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  • Stephen King - Revival

    Wir schreiben das Jahr 1962, als der junge Pfarrer Charles Jacobs mit Frau und Sohn nach Harlow, Maine (natürlich in der Nähe von Castle Rock) kommt und sofort die Herzen der ländlichen Bevölkerung gewinnt, besonders das des kleinen Jamie Morton. Drei Jahre später jedoch schwört Jacobs nach einer Familientragödie seinem Gott öffentlich ab und die bigotten Dörfler verjagen ihn. Jamie wächst auf und widmet sich der Musik, seinen alten Freund vergisst er nicht.

    Bis 1992 dauert es, bis die beiden sich wieder sehen. Jamie – auch er musste einige Schicksalsschläge hinnehmen – ist dem Heroin verfallen und auf dem Tiefpunkt angelangt, als er Jacobs auf einem Jahrmarkt trifft, wo der ehemalige Gottesmann mit mysteriösen Elektrizitätsshows auftritt. Dieser nimmt sich des Junkies an und heilt ihn tatsächlich von seiner Sucht, wenn auch nicht ohne Nebenwirkungen. Abrupt trennen sich ihre Wege wieder, aber die gemeinsame Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, im Gegenteil…

    Der erfolgreichste Autor der Welt hat mit »Revival« erneut ein Meisterwerk abgeliefert, Chapeau Mr. King! Es gelingt ihm immer wieder scheinbar mühelos, den Leser mit seinen Geschichten und Protagonisten zu fesseln und ihn erst freizugeben, wenn mit Bedauern das Ende erreicht ist. Der neue Roman erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte; nicht nur deswegen erinnert er ein wenig an »Dr. Sleep«. Auch Autobiografisches ist mit eingeflossen, Stichworte: Sucht, Musik und Verkehrsunfall.

    »Revival« ist eines der härtesten King-Bücher seit langer Zeit und definitiv nichts für Zartbesaitete; auch die Schockmomente hat der Meister immer noch drauf. Allerdings sind diese nicht – wie bei vielen anderen Horror-Schreibern – Selbstzweck, sondern fügen sich logisch in den Plot ein. Die Handlung wird nicht mit der Peitsche vorangetrieben, sondern entwickelt sich zu Beginn eher langsam; King schreibt bisweilen gewohnt ausschweifend, aber nie langweilig. Als Leser seiner Bücher der ersten Stunde (damals waren die Bücher in Deutschland noch gar nicht erhältlich), kann ich »Revival« jedenfalls besten Gewissens weiter empfehlen.

    Stephen King
    Revival
    Scribner, 2014
    ASIN: B00ILHW6AG

  • Ken Follett - die Jahrhundertsaga / Trilogie

    Wenn man eins Ken Follett nicht vorwerfen kann, sind es mangelnde Ambitionen. Immer schön, wenn auch vom Erfolg Verwöhnte noch Ziele haben. Nicht mehr und nicht weniger als die Chronik des letzten Jahrhunderts wollte er schreiben. Im September erschien nun weltweit mit "Kinder der Freiheit" Teil drei seiner großangelegten Familiensaga. Zeit, das Gesamtkunstwerk zu beleuchten und die Frage zu stellen , ob dies ambitionierte Unterfangen gelungen ist. Die Antwort vorweg: Mit Abstrichen ja, im Großen und Ganzen kann sich das über 3000 Seiten starke Werk sehen lassen.

    Ken Follett, Sturz der Titanen Ken Follett, Winter der Welt Ken Follett, Kinder der Freiheit

    Fünf Familien aus Amerika, Deutschland, Russland, England und Wales geleitet der Schriftsteller durch die weltbewegenden politischen Wirrnisse des letzten Jahrhunderts. Fünf Familien, die sich im Laufe der Saga auf die ein oder andere Weise miteinander verbinden oder zumindest begegnen. Teil eins, "Sturz der Titanen" beginnt 1914 mit dem Aufstand der Bergarbeiter in Wales und führt den Leser bis kurz vor den Ausbruch des zweiten Weltkriegs. Teil zwei "Winter der Welt" beginnt mit Hitlers Machtergreifung und thematisiert hauptsächlich die dunklen Jahre des zweiten Weltkriegs. Teil drei "Kinder der Freiheit" schließlich beginnt mit dem Bau der Berliner Mauer und endet mit ihrem Fall.

    Aufstieg und Fall des Kommunismus, Bürgerkriege allerorten, Spionage, Diktaturen, Freiheitskämpfe, Bürgerrechtsbewegungen - alles ist eingewoben in diese Trilogie, kein Kampf wird vergessen, kein Aufstand bleibt ungewürdigt. Dazwischen wird geliebt, gelitten, gefreut, geboren, gestorben in bekannter Folletscher Manier. Damit man als Autor wirklich die ganze Geschichte des letzten Jahrhunderts in Romanform unterkriegt, ist der Griff zum bewährten Forrest-Gump-Kniff das Mittel der Wahl und so bleibt es nicht aus, dass mancher Handlungsstrang sehr weit hergeholt und bemüht wirkt. Aber dessen ungeachtet bieten das epische Werk eine historische Grundlagen-Aufarbeitung und geschmeidige Lektüre.

    Sorgfältig recherchiert, aber auch von Neugier getrieben, verbindet Ken Follett belegte Historie mit fiktionalen Geschichten. Seine strikte Regel "Immer herausfinden, was passiert sein könnte, aber niemals etwas Unmögliches geschehen zu lassen" befolgt er dabei akribisch genau, hinterfragt auch kleinste Kleinigkeiten. Das führt einerseits zu unterhaltsamen Handlungssträngen, etwa bei Jack Kennedys amourösen Betätigungen, andererseits gehen etliche Details viel zu sehr in die Breite. Braucht es wirklich diverse Seiten, um die Kleidungsgewohnheiten der Upper class zu beschreiben oder hätten es nicht ein paar Nebensätze auch getan?

    Gleiches gilt für die von Ken Follett anscheinend sehr geliebten Sex-Szenen, denen er nicht widerstehen kann. Gerade in Teil zwei finden sich eklatant viele, mancherorts wurden seine Romane gar schon augenzwinkernd als Männerromane bezeichnet. Dazu sei einmal mehr gesagt: Ja, natürlich, man kann auch über Vergewaltigungen schreiben, gerade im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg geht es wohl auch nicht ohne. Aber - muss es wirklich so offensichtlich als gewollt antörnende Vorlage dienen? Was sämtliche Sexszenen nebenbei bemerkt, auch nicht tun. So hölzern und technisch, wie es letzten Endes rüberkommt, ist vielleicht doch sogar die Lektüre einer Gebauchsanweisung für Waschmaschinen erotischer.

    Ganz grundsätzlich ist auch die große Literatur Ken Folletts Sache nicht, da mag man es noch so gerne als "Literarisches Denkmal des Jahrhunderts" bewerben. Oft ist seine Sprache holprig, in der Übersetzung finden sich zudem immer wieder kleinere Logikfehler, so etwa, wenn die Namen der Protagonisten durcheinandergewürfelt werden. Das ändert aber nichts daran, dass dem Leser durch die Romanhandlung die Möglichkeit gegeben wird, diese erst so kurz hinter uns liegende Epoche noch einmal mit anderen Augen zu sehen, sie dadurch greifbar und von der Abstraktheit des Geschichtsunterrichts befreit vor sich zu sehen. Dass man sich jederzeit denken kann, wie die jeweilige Storyline ausgeht, wenn man die Historie so halbwegs kennt, stört dabei eher weniger und nimmt der Spannung erstaunlich wenig.

    Eher irritiert da schon die sehr unterschiedliche Gewichtung der politischen Ereignisse. Wenn in Teil drei beispielsweise gut fünf Jahrzehnte abgehandelt werden sollen, wundert man sich nach der Hälfte des Buches schon, warum Martin Luther King immer noch für seine Bürgerrechtsbewegung kämpft. Entsprechend wird manch anderes Nachfolgende hektisch abgehandelt und auch nicht jede handelnde Person bekommt ein auserzähltes Ende. Was aber auch nicht allzu schlimm ist, denn die Charaktere sind zwar alle nachvollziehbar, oft genug aber auch sehr eindimensional. Aber wenn jede Figur immer dem Zwang des Übergeordneten folgend in eine bestimmte Ideologie eingebunden werden muss, bleibt das wohl nicht aus. Dennoch verliert Follett nie den Faden, der Leser seinerseits greift zwischendurch sicher dankbar zu den sorgfältig gezeichneten Stammbäumen der einzelnen Familien.

    Ungeachtet der Mängel sind die drei Romane (auch einzeln) gut lesbar und den beseelten Geschichtenerzähler nimmt man dem Autor jederzeit unberufen ab. Grundsätzlich muss man natürlich auch berücksichtigen, dass bei weitem nicht jeder Leser über ein ausreichendes geschichtliches Grundverständnis verfügt und es sicher dringend not tut, auch weniger versierten Lesern Zusammenhänge, die bis heute nachwirken, nahe zu bringen. Alleine diese Ambition ist zweifelsohne aller Ehren wert. Irgendwer muss es ja machen und wenn es Ken Follett ist. Wenn man sein Wissen aus Unterhaltungsromanen bezieht - auch gut. Hauptsache, man bezieht es überhaupt irgendwoher. Darüberhinaus macht es auch einfach Spaß, nachzulesen, wie komplett anders der Alltag der Menschen im Laufe der Jahrzehnte war, wie sich alles entwickelt hat - von den Anfängen der Motorisierung bis zu unserer heutigen nahezu unbegrenzten Reisefreiheit oder die Kommunikation von der ersten Depesche bis zu den Anfängen des Computerzeitalters.

    Alles in allem ist diese Trilogie eine angemessene Würdigung des Wirkens der Menschen des letzten Jahrhunderts. Follett selbst sagt, dass ihm erst während des Schreibens klar wurde, dass der Leitgedanke des letzten Jahrhunderts der Kampf für die Freiheit war. Es war die gewalttätigste Epoche in dre Geschichte der Menschheit und erst durch die Rückschau erschließt sich, wieviel erreicht wurde von dem, was heutzutage für uns selbstverständlich ist. Die Trilogie zeigt unterm Strich eindringlich, wie schwer der Kampf für die Freiheit war, wie schwer erreichbar sie war und ist von daher sicher auch ein Mahnmal dafür, Errungenschaften wie Demokratie und Freiheit nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

    Interessanterweise ist der Epilog des dritten Teils genau dafür ein beredtes Beispiel. In diesem Epilog springt Follett in unsere Gegenwart und thematisiert die Vereidigung Barack Obamas zum ersten schwarzen Präsidenten der USA. Zeigen wollte Follett damit wohl eher den erfolgreichen Schlusspunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der er ja in der Gesamtgewichtung extrem viel Raum gegeben hat. Der europäische Leser hingegen wird wohl eher nicht umhin können, daran zu denken, dass gerdae dieser Präsident, in den so viele Menschen soviele Hoffnungen gesetzt haben, in mehr als einer Hinsicht enttäuscht hat, auch und gerade, was die Verteidigung der Freiheitsrechte angeht.

    Ken Follett
    Sturz der Titanen, 1038 Seiten, ISBN 978-3-404-16660-2
    Winter der Welt, 1024 Seiten, ISBN: 978-3-8387-0907-9
    Kinder der Freiheit, 1036 Seiten, ISBN: 978-3-8387-5778-0
    Verlag Bastei Lübbe
    Band 1 und 2 bereits als Taschenbuch verfügbar,
    alle 3 Teile als E-Books und Hörbücher verfügbar.

  • Thomas Pynchon – Bleeding Edge

    Maxine Tarnow ist eine private Ermittlerin in Betrugsfällen und sie hat gut zu tun in diesem New Yorker Frühsommer 2001. Die erste Dotcom-Blase ist geplatzt; die Überlebenden versuchen zu retten, was zu retten ist, egal mit welchen Mitteln. Maxine beschäftigt sich mit einem Unternehmen, das Sicherheitssoftware herstellt und dessen zwielichtigem Chef, einem milliardenschweren Computer-Nerd. Dazu ihr Nebenjob als Mutter und Beinahe-Ehefrau; das Schicksal hat ihr kein leichtes Päckchen geschnürt.

    Sie taucht ein in die verstörenden Tiefen des Internets und findet dort Bedrohliches, das sie nicht immer versteht, ihr aber trotzdem Angst macht. Auch im real life häufen sich merkwürdige Begebenheiten, sie trifft auf die russische Mafia und bald gibt es den ersten Toten. Und dann sind da noch die seltsamen Videos, die man ihr zuspielt, in diesen ersten Tagen des Septembers 2001…

    Ich bin eigentlich eher skeptisch mit Begriffen wie »Kultautor«, und ein solcher ist Thomas Pynchon ohne Zweifel, nicht nur, weil er die Öffentlichkeit konsequent scheut. Also war »Bleeding Edge« meine erste Begegnung mit ihm, aber es wird nicht die letzte gewesen sein, so viel ist sicher. Faszinierend sind seine geschliffene Sprachgewalt und der spielerische Umgang mit Worten, ebenso die Vielzahl der Charaktere, deren bisweilen skurrile Geschichten genüsslich ausgebreitet werden. Trotzdem behält der Plot eine gewisse Stringenz bei, die Geschehnisse werden zügig vorangetrieben, und das gelingt bei einem Werk dieses Umfangs nicht vielen Schriftstellern.

    Und so ist »Bleeding Edge« viel mehr als ein weiterer 9/11-Roman, obwohl das natürlich ein zentrales Thema des Buches ist und auch die entsprechenden Verschwörungstheorien nicht fehlen dürfen in einer zutiefst neurotischen Gesellschaft, die detailliert beschrieben und seziert wird. Die ungeheure Dichte von Sprache und Handlung verlangt dem Leser einiges ab, aber wenn er sich darauf einlässt, wird er reichlich belohnt, von mir eine klare Empfehlung!

    Thomas Pynchon
    Bleeding Edge
    Rowohlt E-Book 2014
    ASIN: B00M7KZGNW

  • Der Bücherprinz, oder wie die Eule zum Prinzen wurde

    Kennt ihr das? Man liest ein Buch und ist hin und weg. Eine adäquate Rezension scheint unmöglich, zu überlegen seine Sprachgenialität. "Kopfverdreht vom Buch". Nun handelt diese Autobiografie von einem, der Auszog, die Regeln zu brechen. Ausziehen musste, bevor die Regeln ihn brechen.
    In einem uns bekanntem Land, war eine Eule sehr bekannt. Und diese Eule, die ich meine, nennt sich Frieling.
    Er nimmt mich mit in sein Leben.
    In langsamen Wellen nimmt er mich mit, führt mich durch die Anfänge, wägt ab, analysiert, sucht und findet seine Wahrheiten. Er zeigt, dass es kommen musste, wie es kommt.
    Sein Buch drang in meinen Kopf, verdrehte mir denselben. Ich durchdachte die Formulierungen, suchte hinter den Zeilen und bewunderte die Wahl seiner Worte. Seine Gedichte, die geschilderten Tatsachen, die Bücher die ihn begleiteten, ich wollte in seinen Spiegel sehen. Wie berauscht und süchtig nach seinen Worten.
    Ich fühlte es förmlich, das sich Auflehnen gegen die Langeweile des Gewohnten. Den Rebellen, der seine Bücherwelt im Kopf nachspielte und darin verschwand um dem Alltag des Lebens zu entgehen.Die Wellen seines Lebens werden höher, der Weg, kein leichter.
    Völlig ahnungslos beim lesen war zumindest ich, ich hatte keine Ahnung wohin das führen würde. Das Buch war geschenkt, der Autor eine FB Bekanntschaft.
    Also las ich wie besessen, immer neugierig auf die nächste Episode im Leben dieses Autors. Immer mehr fand ich Gemeinsamkeiten, lachte über seinen spitzfindigen Humor.
    Sein Leben hat viele Empfindungen in mir ausgelöst, das hatten lange keine Bücher mehr geschafft. Ich verliebte mich! In seine Worte, in seine Sprache!
    Er zwang mich, seine Liebe zum lesen zu fühlen, die Gedankenwelten die er auslöste zu erfahren und auf jeden Fall, immer weiterzulesen, denn ich wollte das Ende wissen.
    Wie in einem Krimi spannt er den Bogen durch sein Erleben.
    Sein Leben ein Drama, eine Operette mitunter, jedoch fast immer, auf Messers Schneide.
    Aber, die Buchstabenzauberei, der Dirigent der Worte, der Geigenvirtuose der sagenhaften Welt der Worte, er faszinierte mich, brach längst vergessenes auf und ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
    In einem mir bekanntem Land, war eine Eule sehr bekannt. Und diese Eule, die ich meine, nennt sich Frieling. Seine Freunde kürten ihn zum Prinz der Bücher. Prinz Rupi wird er nun genannt.
    Seine Worte, klar wie Diamanten, geschliffen wie sie, mal in allen Facetten leuchtend, das Licht der Ideen und Weisheit brechend und durch Schliff hervorgehoben.Mühsam der Erde entnommen, sorgfältig ausgewählt und dann schneidend, hart, immer noch diamantenklar, gepresst aus dem Kohlenstaub jahrmillionenalter menschlicher Weisheit hervorgebracht."Diamonds are the girls best friend", kaum gedacht, beschreibt er es wieder. Frauen, ja er hatte Erfolge, aber sie liebten seine Worte, nicht den Menschen.
    Kaum gedacht, schreibt er es selbst. So ging es mir die ganze Zeit beim lesen. es ist unmöglich, etwas aus dem Buch herauszulesen, was er nicht sorgfältig vorbereitet und geplant hat. Er ist der Verfuhrer, man folgt seinen Worten, seiner poetischen Logik, seiner Reise durch sein Leben..
    Und ja, auch dieses Leben hat mich in seinen Bann gezogen. Gezwungen hat es mich, zu reflektieren, über mein Leben und Erleben. Das Nachwort, ich las es mittendrin. Ich wollte endlich wissen, wer so viele Gemeinsamkeiten mit mir hatte, dass ich nicht mehr schlafen konnte und wie paralysiert weiterlesen und denken musste.
    Der Eulenspiegel hielt mir einen Spiegel vor.
    Die dunkle Seite, er spart auch sie nicht aus. Mit ebenso genialer Fantasie stattet er sie mit passenden Worten und Ereignissen aus. Wer sein Leben liest, wird mitgerissen, konfrontiert, in dem schnellen Strudel seines Lebens.
    Seine Zitate, Menschen denen er begegnete, sein Leben, führten zu einer tiefen Verbundenheit.
    Ich wurde regelrecht verliebt in seine Worte.
    Auch wenn er selbst schreibt, er hatte so seine Schwierigkeiten mit Emotionen, so glaube ich ihm dies nicht. Er spielt mit Emotionen, schafft es, sie nur Kraft seiner Worte, in mir auszulösen.
    Er bleibt immer, wer er ist. Ein Kämpfer gegen den Strom, ein kreativgenialer Kopf, der immer liebt was er tut. Und etwas Neues schafft, wenn er spürt, die Liebe ist ausgebrannt..Oft unkonventionell mit spitzer Feder.Was in unserem Land nicht zu Anerkennung, sondern zu Neid und Kritik führt.
    Er lässt mich teilhaben, zeigt mir den Weg zu der Erkenntnis, folge deinem Stern und du kannst selbst einer werden!
    Ja, eine Autobiografie, die gleichzeitig ein Leitfaden für Autoren ist, eine Reise durch die Geschichte und eine Geschichte in der Geschichte hinter der Geschichte.
    Er selbst sagt, er polarisiere gern und ja, dies gelingt ihm sein ganzes Leben!
    Ein Pionier in der Buch und Verlagswelt, dem der Erfolg recht gibt und der es gleichzeitig versteht, nie überheblich zu werden und dessen Passagen übers Lesen und Schreiben mich zu Tränen gerührt haben.
    Ich war in trance, beim Lesen genau wie jetzt beim Schreiben und genau das war es, was er auch bezwecken wollte!
    Franz Borkenau beschreibt ein Epos als literaische Form der Selbstfindung nach barbarischen Zeitaltern. Der Bücherprinz zeigt sein Epos, welches sich sein Leben nennt.
    Ein Grenzgänger war er immer, sein Epos konnte jedoch nur am Scheideweg entstehen. Sein unbedingter Wille zu überleben lies ihn schreiben und das ist es, was ihn wiedereinmal rettet.Ganz nebenbei erhält man ein Stück reale Geschichte und einen Leitfaden, wie man Autor werden kann. Authentizität ist der Schlüssel, Fleiß der Preis und die Liebe zum Leben und Schreiben der Motor.
    Nun, es ist vollbracht.
    Nun kann ich wieder eigene Wege gehen. Mit einem Autor als Freund,denn ein gutes Buch ist wie ein Freund.

  • Mandergrimm: Das Buch der Magoi

    Mandergrimm

    In diesem Buch geht es um einen jungen Kobold Namens Nimrod, der sich in Aura, einer Elfe verliebt. Doch leider ist Aura bereits Jaris, einem auserwählten Mann des bösartigen Königs versprochen worden. Zudem kommt noch hinzu, dass ein Kobold, der sich zu der Liebe zu einer Elfe bekennt, grundsätzlich mit dem Tode bestraft wird. Jedoch ist Nimrod soo leicht nicht zu töten. Doch schafft er es auch, seine Liebste aus den Händen von dem machthungrigen Günstling des bösartigen Elfenkönigs zu retten? Dazu muss er es erst einmal schaffen, den riesigen Grimwald mit all seinen Widersachern und weiteren unerwarteten Gefahren zu überwinden; den Wald, aus dem vor Jahren bereits sein Vater nicht mehr wiederkehrte. Denn der Grimwald gibt niemanden mehr her, den er erst einmal gepackt hat ...

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    Wer jetzt glaubt, eine reine Liebesgeschichte zwischen zwei Fantasiegestalten vor sich zu haben, der irrt. Dieses Buch beinhaltet außer einer Liebesgeschichte Lachen, Traurigkeit, Grusel und vor allem Spannung. Bekannte Figuren sind nicht immer das, was man hinter ihnen vermutet. Die Autorin, Nicole Blome, die Tochter unserer Blogfreundin Blumchen, schafft es von Anfang an diese Spannung zu halten. Man merkt, dass der Roman mit viel Liebe geschrieben wurde. 10 Jahre hat es gedauert, bis Nicole Blome mit ihrem Roman zufrieden war. Nun hoffe ich, dass die Fortsetzung doch etwas schneller geht. ;)

    PS: Der Roman beinhaltet zusätzlich viele von der Autorin gezeichnete Bilder. Es lohnt, sich diese 2x anzuschauen. Oft sind kleine Details eingearbeitet, die man auf den ersten Blick nicht gleich wahrnimmt.

    Der Roman ist für alle ab ca 10 Jahre und alle Jungebliebenen geeignet, die sich gerne in eine Fantasiewelt entführen lassen. Ich selbst habe ihn sehr gerne gelesen und freue mich schon auf den Tag, an dem ich das Buch meinen Enkelkindern zum Lesen anbieten kann. Und ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung, die bereits geschrieben wird. :)

    Autorin und Illustratorin: Nicole Blome
    Taschenbuch: 434 Seiten
    Verlag: Verlag der Märchenkönig (15. Juni 2013)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3943257061
    ISBN-13: 978-3943257069
    Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

    Das Buch ist u. a. beim Verlag der Märchenkönig, bei Amazon und vielen anderen Buchverlagen erhältlich

  • Doris Brockmann - die Erbseninseln

    Erbseninseln, Doris Brockmann Da sind wir. Plötzlich und unerwartet mitten im Herbst. Grau ist es, trübe. Ewig scheint es her, dass wir das Licht des Nordens sahen. Da liegt doch nichts näher, als eine Passage oder zehn zu buchen, die uns zurück entführen in den nordischen Sommer. Genauer gesagt zu den Erbseninseln, gelegen mittenmang in der dänischen Ostsee. 9 Erbsen blieben einst bei einem göttlichen Mahl über und wurden vom gut gesättigten Schöpfer ins Meer geschüttet. Glücklicherweise sind sie nicht untergegangen und sind bis heute nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für glückliche Dänemark-Urlauber, sondern auch phantasieanregende Kost für Autoren und ihre Leser.

    Die Autorin Doris Brockmann nimmt uns mit auf diese Reise. Raus aus dem grauen Alltag, glücklicherweise auch raus aus dem grauen Reiseführer-Einheitsbrei. Qua Ferndiagnose, gewickelt mit einer guten Portion Seemannsgarn, aber mit gesundem Respekt vor den Fakten gestaltet sie zehn Passagen. Mal als Münchhausiade, mal als Reportage, auch vor Kriminalgeschichten und exclusiver Hofberichterstattung (Höhö, Frau Königin) schreckt sie nicht zurück.

    Das dänische Archipel Ertholmene liegt weit im Osten, näher an Stettin als an Kopenhagen. Die Inseln verfügen nicht nur über ein mediterranes Klima, welches Feigen, Weintrauben und sehr entspannte Insulaner hervorbringt, sondern auch über Geschichte, Kultur, Flora und Fauna satt, das spektakuläre Dreiseiten-Fußballspiel nicht zu vergessen. Die beiden größten Inseln Christiansø und Frederiksø sind durch eine äußerst fragile Brücke verbunden, die maximal 10 Leute gleichzeitig betreten dürfen. Stabiler sind da schon die Strecken, die Doris Brockmann ihren Passagieren bietet. Charmant, mit einem kleinen, feinen Lächeln im Augenwinkel, dabei der feinen Ironie nicht abgeneigt, meistert Doris Brockmann die Passagen über die Erbseninseln.

    Sorgfältig recherchiert, sich nicht in den Fallstricken gelegentlichen Seemannsgarns verheddernd, verleiht sie dem Inselalltag einen poetischen Zauber und nimmt uns mit auf den Weg von den Festungsmauern bis zum Ende der Welt, welches auf den Ertholmene zum Glück nur ein kleiner begehbarer Aussichtspunkt ist. Wenn man nicht wüsste, dass es die Erbseninseln tatsächlich gibt, könnte man sich in einem modernen Märchen wähnen.

    Dieses Buch ist eine kleine Kostbarkeit, nicht nur wegen der zauberhaften Texte, sondern auch wegen seiner kunstvollen Gestaltung. Kostbar gewandet und banderoliert, wunderbar illustriert durch Wolfgang Gosch präsentiert die kleine Wiener Edition Krill die Passagen, denen jeweils eine Einleitung in Form eines erklärenden Dialogs zwischen einem (fiktiven) Redakteur und einer (weniger fiktiven) Kolumnistin vorangestellt ist. Und nach den Anstrengungen absolvierter Passagen mag sich der ein oder andere geneigte Leser sicher gerne mit einer kräftigen Portion Ærtesuppe, rezeptiert im Buch, stärken.

    Fazit: Sehr geehrte Frau Brockmann, Sie haben mir auf's Feinste über erste trübe Herbsttage hinweg geholfen. Ich verleihe Ihnen hiermit den Titel einer Prinzessin auf der Erbse(ninsel) und widerspreche vehement all jenen, die je gewagt haben sollten, Sie als Erbsenzählerin zu bezeichnen.

    Die studierte Germanistin Doris Brockmann lebt in Dorsten, eine kleinen Stadt an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Westfalen, der nicht nur für ihre Sterneköche, sondern auch für ihre phantasiebegabten Schriftstellerinnen weltweit Aufmerksamkeit zuteil wurde. Doris Brockmann schreibt vorzugsweise in Form angewandter Schriftstellerei im Dienste der Alltagsbeobachtung, wovon man sich auf Ihrer Homepage walk-the-lines auf's Trefflichste überzeugen kann. Ihr Debüt "Das Schreiben dieses Romans war insofern ein Glücksfall" ist als Kindle-E-Book verfügbar, wurde von der Literaturkritik gewürdigt und hat leider (noch) nicht die Aufmerksamkeit, die auch dieses Werk zweifelsohne verdient.

    Doris Brockmann, Die Erbseninseln - zehn Passagen zur wohl kleinsten Inselgruppe Europas, 96 Seiten, Edition Krill, Wien, 2014, ISBN 978-3902919-01-4

  • Zum Tode von Siegfried Lenz. - Ein Nachruf.

    Mit Siegfried Lenz ist Deutschland einer der größten Schriftsteller seiner jüngeren Literaturgeschichte verlorengegangen. Einer seiner menschlichsten und bescheidensten zudem, dessen Romane, Erzählungen und Novellen stets durch großes Mitgefühl gegenüber ihren Akteuren gekennzeichnet waren. Lehrmeisterei war dem Autor auch abseits des Literaturbetriebes fremd; was er zu sagen hatte, sagte er durch seine Werke. Diese verliehen zumal den soge-nannten kleinen Leuten eine Stimme, indem sie ihren Hoffnungen und Wünschen und - vor allem - ihren Niederlagen und ihrem Scheitern nachspürten.
    Ein Urteil über das Handeln eines Protagonisten wird der Leser bei ihm selten finden, und gerade darin liegt die Stärke seines Erzählens: Dass er über niemanden den Stab bricht - das bleibt, so er dazu gewillt ist, dem Leser überlassen.

    Noch schmerzlicher als der Rest der Republik muss man in Norddeutschland den Heimgang von Siegfried Lenz empfinden, ist doch gerade die norddeutsche Tiefebene der Schauplatz eines Gutteils seiner Romane und Erzählungen - jene Gefilde also, welche dem am 17. März 1926 in Lyck in Ostpreußen (heute Elk/Masuren) Geborenen zur vertrauten Heimat geworden waren.
    Nicht zuletzt deshalb fiel es mir, der ich als gebürtiger Emder ebenfalls mit der steten Nähe zum Meer und zum Hafen aufgewachsen bin, besonders leicht, diesen Mann und seine Werke zu lieben.
    Die vielberedeten Eigenheiten der Bewohner dieser Region, zudem die besonderen Gegebenheiten eines Lebens am und mit dem Meer, hat seit Theodor Storm kaum ein deutscher Autor so trefflich in Worte zu fassen verstanden wie Siegfried Lenz.
    Exemplarisch sei hier auf die Erzählung "Das unterbrochene Schweigen" aus dem Erzählband "Der Geist der Mirabelle" aus dem Jahre 1975 verwiesen, welcher den Leser mit Geschichten aus dem fiktiven norddeutschen Dorf Bollerup erfreut.
    In dieser Geschichte fahren die Vorstände zweier seit zweihundert Jahren in wechselseitiger Abneigung verbundenen Familien - beide mit Namen Feddersen, der besseren Unterscheidung halber jedoch als Feddersen-West und Feddersen-Ost bezeichnet -, deren Mitglieder infolgedessen kein Wort miteinander wechseln, eines Nachts mit ihren Booten zu ihren Aalreusen hinaus. Auf See werden sie jedoch von einem Unwetter überrascht, geraten in Seenot und überleben - beide Nichtschwimmer - nach dem Kentern ihrer Boote nur deswegen, weil sie sich aneinanderklammern und so gemeinsam der Urgewalt der See zu widerstehen vermögen.
    Wieder an Land, nehmen sie einen tüchtigen Schluck Schnaps zur Brust - bevor sie sich wieder der zweihundertjährigen Feindschaft erinnern und knurrigen Gemüts in die alten Verhaltensweisen zurückverfallen. Mit leiser Ironie parodiert Lenz hier leider auch in Ostfriesland verbreitete negative Eigentümlichkeiten des norddeutschen Menschen wie Starrsinn und mangelnde Einsichtsfähigkeit.
    Im Vorwort der Erzählungssammlung, welches das Dorf Bollerup zeitlich und räumlich nahe ans Alltagsgeschehen zu rücken bestimmt ist, findet sich im übrigen folgender bemerkens-werte Satz: "Die Informationen aus Brüssel sind so neu, daß sie nur die alte Weißglut bestätigen können." Doch das ist eine andere Baustelle, für die in einem Nachruf kein Platz ist.

    Welch ein großartiger Humorist Siegfried Lenz gewesen ist, belegt - unter vielen anderen - ebenfalls die Erzählung "Meine Straße" (1973), wo der Autor gleichsam mit feinen Pinsel-strichen das Alltagsleben einer Straße im Hamburger Stadtteil Othmarschen karikiert; hier hatte er 1963 gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Haus erworben; die Erzählung, welche - halbdokumentarisch verfasst - im Grunde einer Handlung im engeren Sinne entbehrt, kann also als halb-biografisch angesehen werden.
    Im übrigen könnte "seine" Hamburger Straße sich in jedem Stadtteil einer Stadt irgendwo in Deutschland, welcher sich als "vorwiegend ruhige Wohngegend" bezeichnen ließe, befinden, so treffend sind die beschriebenen Beobachtungen.
    Nicht ohne Biss und Seitenhieb (gegen die sogenannte bessere Gesellschaft) ist Lenz auch hier - doch auch hier bricht er eben nicht den Stab über die bisweilen eigentümlichen Usancen der Bewohner "seiner" Straße, zu der "unbedingt die Bogen und Haken gehören, die ich schlage, und die Teilstücke anderer Straßen, die ich auf meinem täglichen Weg gehe - einkaufend, spazierend, luftschnappend." Positive und negative Eindrücke halten sich in etwa die Waage. Und wer lässt sich schon von den negativen Eindrücken das Leben beschweren, wenn sie ihm Anlass zu solch versiertem Spott bieten?
    Demgemäß nimmt sich das Ende einmal mehr versöhnlich aus: "Viele Jahre wohnen wir jetzt hier, und in dieser Zeit haben wir uns aneinander gewöhnt, meine Straße und ich. Ja, es ist sogar mehr als Gewohnheit entstanden, das Gefühl nämlich, zu Hause zu sein. Gelegentlich, wenn Freunde aus der Stadt kommen und von den Vorzügen der City schwärmen, von dem regsamen geräuschvollen Leben dort, von sozialen Erfahrungsfreuden und sogenannter Weltnähe, dann beginne ich unwillkürlich meine Straße zu verteidigen: die Stille, die Distanz, die geharkte Abseitigkeit hier, die vielleicht das schnelle Gespräch nicht begünstigen, ganz gewiß aber die Arbeit am Schreibtisch. Und nach allen Regeln der Kunst versuche ich zu verdrängen, daß dies die einzige Gegend war, in die wir, auf der Suche nach einer neuen Wohnung, nicht ziehen wollten."

    Das Erleben der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges als Zeitzeuge und unmittelbarer Betroffener hat Siegfried Lenz offenkundig - wie so viele andere der Kriegsgeneration - geprägt: Bis ins Alterswerk hinein ziehen sich die Spuren des Miterlebens von Deutschlands dunkelster Epoche, immer wieder hat er sie zum Thema erhoben. Und wie immer, so auch hier sind es die kleinen Leute, an deren Seite der Autor sich stellt, deren Erlebnisperspektive er einnimmt.
    Seine Verbundenheit mit dem Meer einerseits und seine bitteren Erfahrungen mit einem un-menschlichen Regime und dem Kriege andererseits gehen in kaum einer anderen Geschichte seines Werkes eine solche Symbiose ein, wie in jener mit dem Titel "Stimmungen der See" aus dem Jahre 1957, in der drei Menschen den Versuch einer Flucht mit dem Ruderboot über die Ostsee nach Schweden unternehmen - aufgrund der titelgebenden Stimmungen der See werden sie jedoch tragischerweise an dieselbe Küste zurückgetrieben, der sie entflohen sind. Dort begegnen sie wieder den "Uniformen, die sie kannten".
    Auch wenn Lenz hier gewiss das Deutschland der NS-Zeit als Ausgangspunkt im Sinne hatte, könnte es ebenso gut die DDR sein, aus der bekanntermaßen in späteren Jahren ebenfalls viele den Versuch einer Flucht über die Ostsee antraten. Die Auseinandersetzung mit der See kann als Allegorie von allgemeiner Gültigkeit auf den (aussichtslosen) Kampf des Individuums mit einem (übermächtigen) System gedeutet werden.
    In den "Stimmungen der See" finden sich sowohl Anklänge an Stephen Cranes Erzählung "The Open Boat" aus dem Jahre 1897 als auch an Ernest Hemingways weltberühmte Novelle "The Old Man and the Sea", welche 1952 erschienen war.
    Lenz´ Prosa steht gleichermaßen in der Tradition klassischer deutscher Erzählungen wie der Short Story US-amerikanischer Prägung, welche besonderen Einfluss auf die unmittelbare deutsche Nachkriegsliteratur nahm. In ihrer radikalen Reduktion auf das Wesentliche war sie das ideale literarische Äquivalent zu dem zerstörten Land, in dem sie angesiedelt war: die angemessene Ausdrucksform angesichts der Sprachlosigkeit gegenüber dem unermesslichen Leid, welches Krieg und Gewaltherrschaft über die Menschen in ganz Europa gebracht hatten. Die Botschaft des literarischen Schaffens dieser nun langsam aussterbenden Kriegsgeneration an die Zurückbleibenden sollte auch mit wachsender zeitlicher Distanz nicht ungehört verhallen. Es ist mit Sicherheit der beste Weg, um dem Erbe von Siegfried Lenz (in Stellvertretung Millionen anderer) Ehre zu erweisen, wenn man sich gegenwärtig und zukünftig bemüht, wohlüberlegt und klug zu handeln und solchermaßen dafür Sorge zu tragen, dass Europa auch weiterhin der friedliche Ort bleibt, welcher er in den vergangenen fast siebzig Jahren gewesen ist.

    Seine vielleicht schönste Schöpfung hatte sich Siegfried Lenz trotz all der langen Schaffensjahre, die bereits hinter ihm lagen, fast bis zum Schluss aufgehoben.
    Die 2008 erschienene Novelle "Schweigeminute" ist eine der herausragenden deutschsprachi-gen Prosadichtungen im noch immer jungen 21. Jahrhundert. Im vertraut gemächlichen Duktus beweist der große Erzähler hier noch einmal seine Meisterschaft, wenn er vor dem Hintergrund der deutschen Ostseeküste - und eingebettet in das fortlaufende Alltagsleben am Meer - eine sommerliche Ferienromanze mit tragischem Ausgang zwischen dem 18-jährigen Schüler Christian und seiner Englischlehrerin Stella Petersen entfaltet. Dies geschieht in solch scheinbarer Beiläufigkeit und dennoch mit solcher Formvollendung, völlig zeitentrückt und unter Absage an alle moderne Hast und literarische Moden (Lenz hat seiner Geschichte die äußere Gestalt der Rahmenerzählung gegeben, eine Form, die in der deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts ihre Blüte erlebte), dass dieses Alterswerk mit vollem Recht seinen Bestand vor der Ewigkeit beanspruchen kann.

    Dem langjährigen Freunde Marcel Reich-Ranicki, welcher ihm auf dem letzten Menschen-wege um etwas mehr als ein Jahr vorausgeeilt ist, hatte Siegfried Lenz bereits vor vielen Jahren die Kurzgeschichte "Ein geretteter Abend" zum Geschenk gemacht - und dieser dankte es ihm mit der besonderen Hervorhebung im Vorwort zur Gesamtausgabe seiner Erzählungen.

    Am 7. Oktober 2014 ist Siegfried Lenz, ein literarischer Chronist des 20. Jahrhunderts aus Sicht der einfachen Menschen, deren Sorgen und Nöte er von den dunkelsten Stunden unseres Landes über den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder bis in die Gegenwart begleitet hat, im Alter von 88 Jahren für immer von uns gegangen.
    Sein Verlust wiegt schwer für die deutsche Literatur, denn wer unter den Lebenden versteht es derzeit, unserer Sprache solche Töne zu entlocken, wie er es verstand?
    Es bleibt zu hoffen, dass sich sein hinterlassenes reiches, aber leises Werk als Denkmal von dauerhaftem Bestand erweist, und nicht gerade aufgrund seiner Unaufdringlichkeit einem raschen Vergessen anheimfällt.

    Jeder Freund der deutschen Literatur wird ihn schmerzlich vermissen.

  • Heinrich Steinfest: Der Allesforscher

    Steinfest, Allesforscher Steinfest beginnt seinen genremäßig phantastischen Roman mit einer gewaltigen Explosion: Manager Sixteen Braun beobachtet im südlichen Taiwan, wie ein toter Pottwal auf einem Schwertransporter durch die Straßen gefahren wird. Augenblicke später wird er im Koma liegen, die im Inneren des riesigen Tieres metabolisierenden Gase lassen den Meeresriesen explodieren, Braun wird hart von Innereien getroffen und verliert das Bewusstsein.

    Er erwacht in einem Krankenhaus und macht dort – Glück im Unglück – Bekanntschaft mit der sexuell eigenwilligen Ärztin Lana. Der Dame will er treu sein, doch daheim bricht trotz guter Vorsätze das fremd bestimmte Leben über ihn herein. Er heiratet seine von ihm ungeliebte Verlobte, steigt in der Firma des Schwiegerpapas auf und lebt ein frustriertes Dasein. Zwei Jahre darauf wird er davon per Scheidung erlöst, schult vom Manager zum Bademeister um und beginnt, Lana zu suchen. Die ist jedoch zwischenzeitlich überraschend verstorben, und so könnte die Geschichte eigentlich schon zu Ende sein.

    Doch da klingelt das Telefon, und mit diesem kleinen Kunstgriff, dessen sich manch ein Autor bedient, der aus der Sackgasse des Handlungsgefüges ausbrechen will, erfährt Sixteen Braun von einem Sohn. Diesen hat er angeblich mit Lana gezeugt, der Waise soll seinem leiblichen Vater zugeführt werden. Nach anfänglichem Sträuben akzeptiert er die Vaterschaft. Die körperliche Zuwendung der Botschaftsangestellten, die ihm das Waisenkind vermittelt, leistet dabei zusätzliche Überzeugungsarbeit. Allerdings wundert sich der frisch gebackene Papa, dass der Knabe ein kleiner Chinese ist, den er mit der Europäerin gezeugt haben soll. Zudem spricht der Knabe eine vollkommen eigene Sprache, die keinem verständlich ist und ist offensichtlich in einer eigenen, geheimnisvollen Welt gefangen und dort zurückgeblieben. Dafür kann er meisterhaft zeichnen und klettert wie eine Bergziege.

    Der Leser als Allesforscher

    Es soll nun nicht zu viel verraten werden, aber Sixteen begegnet in Träumer seiner Schwester, die beim Bergsteigen tödlich verunfallte und deren Unfallort die frisch verkuppelte dreiköpfige Familie aufsuchen will. Zwischen Wahn und Wirklichkeit, getrieben von Albträumen und Fantasien geht der ehemalige Businessman und jetzige Bademeister nun mitsamt Sohn und Freundin auf die Reise. In den Alpen begegnet er einem Chinesen, der eigentlich mit der Geschichte eng verwoben ist …

    Spätestens hier nun ist es am Leser, im Sinne des Buchtitels zum Allesforscher zu werden und die verschiedenen Fäden und Handlungsstränge aufzunehmen und zu verweben. Das wirkt im ersten Augenblick verwirrend surreal, liest sich aber äusserst geschmeidig, denn Steinfest ist ein Autor, der zumindest im Steinbruch der Worte gewandt zu klettern versteht.

    Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2014 hätte dieses Werk durchaus verdient, gekrönt zu werden. Doch dazu hätte der 1961 geborene Verfasser seinen Roman wohl auf die Insel Hiddensee statt nach Taiwan verlegen müssen …

    Heinrich Steinfest
    Der Allesforscher. Roman
    Piper Verlag 2014 ISBN 978-3-492-05408-9

  • Chris Karlden: Unvergolten

    Chris Karlden: UnvergoltenLinda Förster läuft Gefahr, vollkommen den Verstand zu verlieren. Dabei hat die 29-jährige Grundschullehrerin, die nach einem Verkehrsunfall mühsam aus mehrtägigem Koma erwacht, schon in ihrer Kindheit viel durchmachen müssen. Sie wurde entführt und von einem psychotischen Täter in ein Erdloch gesperrt, aus dem sie nur gerettet wurde, weil der ermittelnde Kriminalist bei der Täterbefragung härter zufasste, als es das Regelwerk gestattet.

    Linda kann sich jedenfalls nur bruchstückhaft an den folgenschweren Autounfall erinnern, bei dem laut Polizei ihr Mann getötet wurde. Besonders schwierig ist, dass die Erinnerungsfetzen, die aus dem Nebel des Vergessens auftauchen, von den Ermittlungen abweichen. So sind zwar die wichtigsten ihrer Erinnerungen, die ihre Identität bilden, vorhanden. Doch darüber hinaus schütteln die Medizinmänner nur den Kopf und wollen sie gern länger zur Beobachtung unter ihren Fittichen behalten. Denn die Frau trifft angeblich Ärzte, die es gar nicht gibt. Sie glaubt, ihr damaliger Entführer, der lebenslang einsitzt, sei nachts in ihr Krankenzimmer gekommen und habe ihr eröffnet, sie jetzt endgültig ermorden zu wollen. Und sie ist überzeugt, allein in dem Auto gefahren zu sein, in dem ihr Mann den Unfalltod erlitt.

    Linda scheint durch den Zusammenstoß derart aus der Bahn geworfen, dass sie phantasiert und Gespenster sieht, die aus ihren Albträumen aufsteigen und real werden. Angehörige, Freunde, Ärzte und Kripoleute schütteln den Kopf ob ihrer wirren Geschichten. Als dann auch noch ein Mord geschieht, in den die junge Frau vielfältig verwickelt ist, gerät sie selbst unter Tatverdacht. In ihrer Verwirrung sucht sie das Gespräch mit dem Kinderpsychologen, der ihr zwanzig Jahre zuvor geholfen hatte, das Trauma der Entführung zu überwinden. Der kennt sie genau und erinnert, dass sie bereits als Kind monatelang unter Halluzinationen gelitten hatte und sich von ihrem Entführer, der fest hinter Schloss und Riegeln saß, leibhaftig verfolgt sah.

    Linda fürchtet nun bald selbst, durch den Unfall schizophren geworden zu sein. Wurde durch den Aufprall eine jener multiplen Persönlichkeiten in ihr geweckt, von denen sie sonst nur in Psychothrillern las? War sie vielleicht wirklich verrückt und stellte sie eventuell sogar eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, wie ein Richter glaubt, der sie wegschließen lassen möchte?

    Chris Karlden versteht es, in langsamen Windungen Gestalten aus dem Unterbewusstsein aufsteigen und Gestalt annehmen zu lassen. Gekonnt schichtet er die Spannung in seinem Roman, der in einem echten Psychoverwirrspiel mündet. Bald wird alles zu einem Karussel von Wahn und Wirklichkeit, von Schein und Widerschein, von Realität und Fiktion.

    Um von ausgetretenen Krimi-Wegen abzuweichen, überschlägt der Autor sich allerdings am Ende selbst, in dem er versucht, den Geschehnissen immer noch eins drauf zu setzen. Das macht die Lektüre in des Schlußsequenzen anstrengend und könnte dazu führen, dass manch ein Leser die gesamte Story als ein klein wenig zu abgedreht empfindet.

    Unabhängig davon ist Chris Karlden ein hochtalentierter, anspruchsvoller Erzähler, auf dessen nächste Veröffentlichungen man gespannt sein darf.

    Chris Karlden
    Unvergolten. Psychothriller
    Edel eBooks
    ISBN 978-3-95530-560-4
    Erhältlich bei Amazon

    Hier geht es zur Rezension von Chris Karldens Erstling »Monströs«

  • Janice Steinberg - Blechmenagerie

    Steinberg, Blechmenagerie

    Elaine Greenstein bereitet sich auf ihren Lebensabend vor. Als Witwe mag sie nicht mehr alleine in dem großen Haus wohnen, in dem sie ihre Kinder großzog und mit ihrem Mann Paul glücklich war. Auf sie wartet eine seniorengerechte Wohnung in der "Rancho Manana", von ihr gewohnt spitzzüngig "Ranch ohne Morgen" genannt. Vorbereitend sichtet sie gemeinsam mit dem jungen Archivar Josh Papiere aus ihrem langen Leben als Anwältin. Natürlich sind darunter auch private Papiere und einige davon wecken die Aufmerksamkeit des eifrigen Archivars. Es sind Briefe vom zu seiner Zeit berühmten Detektiv Philip Marlowe, die sich mit einer in der Vergangenheit liegenden Tragödie befassen.

    Vor mehr als 60 Jahren hat Elaines Zwillingsschwester Barbara ihre Familie verlassen, seitdem gibt es von ihr nicht ein einziges Lebenszeichen. Elaines und Barbaras Familie lebte damals in Boyle Heights, dem jüdischen Stadtteil von Los Angeles. Elaines Eltern waren aus Rumänien emigriert, ihr Leben sowie das der Gemeinde war überschattet von den Judenverfolgungen in Europa. Es gelang ihnen, sich in Amerika eine neue Existenz aufzubauen und sich in die dortige Gemeinde zu verwurzeln. Dennoch - es gab Ungereimtheiten in der Geschichte der Eltern, vieles blieb ungesagt. Die Wirtschaftsdepression tat ein Übriges, der Familie und auch deren Freunden das Leben zu erschweren. Die Seniorin Elaine hat mit all dem eigentlich abgeschlossen, das redet sie sich zumindest ein. Dennoch stellt sie sich nach anfänglichem Widerstreben den Schatten und begibt sich mit Josh auf eine Reise in die Vergangenheit und auf die Suche nach Barbara.

    Jedes Familienmitglied wächst in einer anderen Familie auf, so sagt man. Oder auch, dass man nur das wahrhaben will, was in die eigene Biographie passt. So können die Erinnungen von Geschwistern ganz unterschiedliche sein. Dies ist das Kernthema von Janice Steinbergs groß angelegter Familiensaga "Blechmenagerie". So ist es in der Familie Greenstein gewesen, namentlich bei den "übrig gebliebenen " Schwestern Elaine, Audrey und Harriet. Und Barbara? Wo war sie all die Jahre? Welche Erinnerungen hat sie? Und warum hat sie die Familie verlassen und sich nie mehr gemeldet? In den Rückblenden erschließt sich sowohl die einst innige Verbundenheit der Schwestern als auch deren erbitterte Rivalität, die sich sowohl an der ungleich verteilten Zuneigung der Mutter als auch an der Liebe zu einem Mann entzündete.

    Als alte Frau wirkt Elaine zunächst sehr selbstbezogen und nörglerisch, doch das ändert sich in dem Maße, wie sie sich selbst ändert. Sie läßt alte Erinnerungen zu und erinnert sich mitunter auch liebevoll an ihr Aufwachsen in ihrer temperamentvollen Familie. Vor allem an den Großvater mit seinen hochfliegenden Ideen, seinen schöngefärbten Geschäften (soooo groß ist der Unterschied zwischen Buchhandel und Buchmacher ja nun auch wieder nicht..... ) und vor allem an seine Geschichten aus dem alten Land. Die Blechmenagerie - eine kleine Sammlung von Blechtieren, die der Großvater den Kindern anfertigte - wird in großen Ehren gehalten. Eins von ihnen - das Blechpferd (so auch der Originaltitel: Tin Horse) wird am Ende des Buches noch eine kleine, aber sehr wichtige Rolle spielen. Doch erst als Elaine alle Geheimnisse gelüftet hat, offenbart sich ein Verrat. Ein Verrat, den sie nie wird vergessen können, aber vielleicht verzeihen. Die Verzeihung gefördert durch liebevolle Erinnerungen. So hat sie es ihr Leben lang gehalten: "Wenn Eier zerbrechen, macht man am besten ein Omelett".

    Die Blechmenagerie zeichnet eine satte, bunte Familiengeschichte über mehrere Generationen. Sie erzählt von tiefer Geschwisterbindung, aber auch von den Träumen und Sorgen der amerikanischen Einwandergeneration im zweiten Weltkrieg. Gepflegt recherchiert und sorgfältig erzählt entsteht so ein Bild von einer hierzulande weitestgehend unbekannten, in Amerika fast vergessenen Welt: der eigene kleine Mikrokosmos des einstigen Boyle Heights, dem früher rein jüdischen Stadtteil von Los Angeles. Es entsteht ein anderes als das gemeinhin bekannte Bild der kalifornischen Metropole, das tiefe Einblicke in das Sittenbild dieser Epoche gewährt.

    Die "Blechmenagerie" ist ein sehr ruhig erzählter Roman, der durch liebevolle Charakterzeichnung und eine lebendige Darstellung überzeugt. Im Kern ist es ein Buch über die Frage: Wie können wir wissen, wer wir sind? Für manche sind Familie, Herkunft und ererbte Kultur ein komfortabler Weg, um ihre Identität zu finden. Für andere jedoch kann dieser Weg ein Gefängnis sein, und die Flucht um jeden Preis eine verzweifelte Notwendigkeit. Es ist ein Buch nicht nur über die Geschichten, die wir erzählen, sondern über die Geschichten, die wir glauben wollen, um uns selbst zu erkennen.

    Janice Steinberg lebt in San Diego, sie ist Kunstkritikerin u.a. für die "Los Angeles Time "und lehrt an verschiedenen Universitäten. Die "Blechmenagerie" ist ihr literarisches Debüt und ihr erster Roman, der auf Deutsch erscheint und im Übrigen ganz wunderbar in die Tradition des Eichborn Verlags passt.

    Janice Steibnreg 
    Blechmenagerie 
    Eichborn Verlag 2014
    480 Seiten
    ISBN 978-3-3847905646

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