autor, der Lust hat, sich lange mit Beschreibungen aufzuhalten. Will er eine bestimmte Atmosphäre erzeugen, gibt es eine in eckige Klammern gesetzte Notiz an sich selbst , so etwa "&lt;em&gt;London-Atmosphäre, Blick from the bridge&lt;/em&gt;" Fertig. Weiß jeder, was gemeint ist. Wolf Haas geht aber noch weiter und entwickelt diese These dahingehend, dass es nicht nur die Sprache, sondern auch das Schriftbild ist, welches das Bewusstsein und das Verständnis seiner Leser formt. Sagt ein Protagonist einmal "&lt;em&gt;nichts&lt;/em&gt;",dann steht da eben auch nur "&lt;em&gt;Nichts&lt;/em&gt;" und koste es eine ganze Buchseite. Berichtet eine Romanfigur, er habe etwas quergelesen, dann wird es eben quergeschrieben. Konsequenterweise ist die dichteste Stelle im Buch so verdichtet, dass man sie nur mit der Lupe lesen kann. Und so weiter und so fort. Ich werde hier nicht jeden skurrilen Einfall verraten, ist ja schließlich der halbe Spaß. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Neulich sah ich den Autor im Fernsehen. Auf dem blauen Sofa von Wolfgang Herles. Sinngemäß sagte er in diesem Interview, dass er es als Lob empfinden würde, wenn seine Leser während der Lektüre gelacht hätten. Ja, Herr Haas, ich kann Sie beruhigen. Ich habe gelacht. Vor Freude, über gelungene Pointen, anerkennend für Ihre Chuzpe. &lt;br&gt; In diesem Zusammenhang: Herr Herles, reizenden Dank für Ihre Bemerkung, dass man mit diesem Buch nicht unter Niveau lacht. Da bin ich ja beruhigt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Wolf Haas&lt;br&gt; Verteidigung der Missionarsstellung&lt;br&gt; Verlag Hoffmann und Campe, 2012 &lt;br&gt; ISBN: 978-3-455-40418-0&lt;br&gt; 224 Seiten&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/07/wolf-haas-verteidigung-missionarsstellung-15177712/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-04:/2012/11/04/michal-hvorecky-tod-donau-15164292/</id><title>Michal Hvorecky: Tod auf der Donau</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/04/michal-hvorecky-tod-donau-15164292/"/><author><name>dieJenny</name></author><published>2012-11-04T12:41:15+01:00</published><updated>2012-11-04T12:54:14+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.blog.de/media/photo/donau/6708979" title="Donau"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/979/6708979_a6fefb9b5b_m.jpeg" alt="Donau"&gt;&lt;/a&gt;Der durchschnittliche Tourist einer Donau-Kreuzfahrt ist 73 Jahre alt, wiegt 130 Kilo und ist Amerikaner. Er weiß nicht, was Barock ist, hat noch nie von Mozart gehört und gerät nach hundert Metern Fußweg außer Puste. Martin Roy hat als Reiseleiter keine leichte Aufgabe. Die Rentner zahlen, er muss es ihnen Recht machen. Vor Antritt seiner ersten Reise wurde er vom - amerikanischen - Veranstalter gezielt auf Unterwürfigkeit, Zustimmmung und Verleugnung der eigenen Person gedrillt. Martin Roy hasst es, aber er braucht das Geld.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Schiffsszenen in Michal Hvoreckys Roman "Tod auf der Donau" erinnern an "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" von David Foster Wallace - DEN Kreuzfahrtbericht schlechthin. Da verbiegt sich ein Mensch, versucht sein Hirn abzuschalten, um den gruseligen Alltag mit den Touristen zu überleben. Warum macht er das? &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mit der Beantwortung dieser Frage geht der slowakische Schriftsteller Hvorecky weit über die Beschreibung der geldgierigen Auswüchse des Tourismus hinaus. Mit Martin Roy zeichnet er eine Figur, die im Literaturbetrieb seines Landes gescheitert ist. Scheitern musste. Die Leidenschaft des Protagonisten ist das literarische Übersetzen. Schon seine erste Übersetzung - passenderweise die von Claudio Magris' "Donau" - wird preisgekrönt. Offenbar hat sie aber kaum jemand wirklich gelesen. Sein Lohn reicht nicht zum Leben, wird ihm später ganz verweigert.  Roy steigt aus und landet auf dem Kreuzfahrtschiff.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Donau ist der rote Faden, an dem Martin Roys Lebensgeschichte erzählt wird. Bei jedem Halt, den das Schiff macht, erfährt der Leser nicht nur historisches zur Donaustadt, sondern auch, wie Martin Roy aufgewachsen ist. Dabei spielt auch seine enttäuschte Liebe zu Mona eine Rolle, die plötzlich auf dem Schiff auftaucht und alles durcheinander bringt. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;"Die Donau verbindet die Ereignisse", sagt der Autor. "Sie ist der epische Strom." Im Roman fährt das Schiff von Regensburg bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Es steuert aber gleichzeitig auch auf eine Apokalypse zu. An Bord treibt ein Mörder sein Unwesen, zwei Leichen muss Martin Roy verschwinden lassen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das Ende des Romans ist überraschend, viele Gedanken klingen noch lange nach. Die Mischung aus Reiseführer, Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Gesellschaftskritik ist gelungen und erzeugt eine ganz eigene Lesedynamik.&lt;br&gt;
Meine Empfehlung: Lesen!&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;em&gt;Michal Hrovecky: Tod auf der Donau&lt;br&gt;
Tropen Verlag 2012&lt;br&gt;
271 Seiten&lt;br&gt;
19,95 Euro&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/04/michal-hvorecky-tod-donau-15164292/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-11-03:/2012/11/03/david-ballantyne-sydney-bridge-upside-down-15161850/</id><title>David Ballantyne - Sydney Bridge Upside Down</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/03/david-ballantyne-sydney-bridge-upside-down-15161850/"/><author><name>vonB-lang</name></author><published>2012-11-03T16:43:18+01:00</published><updated>2012-11-03T16:46:15+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;a title="Sydney Bridge Upside Down " href="http://www.blog.de/media/photo/sydney_bridge_upside_down/6707360"&gt;&lt;img src="http://data8.blog.de/media/360/6707360_e12dd35534_s.jpeg" alt="Sydney Bridge Upside Down "&gt;&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;Es ist Sommer in Neuseeland. Der 13jährige Harry und seine Freunde im kleinen Dorfe Calliope Bay am Rande der Welt vertreiben sich die Zeit mit vielerlei Unsinnigkeiten. Sie rauchen heimlich in einer Höhle, treiben sich in der Ruine einer Fleischfabrik herum und warten in der Hauptsache darauf, dass etwas passiert. Egal was. Die erhoffte Zerstreuung naht in Person von Harrys Cousine Caroline, die schnell die Aufmerksamkeit und Begehrlichkeit aller männlicher Personen in dem isolierten Dorf auf sich zieht. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Was sich wie eine leichte Erzählung über unschuldige Sommertage anlässt,  wie eine der üblichen Coming-of-Age Geschichten, schlägt schon bald um in eine schauerliche, Grauen erregende Geschichte und wird dabei zu einem Märchen ohne Erlösung und Vergebung. Es passieren schreckliche Dinge in Calliope Bay. Die Ruine der Fleischfabrik bleibt nicht länger nur ein Denkmal längst vergangener, glorreicher Zeiten. Sie wird zu einem Ort, an dem Unfälle passieren. &lt;br&gt;Einem Ort, an dem Menschen sterben. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Sydney Bridge Upside Down ist der sperrige Name eines sperrigen Pferdes. Ein alter Klepper, der einem ebenso sperrigen alten Mann gehört. Beide – das Pferd und der alte Mann stehen für den Niedergang des Ortes, aber auch für eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit. Am Ende werden es wohl diese beiden sein, die wissen, was in jenem Sommer passiert ist. So es denn überhaupt jemand jemals wissen wird. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Sydney Bridge Upside Down ist ein ebenso faszinierendes wie grauenerregendes Buch. Es begeistert an keiner Stelle, dafür ist der Stoff einfach zu hart. Dafür entwickelt der Kontrast zwischen der Beschwörung eines einsamen, auf sich selbst zurückgeworfenen Ortes an der Küste und dem allmählich zum Vorschein tretenden Grauen einen Sog, dem man sich als Leser nur schwer entziehen kann. Dabei ist in der Erzählung weniger das vordergründige Geschehen maßgeblich, sondern kleine eingestreute Hinweise hier und da. Die Grausamkeit liegt unter der Oberfläche, sie enthüllt sich erst nach und nach.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Holden Caulfield war ein Musterknabe gegen Harry Baird. Glaube ich. Denn der Kunstgriff Ballantynes ist so schlicht wie genial: Er erzählt die Geschichte aus der Sicht des 13-jährigen. Harry erzählt detailliert, aber bewusst saumselig und schleppend. Er lässt große Lücken, die er – vielleicht – später füllt, er verweigert sich jeder Norm einer realistischen Erzählung. Schnell ist klar, Harrys Blick auf die Welt ist zwar der eines Kindes, aber er blickt verheerend und destruktiv. Harry selbst kann man getrost als dysfunktional und auf eine beklemmende Art gefühllos bezeichnen. Ihm, dem die Küste und das Meer soviel bedeuten, fehlt jeder moralische Kompass.  &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Zum beklemmenden Ende wird zwar klar, es wird für keinen der Protagonisten eine Erlösung geben, aber es gibt auch keine Auflösung für den Zwiespalt, in den der Roman den Leser stürzt. Der atmosphärisch dichte Roman erzeugt beim Leser schleichend ein ungutes, beklemmdes Gefühl. Konsequent bis zum Schluss verweigert er sich dem Mainstreaum und lässt Interpretationen weiten Raum. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; Sydney Bridge Upside Down erschien 1968. Der Roman lässt nur in Ansätzen die malerischen Qualitäten  Neuseelands erahnen und zeigt eine düstere, dunkle Seite der Insel. Mit seiner Entzauberung der vielbeschworenen Siedlerromantik brachte David Ballantyne die Neuseeländer gegen sich auf, ein Erfolg wurde der Roman erst später. Mittlerweile zählt er zu den Klassikern der neuseeländischen Literatur und man darf vermuten, dass sich wohl ganze Generationen an Interpretationsversuchen abgearbeitet haben. Neuseeland war in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse. Zu diesem Anlass wurde der Roman erstmals in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;David Ballantyne &lt;br&gt;Sydney Bridge Upside Down &lt;br&gt;334 Seiten&lt;br&gt;Verlag Hoffmann und Campe 2012 &lt;br&gt;ISBN 978-3-455-40372-5&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/11/03/david-ballantyne-sydney-bridge-upside-down-15161850/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:literaturzeitschrift.blog.de,2012-10-29:/2012/10/29/grabenkrieg-literaturszene-genres-rest-welt-15142773/</id><title>Grabenkrieg in der Literaturszene: Genres gegen den Rest der Welt</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/10/29/grabenkrieg-literaturszene-genres-rest-welt-15142773/"/><author><name>MichaelErle</name></author><published>2012-10-29T18:20:40+01:00</published><updated>2012-10-30T09:35:55+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ist Genre-Literatur schlechter? Sind die Klassiker bessere Bücher? Verdient alles den Titel Literatur, was zwischen Buchdeckel gepresst wird (ganz zu schweigen von eBooks).&lt;br&gt;
Diese Debatte geht gerade um. Sie ist, genau genommen, ein ziemlicher Zombie, ist seit Jahrzehnten nicht totzukriegen (erinnere ich mich falsch oder war schon in der Romantik der Roman als eitle Zeitverschwendung verpönt? Denis Scheck hat sich in der Stuttgarter Zeitung etwas holprig dazu geäußert ("&lt;a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.der-hobbit-und-seine-erben-nichts-gegen-fantasy.9ba613a7-8e96-4e54-95ee-85906fea5cec.presentation.print.v2.html"&gt;Nichts gegen Fantasy&lt;/a&gt;"), beschränkt sich aber im Wesentlichen auf eine Analyse der Meinung der etablierten Literaturgemeinde, und schließt etwas schwach mit einer Verteidigung des Eskapismus. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ein interessanter Ansatz findet sich im New Yorker ("&lt;a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/books/2012/10/its-genre-fiction-not-that-theres-anything-wrong-with-it.html"&gt;It’s Genre. Not That There’s Anything Wrong With It!&lt;/a&gt;"). Er konzentriert sich nicht nur auf Fantasy, sonder umfasst alle Genres - SciFi, Fantasy, Krimi, Thriller, also Unterhaltungsliteratur im Allgemeinen. Arthur Krytal, der hier Stellung zu einem &lt;a href="http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2012/05/28/120528crat_atlarge_krystal"&gt;früheren Text&lt;/a&gt; bezieht, analysiert gekonnt die Unterschiede zwischen E(rnsthafter) und U(nterhaltender)-Literatur. Interessanterweise ist das Argument des Eskapismus keines, dass er zur Unterscheidung heranführt. Auch wehrt er sich gegen den Vorschlag, dass sich Genre-Literatur vor allem durch die Bedeutung der Handlung auszeichnet. Auch klassische Literatur, so Krystal, kann duuchaus einen starken Plot haben.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es ist vielmehr die Erwartungshaltung, die der Leser an die verschiedenen Arten von Fiktion hat. In Genres erwartet man nicht den ausgezeichneten Schreibstil, der sich in der klassischen Literatur findet. Sie erwarten eine Handlung, die sie mitreißt, Charaktere, die sie inspirieren und die sie nachvollziehen können (was natürlich in der E-Literatur genau so ist). Es ist eine Dichotomie von Kraft und Kunstfertigkeit, die die beiden Literaturarten unterscheidet. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Warum also verkaufen sich die Genres so gut, und warum hat der anspruchsvolle Literaturbetrieb solch ein Problem damit? Wie bei allen Dingen auch lernt doch auch der Leser durch die Übung. Nach 100.000 Seiten Vampirroman, Zauberschülerwälzer und Tolkienfortsetzung wird er ganz automatisch höhere Ansprüche entwickeln. Es stört doch auch keinen, dass wir alle in jungen Jahren Spaghetti mit Ketchup jedem Haute Cuisine-Gericht vorziehen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Oh je, habe ich gerade Fantasy mit Ketchup gleichgesetzt? Ich möchte &lt;a href="http://michaelerle.blogspot.de/"&gt;mich &lt;/a&gt;und meine Bekannten ausdrücklich davon ausnehmen. Sorry.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Zurück zur Frage, warum der Literaturbetrieb so allergisch reagiert. Hat er Angst, marginalisiert zu werden? Oder fürchtet man, durch die Schwemme an weniger kunstfertigen Schreibern den Status als Kunst- und Kulturform zu verlieren (inklusive der staatlichen und gesellschaftlichen Förderung, die damit einher geht? Man denke an das Streitthema Buchpreisbindung)? Oder hat der Elfenbeinturm ein Humordefizit, der es seinen Bewohnern schwer macht zu akzeptieren, dass nicht alle Menschen (in der Tat, nur die wenigsten) so ungezwungen mit der Literatur umgehen?
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://literaturzeitschrift.blog.de/2012/10/29/grabenkrieg-literaturszene-genres-rest-welt-15142773/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry></feed>
