Ob es Hornbys bestes Buch ist, lasse ich dahingestellt.
Ganz sicher aber ist es sein schrägstes. Und das heißt schon was. Bei all den schrägen Büchern, mit denen Hornby seine beständige Fangemeinde beglückt. Ich denke nur an
"a long way down" . Ein Buch, an den ein Gedanke genügt, um ein wehmütig-melancholisch-fröhliches Lächeln hervorzuzaubern. Hornby variiert in seinem neuem Roman seine ihm liebsten Themen. Liebe, Musik und natürlich die Überraschungen, die das Leben für jeden von uns bereithält, am ehesten dann, wenn man nicht darauf vorbereitet ist.
Tucker Crowe, ein amerikanische Singer-Songwriter verschwand 1986 spurlos kurz vor einem Gig. Heute kann er kaum glauben, was er im Internet alles über sich lesen muss. Dort tauschen seine glühendsten Fans - "Crowologen" - Informationen aus, nachdem sie alle Stätten seines Schaffens besucht haben. Sie lesen seine Songtexte rückwärts und tun noch manch andere merkwürdige Dinge, um Hinweise auf seine Person und seinen Aufenthaltsort zu erhalten. Zu den geistigen Führern dieser leicht verblendeten Community gehört auch Duncan, der mit seiner Freundin Annie in einem Kaff an der englischen Ostküste lebt. Duncan und Annie- ein Paar, dessen größte Gemeinsamkeit es ist, immer als letzte in eine Sportmannschaft gewählt worden zu sein. Nach 15 Jahren, gemütlich in Lethargie eingerichtet, hat Annie sich mit diesem Spleen arrangiert.Doch als dann plötzlich, welch eine Sensation, eineUnplugged Version von Crowe's berühmtestem Machwerk
Juliet, eben "Juliet, Naked" auf den Markt kommt, stellt sie eigenständig eine Kritik des neuen Albums ins Netz. Duncan ist entsetzt. Für ihn ist dies der Beweis von Annies Ignoranz. Tucker Crowe himself wiederum fühlt sich zum ersten Mal verstanden, und er nimmt Kontakt zu Annie auf . Von der englischen Ostküste nach Amerika und wieder zurück führt diese Geschichte, in der zwei einsame Menschen plötzlich und unerwartet richtungsweisend füreinander werden.
Neben süffisantenund treffenden Seitenhieben auf durchgeknallte Internet-Communities geht es in Juliet, Naked schlussendlich um die bei Hornby immer wiederkehrende Thematik der Einsamkeit des Menschen, der Sehnsucht nach einem Sinn. Hornbys größtes Talent ist die Fähigkeit, mit sicheren Wortspielen um ein abstruses Thema eine fesselnde Geschichte zu spinnen. Sorgfältig und sicher übersetzt vonClara Drechsler und Harald Hellmann gelingt es auch der deutschen Fassung,mit spannenden, so noch nicht gelesenen Wortschöpfungen zu überraschen. Immer wieder stößt der geneigte Leser auf Sätze, die es auch einzeln wert sind, aufbewahrt zu werden.
Hornbys Protagonisten sind mit ihm älter und somit auch desillusionierter geworden. Gleichwohl gibt der Autor dem Leser ein erhebliches Identifizierungspotential mit seinen Figuren. Tucker Crowe z.B. erhält in diesem Roman eine komplett überzeugende Hintergrundgeschichte. Man hört von Leuten, die seinen Namen googeln und versuchen, sich "you and your perfect world" herunterzuladen. Wenn etwas an diesem Buch enttäuscht, ist es sein Ende. Zum Schluss plätschert die Geschichte vor sich hin und das Ende bleibt weitgehend offen. Klar wird nur, weder Annie noch Crowe, geschweige denn Duncan haben sich weiterentwickelt und der am Horizont dräuende Hoffnungsschimmer, auf den man sich bei Hornby sonst immer verlassen konnte - er bleibt aus.
So, Mr. Hornby, nachdem ich nun liebevoll in Annie's Fußstapfen getreten bin und als eine der ersten eine Kritik zu ihrem neuesten Werk in's Netz gestellt habe, die noch dazu auf einzigartige Weise zeigt, wie gut ich Sie und Ihr Werk verstanden habe, sind nun Sie am Zuge. Awaiting your email or comment I still remain yours sincerely Killer Queen.
Nick Hornby
Juliet, Naked
Roman
Verlag Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-04139-2
Dark_Rose
Pro












Ich bin zwar nicht Mr. Hornby, aber Kommentieren tu ich doch!
A long way down fand ich klasse, ist aber (soweit ich weiss) der einzigste Hornby, den ich bislang gelesen habe. Allerdings habe ich immer ein Problem damit, wenn in einer Rezi direkt angesprochen wird, dass das Ende einfach so ausläuft. Ich bin eher der Knall auf Fall-Cliffhanger-Ende-Typ und dann schon im vorhinein etwas "abgeturnt". Ich warte mal weitere Rezis ab und prüfe sorgfältig, ob es auf meine Leseliste kommt!
LG
Mieps